Oktoberfest Wiesn-Plätze für mehr als 9000 Euro

Auf Oktoberfest-tischreservierungen.de gibt es Plätze teils für tausende Euro.

(Foto: Screenshot)
  • Wiesn-Reservierungen werden auf Ebay und speziellen Websites teilweise für Tausende Euro zum Weiterverkauf angeboten.
  • Eigentlich verbieten die Wiesnwirte den Weiterverkauf.
Von Franziska Schwarz

Bierzelt-Plätze für das Oktoberfest kann man seit Januar vorbestellen. Jetzt, kurz vor dem Anstich, ist es dafür schon recht spät. Zu spät, sollte man meinen. Außer, man hat Glück oder Geld - oder beides.

Man kann es im Internet versuchen, hier wollen manche ihre Reservierung wieder loswerden: zum Beispiel die acht Plätze im Marstall-Zelt für 666,66 Euro, gesehen zum Direktkauf bei Ebay. Verzehrgutschein über 350 Euro inbegriffen. Oder zwei Tische im Schützenfestzelt mit 20 Hendl- und 40 Biermarken für 750 Euro, gesehen in den Kleinanzeigen. Wieder im Marstall gäbe es momentan noch den Doppeltisch mit Drei-Gänge-Menü zu 45 Euro für jeden der 16 Gäste. Verlangt werden 9339 Euro. Preise, über die sich viele aufregen, von Wucher ist die Rede, von Abzocke.

Wer's hat, könnte man auch einfach sagen - oder auch: wer's offenbar verlangen kann. Die Festzelt-Betreiber allerdings dürften das kaum gleichgültig aufnehmen. In ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen steht, dass Reservierungen nicht weiterverkauft werden dürfen. Sie gelten demnach ausschließlich für den Besteller und dessen Gäste. Nur: Überprüfen lässt sich das in der Praxis kaum. Die Wiesn-Besucher können zum Beispiel behaupten, sie hätten die Reservierung geschenkt bekommen.

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Das kostet eine normale Reservierung

Florian Kosak rät ihnen genau das. Auf der Website oktoberfest-tischreservierungen.de, die zu seiner Berliner Agentur Tab Ticketbroker gehört, findet sich das 9339-Euro-Angebot. Über Rechtsklagen gegen seine Firma macht sich der Geschäftsführer keine Sorgen. Man kaufe die Reservierungen schließlich nicht selbst bei den Wirten, um sie dann loszuschlagen, sagt er. Man vermittle lediglich Gutscheine weiter, die einem Firmen und Privatpersonen anbieten. Sein Konzept sei also "zu 100 Prozent" legal, schreibt der 34-Jährige per E-Mail. Mehr als 200 Zulieferer habe seine Firma, die seit 2008 besteht, zurzeit.

Eine normale Reservierung mit zwei Mass und einem halben Hendl kostet 30 bis 40 Euro und lässt sich innerhalb einer Frist beim Wirt zurückgeben. Sie weiterzugeben, erscheint manchen aber schlauer. Weil die Zulieferer so noch Gewinn machen können? Das sagt Kosak nicht. Er liefert diese Deutung: "Wenn jemand zwei von zehn reservierten Plätze nicht selbst nutzt, bekommt er im nächsten Jahr wahrscheinlich nur noch acht. Davor hat jeder Angst."

Richard Seifert, Rechtsanwalt der Oktoberfestwirte, warnt vor einem ganz anderen Szenario: Im Netz werden auch Tische angeboten, die es überhaupt nicht gibt. Die Polizei München bestätigt diese Betrugsmasche zwar, aber man rede hier allerdings lediglich von ein bis zwei Fällen pro Jahr.

Und wie sieht es bei den real existierenden Tischen von Drittanbietern aus? "Wir vermuten, dass pro Jahr etwa ein Prozent der Wiesn-Reservierungen zu Wucher-Preisen weiterverkauft werden", sagt Rechtsanwalt Seifert.

Diese Zahl führt auch Kosak an, der den Ärger über seine Vermittlung nicht nachvollziehen will. Alles nur Angebot und Nachfrage, die er zusammen bringe, sagt er: "Am Ende ist es auch eine Ehre für die Wirte, wenn ihr Zelt so beliebt ist." Theoretisch könnte man an den Zelteingängen die Gutscheine mit den Ausweisen abgleichen, sagt Seifert. Doch das planen die Wiesnwirte auch dieses Jahr nicht. Es würde mehr Personalaufwand bedeuten und "dem Volksfestcharakter der Wiesn widersprechen".

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