Englischer Garten Vergewaltigung an der Isar: Ein Zufall führt zum Tatverdächtigen

  • Im Dezember 2016 wurde eine Frau an der Isar bei Oberföhring vergewaltigt.
  • Die Attacke überlebte sie nur knapp.
  • Jetzt hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen, der möglicherweise auch für eine Vergewaltigung in Rosenheim verantwortlich ist.
  • Der 27-Jährige bestreitet jedoch die Taten.
Von Martin Bernstein

Die Polizei hat einen 27 Jahre alten Mann festgenommen, der nach ihrer Überzeugung am vierten Adventssonntag eine 45 Jahre alte Joggerin auf der Isarinsel gegenüber dem Englischen Garten vergewaltigt hat. Derselbe Täter soll auch für einen Überfall im November 2015 bei Rosenheim verantwortlich sein. Opfer war damals eine 29 Jahre alte Spaziergängerin.

Beide Frauen waren von einem dunkel gekleideten Mann gepackt, in ein Gebüsch gezerrt und vergewaltigt worden. DNA-Spuren von beiden Fällen stimmten überein. Im Februar dann die Überraschung, die jetzt zur Festnahme führte: Auch in einem Feldmochinger Büro, das Mitte Dezember von zwei bewaffneten Tätern überfallen worden war, hatte die Spurensicherung identisches Genmaterial gefunden.

Der Tatverdächtige hatte mehrere Identitäten

Bis zur Auswertung der DNA-Spuren durch ein externes Labor hatte es keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass der Raubüberfall und die Vergewaltigungen etwas miteinander zu tun haben könnten. Das hatten sie wohl auch nicht direkt, wie sich jetzt herausstellte. Denn der mittlerweile Festgenommene war offenbar keiner der Räuber - er war aber als Hilfsarbeiter in der Feldmochinger Lagerhalle tätig. Dieser Zufall bescherte der Polizei jetzt den Ermittlungserfolg. Denn als im Februar feststand, dass die DNA-Spuren identisch waren, baten die Ermittler Personen, die in irgendeiner Form mit der Lagerhalle zu tun hatten, zum freiwilligen Test.

Das Ergebnis wies auf einen 27-jährigen Asylbewerber. Der Mann hatte, wie es hieß, drei verschiedene Identitäten. Zunächst war er demnach als angeblich syrischer Flüchtling eingereist. Inzwischen ist sich die Polizei jedoch sicher, dass er kurdischstämmig ist und aus dem Osten der Türkei kommt. Er wurde am 31. März in seiner Unterkunft in Berg am Laim festgenommen. Nach Auskunft von Markus Kraus, dem Leiter der Münchner Mordkommission, bestreitet der Verdächtige bisher "trotz der erdrückenden Beweislage" die ihm vorgeworfenen Taten. Der Mann sitzt unter anderem wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Polizei findet Handschuh am ersten Tatort

Der 27-Jährige war laut Kraus im Oktober 2015 zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn als Flüchtling über Kiefersfelden eingereist. Zunächst wurde die Familie in Rosenheim untergebracht. Dort wurde am 26. November 2015 auf dem Inndamm eine 29-jährige Frau vergewaltigt. Dabei verlor der Täter einen Handschuh. Die Ermittler konnten DNA-Spuren sicherstellen, aber vorerst niemandem zuordnen. Im Dezember 2015 wurde die Familie dann in eine Münchner Unterkunft verlegt. Dort kam auch das zweite Kind des Ehepaars zur Welt.

Am Abend des vierten Advent 2016 - also etwa ein Jahr später - überfiel ein dunkel gekleideter Mann eine 45 Jahre alte Joggerin auf der Oberföhringer Isarinsel zwischen Wehr und Emmeramsbrücke. Er packte sein Opfer von hinten und schleppte es in ein Gebüsch. Dabei ging der Täter so brutal vor, dass das Opfer das Bewusstsein verlor. Dann missbrauchte er die Frau und ließ sie in der Kälte liegen.

Sie kam nach der Tat noch so rechtzeitig wieder zu Bewusstsein, dass sie sich trotz ihrer schweren Verletzungen in die nahe gelegene Gaststätte St. Emmeramsmühle schleppen konnte. Erneut fand die Polizei bei ihrer groß angelegten, mehrere Tage dauernden Suche DNA-Spuren - die Ermittlungsgruppe Emmeram stellte wenig später fest, dass diese identisch mit dem Genmaterial aus Rosenheim waren.

Daraufhin schlugen die Profiler der Münchner Kriminalpolizei Alarm. Sie vermuteten einen Serientäter hinter den Angriffen. Was die Experten besonders beunruhigte: Die Brutalität, mit der er seine Taten verübte, hatte sich gesteigert. Präventionsexperten der Münchner Polizei empfahlen Joggerinnen daraufhin, bei Dunkelheit bevorzugt auf belebten und beleuchteten Strecken zu laufen, möglichst zu zweit oder in einer Gruppe. Gefahrensituationen ließen sich schneller erkennen, wenn man auf Musik und Kopfhörer beim Laufen verzichte, so der Ratschlag. Um einen möglichen Angreifer abzuschrecken und zugleich andere Menschen auf bedrohliche Situationen aufmerksam zu machen, empfahl die Polizei eine Trillerpfeife oder einen Schrill- oder Taschenalarm.

Verbindungen zu anderen ähnlichen Überfällen - etwa dem Mitte Februar im Luitpoldpark - wurden überprüft. Und wieder verworfen. Zumindest aus dem Raum München kennt die Polizei bisher keine weitere Tat, die von demselben Täter verübt wurde. Auch die DNA-Spur konnte zunächst keiner polizeilich bekannten Person zugeordnet werden.

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