Oktoberfest 2015 Warum die Wirte zehn Euro für die Mass verlangen

Als dieses Foto entstand, im Jahr 1965, gab es natürlich noch die Mark. Umgerechnet kostete die Wiesnmass aus heutiger Sicht unglaubliche 1,12 Euro.

(Foto: Fritz Neuwirth/SZ-Photo)
  • Erstmals kostet die Mass Bier in jedem Wiesnzelt mindestens zehn Euro.
  • Laut den Wiesnwirten ist die Preissteigerung moderat, da alles teurer geworden sei.
  • Gerade kleinere Zelte hätten Probleme mit strengeren Auflagen oder auch steigenden Personalkosten.
Von Andreas Schubert

Die Wiesn-Mass wird wieder teurer: Dieses Jahr ist die Zehn-Euro-Marke in allen Zelten überschritten. Am günstigsten ist die Mass Spaten noch in den Vinzenz-Murr-Metzgerstuben, wo sie für genau zehn Euro zu haben ist. Am meisten, nämlich 10,40 Euro, legt man im kleinen Zelt "Zur Bratwurst" für eine Mass Augustiner hin. In den großen Zelten kostet ein Liter Wiesn-Bier zwischen 10,10 Euro (Augustiner) und 10,35 Euro (Löwenbräu-Festzelt).

Jedes Jahr im Juni veröffentlicht die Stadt München die Liste mit den neuen Preisen. Und dass das Bier auf der Wiesn schon wieder teurer wird, ist in etwa so überraschend wie die Meldung, dass das Oktoberfest überhaupt stattfindet. Nur das Ausmaß der Preissteigerung ist jedes Jahr eine Nachricht. Um bis zu 40 Cent kostet die Mass dieses Jahr mehr.

Die Preise sind im Schnitt um 3,17 Prozent gestiegen

Am moderatesten langt man noch im Schottenhamel-Zelt hin. Dort kostet die Mass nun 10,25 Euro - das sind 15 Cent mehr als im Vorjahr. Im Durchschnitt ist der Preis um 3,17 Prozent gestiegen. Am teuersten zecht man im Weinzelt, in dem traditionell kein Wiesnbier ausgeschenkt werden darf, sondern nur Weißbier. Hier kostet der Liter stolze 15,40 Euro, das sind 20 Cent mehr als vorher.

Soweit zur Statistik. Die Bedienungen auf der Wiesn dürften sich dieses Jahr freuen, weil voraussichtlich viele Gäste nun häufiger auf elf Euro aufrunden werden - was deutlich mehr Trinkgeld bedeutet. Für Toni Roiderer, Wirt des Hacker-Festzeltes und Sprecher der großen Festwirte, ist die Erhöhung moderat. "Ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen", sagt er. Alles sei teurer geworden - die Kosten für den Aufbau, für das Sicherheitspersonal und die Lohnkosten der Angestellten etwa.

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Dann habe im vergangenen November auch noch die Brauerei die Bierpreise angehoben. Und wegen der Arbeitszeitgesetze sowie der Dokumentationspflicht - länger als zehn Stunden darf in der Gastronomie nicht am Stück gearbeitet werden - müsse man auch mehr Personal beschäftigen. "Das kostet alles Geld", sagt Roiderer. "Eigentlich müssten Sie fragen, wie wir es schaffen, so günstig zu bleiben."

Vor allem kleine Zelte müssen abkassieren

Dieselben Auflagen und steigenden Personalkosten gelten natürlich auch für die kleinen Wiesnwirte, wie deren Sprecher Lorenz Stiftl betont. "Die Aufbaukosten sind extrem", sagt er. Um zum Beispiel die Brandschutzauflagen zu erfüllen, seien in den Zelten teure Brandschutzwände vorgeschrieben. Nur lasse sich der ständig zunehmende Preisdruck in den kleinen Zelten nicht so leicht durch Masse ausgleichen. Das erklärt, warum in den kleinen Zelten umso kräftiger abkassiert wird.

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Analog zum Bier werden auch alle anderen Getränke teurer. Im Durchschnitt kostet ein Liter Tafelwasser auf der Wiesn 8,03 Euro, die Mass Spezi 9,10 Euro und die Limo 8,78 Euro. Das Wirtschaftsreferat betont, dass die Preise nicht von der Stadt festgelegt werden. Sehr wohl werde aber geprüft, ob sie angemessen seien. Dazu vergleiche man, was die Getränke in den Großbetrieben im Stadtgebiet kosten. Derzeit zahlt man dort, je nach Lage, zwischen 7,20 und 9,90 Euro.

Dass irgendwann die Gäste wegen der Bierpreise dem Oktoberfest fernbleiben, brauchen die Wirte wohl nicht zu fürchten. Vergangenes Jahr wurden mehr als sieben Millionen Mass ausgeschenkt. Und als die Stadt kürzlich Wiesntische zum Anstich verloste, haben sich rund 7000 Münchner beteiligt.