Open-Data-Projekt der Stadt München Mogdy nimmer

U-Bahn-Locator und Radlstadtplan ja, Hundekotbehälter nein: Die Stadt München wollte mit dem Projekt Mogdy transparenter werden und den Bürgern das Leben erleichtern. Nun ist das Open-Data-Projekt ins Stocken geraten - weil zwei Welten aufeinandergeprallt sind.

Von Lisa Sonnabend und Beate Wild

Als auch noch die Sache mit den Hundekotbehältern dazukam, zog Bremen endgültig an München vorbei. Jeder Bremer Hundebesitzer kann nun auf seinem Smartphone nachsehen, wo der nächste Automat mit Tütchen steht; die Münchner dagegen müssen weiter ziellos durch die Parks der Stadt irren. Die Liste mit den Standorten der Hundekotbehälter ist eine von 32 Datensätzen, die die Hansestadt ihren Bürgern zur Verfügung stellt. München hat nur 19 solcher Datensätze veröffentlicht. Seit Monaten kam kein neuer hinzu. In welchem Stadtviertel es die meisten Autos gibt oder wo die meisten Singles leben, ist für Münchner einsehbar, doch aktuelle Ozonwerte oder einen barrierefreien Stadtführer sucht man in der bayerischen Landeshauptstadt im Gegensatz zu Bremen vergebens. Auch Städte wie Berlin oder Köln bieten mittlerweile mehr als München.

Das überrascht. Denn München galt vor noch nicht einmal einem Jahr als deutsche Vorzeigestadt in Sachen Open Data - der englische Begriff steht für die Idee, Daten öffentlich frei verfügbar und nutzbar zu machen. Die Stadt München fördert zu diesem Zweck das Projekt Mogdy, das für Munich Open Government Day (Münchner Tag der offenen Verwaltung) steht und wie das bairische "I mog di" ausgesprochen wird.

Das Ziel von Mogdy: Das Leben mit Hilfe des Internets leichter zu machen. Bürger sollen zum Beispiel schnell und bequem Informationen im Netz finden oder Behördengänge erledigen können - oder ihre Meinung zu politischen Themen kundtun und so am Prozess der politischen Meinungsbildung teilnehmen. Durch die Offenlegung der Daten soll die Stadtverwaltung transparenter und leichter erreichbar, die Kommunikation mit den Bürgern offener werden.

Im September 2011 gewann Mogdy sogar einen Preis beim bundesweiten "eGovernment-Wettbewerb" in der Kategorie "Innovativstes Projekt". Doch nun ist es recht still geworden um das Projekt. Was ist da schief gelaufen in der bayerischen Landeshauptstadt?

Kinderkrippenplätze, Parkgebühren und Stadtratssitzungen

Alles fing vielversprechend an. Die Stadt finanzierte Mogdy mit einem Budget von 20.000 Euro für Sachkosten und stellte knapp drei Vollzeitstellen bereit. Im Oktober 2010 wurden alle Bürger zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen, sie sollten vorschlagen, was ihnen nützlich erscheint.

Fast 400 Menschen beteiligten sich, 153 Ideen wurden eingereicht, sie waren mannigfaltig und die meisten recht brauchbar: einen neuen Personalausweis online beantragen, eine Stadtratssitzung online verfolgen, auf einen Blick die verfügbaren Kinderkrippenplätze sehen und seinen Nachwuchs auch gleich für einen freien Platz anmelden, sich unterwegs informieren können, was im eigenen Viertel oder in anderen Stadtteilen los ist oder seine Parkplatzgebühren mobil bezahlen - all das sollte mit Hilfe von Internetseiten und Apps, also Anwendungen fürs Smartphone, möglich werden.

Die Stadt rief daraufhin ein Programmierwettbewerb aus, um einige der Vorschläge umzusetzen. Unter anderem wurde hierbei der "U-Bahn-Locator", eine App fürs Mobiltelefon, realisiert, mit der die Münchner nachverfolgen können, wo sich die U-Bahnen gerade befinden und ob sie mit Verspätung rechnen müssen. Auch die "Point of Interest"-App gewann einen Preis, mit der man etwa sehen kann, wo sich Wertstoffhöfe, Bibliotheken, Spielplätze, Taxistände oder auch öffentliche Toiletten befinden.

Als Preis spendierte die Stadt München Plätze an einem Tisch auf dem Oktoberfest. Programmierer und Kreative engagierten sich freiwillig und unbezahlt. Sie waren hoch motiviert, doch mittlerweile hat sich das ein wenig geändert. Den monatlichen Arbeitsstammtisch gibt es noch heute, doch es kommen nicht mehr so viele wie früher. Und diejenigen, die da sind, sind oft frustriert.