Olympia: München-Konkurrent Pyeongchang Disneys Winterwunderland

Pyeongchang gilt als der härteste Konkurrent Münchens im Kampf um Olympia 2018. Die Bewerbung der Koreaner sieht Wettbewerbe in skurrilen Retorten-Dörfern vor. In Pyeongchang selbst wird von Olympia wenig zu sehen sein.

Eine Reportage von Christoph Neidhart

Der Schnee ist weg, die Touristen auch; der Wind treibt ein feines Nieseln vor sich her, es prickelt auf der Haut. Was tun vier nicht mehr junge Frauen an einem unwirtlichen Frühjahrsmorgen in Yongpyong, wo 2018 einige olympische Ski-Wettbewerbe stattfinden sollen?

Sie knipsen sich gegenseitig am Teich, auf der Zufahrt zu den schmucken kleinen Wohnblocks, die aussehen wie sozialer Wohnungsbau in Finnland, vor einem Hauseingang. Nein, wegen der Kandidatur für die Winterspiele seien sie nicht aus Seoul nach Yongpyong gekommen, sagen die Frauen und lachen. Sport interessiert sie nicht, bloß Kim Yu-na, Südkoreas Eiskunstlauf-Olympiasiegerin. "Das hier ist ein Schauplatz von ,Wintersonata'", erklärt eine von ihnen. So heißt die populärste Seifenoper Ostasiens mit Millionen meist weiblichen Fans auch in Japan, Taiwan und China.

Eigentlich spielt das Melodrama in Chuncheon, der Hauptstadt von Gangwon, der Provinz, zu der Pyeongchang gehört. Doch viele Episoden wurden in diesen Häusern gedreht - als Ferienwohnungen stehen sie außerhalb der Ski-Saison leer. "Schau, wenn du jemanden wirklich magst, dann kannst du das nicht erklären", steht auf einer Tafel. Und darunter erklärend, dies sei die Stelle, wo sich Min-hyeong erstmals zu Yu-jin hingezogen fühlte. Hier lässt sich Frau Kim jetzt von Frau Park ablichten. Aus dem Wald dahinter ruft ein Kuckuck.

Im Frühjahr schläft Yongpyong tief, Nebel hängt über den braunen Skihängen. Eine Schafherde blökt im Pistenauslauf, ein Mann verjagt sie. Ein Mechaniker repariert eine Schneekanone. An der Talstation der Gondelbahn warten Tagesausflügler aus Seoul, um trotz Nebel und Regen auf den Gipfel des Balwhang zu fahren.

Yongpyong gilt als Wiege des koreanischen Skisports. Die Station wurde 1975 eröffnet. Oder genauer: aus dem Boden gestampft. Zuvor war hier nur Wald. Deshalb hat Yongpyong keine Bewohner, nur Gäste und Personal: Kellner, Köche, Zimmermädchen. Sie wohnen in ihrem Kajütenbett im Wohnheim. Und fahren nach Hause, sobald sie frei haben.

Pyeongchang kandidiert zum dritten Mal. Vor vier Jahren, als es um die Winterspiele 2014 ging, unterlagen die Koreaner dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin, der den Badeort Sotschi am Schwarzen Meer zum Wintersport großredete. Das hat die Koreaner verletzt, anders als Sotschi hat Yongpyong sich immerhin mit Weltcup-Skirennen und den Asienspielen 1999 bewährt.

Vor zwei Jahren fanden hier die Biathlon-Weltmeisterschaften statt. Bei Pyeongchangs ersten Kandidaturen war Yongpyong als "Zentrum der Schneewettbewerbe" vorgesehen. Nun fällt diese Ehre Alpensia zu, Yongpyong ist zur Wettkampfstätte zurückgestuft worden.

München - gut genug für Olympia?

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