Ursula Gruber und Kim Koch haben einen Dokumentarfilm über das Oktoberfest gedreht. Ein Gespräch über den Mythos Wiesn.
Die Dokumentarfilmerinnen Ursula Gruber und Kim Koch, beide 36, haben "Mythos Wiesn - Das Leben ist ernst genug" gedreht. Ein Gespräch über Gänsehaut, Gerangel und den Mythos Wiesn.
"Ein Wiesnbesuch ist eine emotionale Berg- und Talfahrt": Kim Koch (li.) und Ursula Gruber (© Foto: sonn)
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sueddeutsche.de: Was macht den Mythos Wiesn aus?
Ursula Gruber: Der Mythos Wiesn wird in einer Szene besonders deutlich. Es ist 9 Uhr in der Früh, das Löwenbräuzelt öffnet die Türen. Die Menschen stürmen hinein, springen über die Bänke, um einen freien Tisch zu ergattern. Innerhalb von drei Minuten ist das Zelt total überfüllt. Man denkt, es sei im Zeitraffer gedreht, aber es ist in Echtzeit aufgenommen. Das ist Wahnsinn.
Kim Koch: Wir haben den Film in Kapitel aufgeteilt, die den Mythos ausmachen: Massenfeier, kollektiver Rausch oder kollektive Freude, Alkohol, Aggression, Musik, Rituale, Trachten, Brauchtümer. Und dieses Flirten, das Anbandeln, sich kennen lernen, Kontakte knüpfen. Ein Wiesnbesuch ist eine emotionale Berg- und Talfahrt.
sueddeutsche.de: "In dieser Bierhölle hätte sich ein anderer Filmer am zweiten Tag aufgehängt", hat Herbert Achternbusch nach den Dreharbeiten zu seinem 1976 entstandenen Film "Bierkampf" gesagt. Muss man verrückt sein, um auf der Wiesn einen Film zu drehen?
Koch: Das Thema Wiesn ging uns leicht von der Hand. Wir hatten sofort so viele Bilder im Kopf und konnten uns so viel vorstellen. Und deswegen war das schnell, nicht mehr 'Oh nein, Wiesn!', sondern 'Wow, das gibt ganz viel her!'. Das Drehen im Zelt war aber trotzdem eine Herausforderung - allein schon kräftemäßig.
sueddeutsche.de: Wie war's dann?
Koch: Der Mensch ist in der Lage sich an krasse Dinge schnell zu gewöhnen. Man steht mittendrin und man steht's einfach durch. Und man erlebt im Gegensatz zu den vielen Betrunken, die vor die Kamera laufen, auch viele schöne Sachen.
sueddeutsche.de: Was ist das Schöne auf der Wiesn?
Gruber: Ich werde in Zukunft immer am letzten Abend auf die Wiesn gehen. Es ist Wahnsinn, wie die Mitarbeiter zum Schluss auf die Musikbühne gehen, sich verabschieden und bedanken. Im Film gibt es diesen Moment, als die Tische schon alle abgebaut sind und die Trompeter vor leerem Zelt mit lauter Müll ihr Abschiedsständchen für die Mitarbeiter spielen. Alle sind total heiser und fertig, aber auch euphorisch weil alles geschafft ist. Alle Mitarbeiter liegen sich in den Armen, manche weinen. Man merkt so richtig, die kennen sich schon ewig. Alles was vorher nervig war, ist dann vergessen. Das war etwas ganz Besonderes.
Koch: Das Allerschönste ist für mich die Stimmung im Zelt, bevor es los geht. Wenn man die Spüler kennen lernt, die Leute aus der Hendlküche, den Griller. Wenn man sieht, wie der Wiesnwirt morgens mit seinem Personal frühstückt, und wir sitzen selbst mittendrin. Das ist wie eine Familie, sie sind alle gut drauf, sie motivieren sich für die zwei Wochen. Außerdem gibt es keine klassischen Hierarchien - auch jeder Spüler ist wichtig.
sueddeutsche.de: Warum habt ihr das Löwenbräuzelt als Drehort ausgewählt?
Koch: Das Löwenbräuzelt ist bodenständig, da geht jeder hin. Der Wirt Wiggerl Hagn ist der dienstälteste Wiesn-Wirt, ein richtig gestandener Bayer. Seine Tochter Stefanie Spendler ist auch Wiesn-Wirtin und verkörpert die jüngere Generation. Die Generationen vermischen sich hier. Am Wochenende kommen viele Touristen, es gilt als das Italiener-Zelt. Klar, Italiener vertragen weniger Alkohol, sind temperamentvoller und leichter aus der Reserve zu locken - aber sie gehören einfach dazu. Nach dem Attentat von New York 2001 haben die Italiener dem Wirt die Wiesn durchgeboxt, das Zelt wäre sonst leer gewesen.
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Die neueste Antwort
Der Film an sich ist vielleicht sogar sehenswert. Der Leser wird es aber leider nie erfahren wenn er durch diesen Artikel abgeschreckt wurde. Der Filmausschnitt ist verglichen mit dem was das Interview über den Film zu berichten hat sehr schlecht gewählt. Hektisches Arbeiten in der Gastro hab ich jedes Wochenende dafür braucht es wirklich keinen Film. Leider schauen vermutlich die meisten nur den Film an und lesen nicht den Artikel.
De fakto ein nichtsaussagender Film. Genau so stellt sich jeder die Wiesn vor, da braucht´s keinen Film dafür.
Den Film-Ausschnitt gesehen: Na und? So geht's nun mal in einer Großküche zu. Ganz normal.
Ich glaube, der Achternbusch war besser, viel besser.