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Bericht der Evaluierungskommission:München - gut genug für Olympia?

Der IOC-Prüfbericht ist eine wichtige Etappe im Rennen um Olympia 2018. München hat dabei gut abgeschnitten, doch der südkoreanische Mitbewerber Pyeongchang war besser. In welcher Disziplin hat München gepatzt? Und wo liegen die Stärken der deutschen Bewerbung? Ein Überblick.

Tobias Dorfer und Lisa Sonnabend

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München, Olympia, Garmisch

Quelle: ddp

Der Prüfbericht des IOC zu den Winterspielen 2018 ist eine wichtige Etappe im Rennen um die Spiele: Wie schneidet München ab? Welche Vorzüge haben die anderen Bewerberstädte? Ein Überblick in Bildern.

Sportstätten

Die Evaluierungskommission lobt das Münchner Sportstättenkonzept als eines, das "auf die Bedürfnisse der Athleten zugeschnitten" ist. Herausgehoben werden auch die kurzen Wege zwischen den olympischen Dörfern und den Sportstätten. In 80 Prozent der Fälle brauchen die Athleten für den Weg weniger als zehn Minuten.

Allerdings blieb den olympischen Kontrolleuren auch der Ärger mit den Garmischer Bauern nicht verborgen. So haben die Prüfer festgestellt, dass sieben Prozent der für die Spiele benötigten Flächen noch nicht gesichert seien - es sei sogar möglich, dass die Zieleinfahrt der Kandahar-Abfahrt verlegt werden müsste. Auch die Bewertung fällt etwas zurückhaltend aus: "München 2018 äußerte sich zuversichtlich, dass eine adäquate Lösung gefunden wird", heißt es in dem Bericht der Evaluierungskommission.

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Bericht der Evaluierungskommission:Schneesicherheit

Start der Skisaison auf der Zugspitze

Quelle: ddp

Auch mit den Schneehöhen im bayerischen Olympiagebiet sind die Kontrolleure offenbar nicht ganz glücklich. Sie "scheinen akzeptabel zu sein", heißt es lediglich in dem Bericht der Evaluierungskommission - mit Ausnahme von Gut Schwaiganger, wo die Schneehöhen sogar relativ niedrig seien. Die voraussichtlichen Wetterbedingungen während der Spiele seien "zufriedenstellend". Immerhin habe München versprochen, dass die olympischen Rennstrecken zu 100 Prozent mit Schnee bedeckt seien, dabei würden auch Umweltaspekte berücksichtigt.

Auch bei der koreanischen Bewerbung ist von relativ niedrigen Schneehöhen die Rede. Allerdings - so heißt es (etwas positiver als im Falle Münchens formuliert) im Prüfbericht - "sollte dies nicht problematisch sein", da auch die Organisatoren in Pyeongchang zu 100 Prozent mit Schnee bedeckte Wettbewerbsstrecken garantieren würden.

(Im Bild: Zugspitze)

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Bericht der Evaluierungskommission:Sicherheit

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen Leipzig

Quelle: dpa

Eines mal vorweg: München gilt bei den Olympia-Kontrolleuren als sichere Stadt. Die Polizisten sind gut ausgebildet - und sollte es nötig werden, könnten die bayerischen Beamten von Kollegen aus anderen Bundesländern unterstützt werden. Und doch sehen die Prüfer in München (ebenso wie in Annecy) die Gefahr von Terroranschlägen.

Diese Gefahr machen die IOC-Vertreter in Pyeongchang nicht aus. Und auch der Konflikt zwischen Süd- und Nordkorea wird offenbar nicht als großes Problem gesehen. Lediglich das südkoreanische Bewerbungskomitee wird zitiert. Die Organisatoren erklärten, der Konflikt bestehe seit 60 Jahren und in dieser Zeit habe man bereits viele große Events ausgerichtet, etwa die Olympischen Spiele 1988 in Seoul oder die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2002.  

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Bericht der Evaluierungskommission:Unterstützung in der Bevölkerung

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Quelle: Catherina Hess

Wenig berauschend sind die Zustimmungswerte aus der deutschen Bevölkerung. In Bayern (ohne München) liegt demnach die Zustimmung bei lediglich 53 Prozent, in der Landeshauptstadt bei 60 Prozent. Im gesamten Bundesgebiet (ohne Bayern) beläuft sich die Sympathie für die Bewerbung auf 56 Prozent - nicht gerade berauschende Zahlen.

Pyeongchang kommt in der Umfrage auf 92 Prozent, die Provinz Gangwon, in der die Kandidatenstadt liegt, kommt immerhin auf 87 Prozent Zustimmung. Und in der französischen Region Rhône-Alpes (ohne Annecy) unterstützen 63 Prozent der Bevölkerung die Olympia-Kandidatur.

Den IOC-Prüfern ist nicht entgangen, dass Teile der Bevölkerung nicht so begeistert von Olympischen Spielen in ihrer Heimat sind. In dem Bericht heißt es: "Die Mehrheit der politischen Parteien hat ihre Unterstützung zugesagt. Die Grünen jedoch äußern Bedenken." Auch auf den Protest der Grundstücksbesitzer in Garmisch-Partenkirchen ist das IOC aufmerksam geworden. "Einige sind nicht bereit, Teile ihres Landes für die Spiele herzugeben", steht in dem Bericht. "Die Kommission hat sich mit einigen während des Besuchs getroffen." Was dabei zur Sprache kam, wird nicht verraten. Auch der Bürgerentscheid, der in Garmisch initiiert wurde, wird erwähnt.

Bei der Bewerbung von Pyeongchang wird dagegen hervorgehoben, dass es keine Opposition gegen die Spiele gibt.

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Bericht der Evaluierungskommission:Ticketpreise

Weltmeisterschaft Ski Alpin: Abfahrt der Frauen

Quelle: dapd

Durchschnittlich 104 Dollar (etwa 72 Euro) soll nach Schätzungen der Münchner Bewerbergesellschaft ein Ticket für die Olympischen Spiele kosten. Laut IOC klingt "dies angemessen im Kontext des deutschen und europäischen Marktes". Für die Eröffnungsfeier wird mit Preisen von 146 bis 925 Dollar gerechnet. Das klingt viel, ist im Vergleich zu Pyeongchang allerdings noch recht günstig. Dort schätzt man bei der Eröffnungsfeier Preise von 300 bis 1000 Dollar.

Das dürfte ein kleiner Pluspunkt für München sein. Denn eine große Angst des IOC ist es, dass die Spiele in leeren Stadien stattfinden. Die Prüfer machen sich bei München deswegen wenig Sorgen. Die Wintersportbegeisterung in Deutschland sei groß - und habe eine große Tradition. Zudem habe München Strategien vorgelegt, um die Stadien voll zu bekommen. Beispielsweise würde im Ticketpreis der Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln enthalten sein - am Tag des Ereignisses und am Folgetag.  

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Bericht der Evaluierungskommission:Umwelt

Bürgerentscheid in Garmisch-Patenkirchen

Quelle: dpa

Im Umweltbereich, der übrigens nur einen kleinen Teil des Berichts ausmacht, schneidet München recht gut ab. Da viele bereits bestehende Sportstätten genutzt werden sollen, bietet die deutsche Bewerbung ein "hohes Maß an Nachhaltigkeit" und sei zudem recht umweltfreundlich.

CO2-neutrale Spiele kündigen auch Annecy und Pyeongchang an. Allerdings wird bei der koreanischen Kandidatur angemerkt, dass 94 Hektar Wald abgeholzt werden müssen ("erhebliche Belastung"), dafür soll eine doppelt so große Fläche wieder mit Bäumen bepflanzt werden. In der Münchener Bewerbung ist lediglich von 1,3 Hektar die Rede, die abgeholzt werden sollen.  

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Bericht der Evaluierungskommission:Verkehrsanbindung

Gleise

Quelle: AP/Christof Stache

Mit kurzen Wegen werben sowohl Pyeongchang als auch München - aber irgendwie scheint die olympischen Prüfer das Konzept der Koreaner noch mehr zu beeindrucken. So ist in dem Bericht von den "sehr kurzen" Wegen die Rede, herausgehoben wird auch die Schnellzuglinie. Die Kompaktheit der Spiele kommt hier gut zur Geltung.

Während die Kontrolleure in München wenig auszusetzen haben, heben sie in der Region um Garmisch die "geringe Kapazität" der Bahnhöfe hervor. Erwähnt wird auch die geplante "Olympic Lane" auf den "vielbefahrenen" Autobahnen, eine für den Olympia-Verkehr reservierte Spur. Doch in dem Bericht ist auch vermerkt, dass die Prüfer wohl erst bei ihrem Besuch in Bayern erfahren haben wollen, dass es diese Spur nur auf den sechsspurigen Autobahnteilen geben wird. Bei vierspurigen Autobahnabschnitten wird der schmalere Seitenstreifen zur "Olympic Lane". Die würde zum Beispiel den Autobahnabschnitt zwischen Starnberg und Garmisch betreffen.

Für die Strecke vom Münchner Flughafen nach Garmisch rechnen die Prüfer mit 90 Minuten, zum olympischen Dorf in der Landeshauptstadt soll es nur 25 Minuten dauern. Die beiden olympischen Dörfer in Korea sind dem Plan zufolge jeweils in etwa zwei Stunden vom Flughafen aus zu erreichen - ein Pluspunkt für München.

Besonders schlecht weg kommt hier Annecy. Die Kontrolleure befürchten Probleme wegen der großen Zahl der olympischen Dörfer und weil die Austragungsorte recht weit auseinander liegen.

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Bericht der Evaluierungskommission:Finanzen

Bisher waren für eine verbindliche Auskunft zu Steuerfragen - also eine schriftliche und einklagbare Information des Finanzamts - teils hohe Gebühren fällig.

Quelle: dpa

Bei den Finanzen gelingt es München nicht, Boden gegenüber Pyeongchang gutzumachen. Beide Städte gehen von Einnahmen und Ausgaben des Budgets des Organisationskomitees der Olympischen Spiele in Höhe von etwa 1,5 Milliarden Dollar aus. Bei wichtigen Kategorien wie Sponsoring in der Heimat liegt Pyeongchang vorne (530 Millionen zu 511 Millionen Dollar). Zudem ist die Regierung in Südkorea bereit, mehr Subventionen zu zahlen: 130 Millionen Dollar statt 41 Millionen wie in Deutschland.

Das Nicht-OCOG-Budget in München ist allerdings mit 1,86 Milliarden deutlich geringer als in Pyeongchang. Die Südkoreaner rechnen mit 6,3 Millionen Euro. Wie die IOC-Prüfer dies werten, ist nicht ganz klar. Sind sie der Meinung, dass München zu knapp kalkuliert hat? Oder fürchten sie mehr, dass für mögliche Defizite der koreanische Staat nicht geradesteht?

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Bericht der Evaluierungskommission:Hotels

Eingang zum Hotel "Bayerischer Hof" in München

Quelle: AP

Das IOC verlangt den Nachweis von 23.300 Zimmern - was alle Bewerberstädte mühelos erfüllen. München hat in einem 50-Kilometer-Umkreis 53.000 Zimmer, Annecy 56.000 und Pyeongchang 76.000. Bemängelt werden allerdings die relativ hohen Hotelpreise in München, in Annecy störte es die Prüfer, dass die Unterkünfte so weit übers Land verstreut sind, da die Bewerberstadt selbst nur ein kleines Sortiment vorweisen kann. Zudem wurde beim Prüfbesuch festgestellt, dass noch ein 200-Zimmer-Hotel fehlt. Allerdings dürfte dieses Kriterium am Ende nicht ausschlaggebend sein.

© sueddeutsche.de/bica/lala

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