Neues Vergabesystem Höhere Hürden für Wiesn-Neulinge

Ein Zeltplatz war frei, Neu-Wiesnwirt Able hat zugeschlagen - doch an der Vergabe hat es Kritik gegeben.

(Foto: Florian Peljak)

Als Siegfried Able den Zuschlag für das freigewordene Zelt auf dem Oktoberfest bekam, hagelte es Kritik: zu wenig Transparenz. Nun ändert die Stadt die Kriterien, nach denen Wirte ausgewählt werden. Dabei sind die deutlich im Vorteil, die schon auf der Wiesn sind.

Von Andreas Schubert

Die Entscheidung, Siegfried Able dieses Jahr als neuen Wiesn-Wirt zuzulassen, hat Zweifel an der Vergabepraxis geweckt. Kritiker bemängelten vor allem fehlende Transparenz. An diesem Dienstag will der Stadtrat die Kriterien ändern. Und die machen es künftig schwerer, als Neuling eine Zulassung für das Oktoberfest zu bekommen.

Zwischen Kitsch, Stil und Skihütte

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Derzeit gibt es für die Gastronomie 13 Bewertungskriterien, eines davon fällt teilweise, eines ganz weg. Bei der Bewertung vergibt die Stadt null bis elf Punkte. Beurteilt wird die Eignung des Betreibers sowie das jeweilige Geschäft. Die persönlichen Punkte werden mit dem Faktor zwei, das Geschäft mit dem Faktor vier multipliziert. Diese Regeln gelten nicht für die großen Brauereizelte und die Zelte der Schützengilden - sie sind für die Wiesn gesetzt. Jährlich neu bewerben müssen sich nur die "sonstigen gastronomischen Großbetriebe" Fischer-Vroni, Käfer Wiesn-Schänke, Marstall, Schottenhamel und Weinzelt sowie die mittleren und kleinen Gastro-Betriebe.

Folgende Kriterien zählen fortan:

Vertragserfüllung: Bei diesem Kriterium geht es darum, ob es Beanstandungen gab. Bisher bekamen alle neuen Bewerber fünf Punkte, da die Stadt von einer durchschnittlichen Leistung ausging. Künftig gehen sie leer aus. Fortan sollen nur Bewerber, die schon auf der Wiesn waren, zwischen elf und sechs Punkte bekommen.

Volksfesterfahrung: Hier zählte bisher, wie lange ein Bewerber überhaupt im Volksfestgewerbe selbständig war, unabhängig davon, ob er einen Stand betrieb oder nicht. Künftig zählt nur die tatsächlich auf Volksfesten verbrachte Zeit.

Sachkenntnis: Fortan wird eine Ausbildung im Gastrogewerbe mit fünf Punkten belohnt. Für jeweils fünf Jahre Erfahrung in der selbständigen Tätigkeit gibt es je einen Zusatzpunkt. Weitere Zusatzpunkte gibt es für den Nachweis von Schulungen, Weiterbildungen und Kursen.

Durchführung: In dieser Kategorie stehen neue Bewerber künftig ebenfalls schlechter da. Sie erhalten standardmäßig null Punkte. Bewerber, die bisher mit einem Betrieb in derselben Geschäftssparte zugelassen waren, bekommen fünf Punkte. Wer von einem mittleren Betrieb oder vom Familienplatzl in einen Großbetrieb wechseln will, bekommt zwei Punkte. Zusatzpunkte gibt es, wenn der Anwärter Barrierefreiheit nachweisen kann sowie Familienfreundlichkeit, unverstärkte traditionelle Musik und "sonstige spezielle Maßnahmen" wie einen Haussanitäter.

Stammbeschicker: Klar im Vorteil sind auch hier erfahrene Bewerber. Für fünf Jahre auf der Wiesn gibt es je einen Punkt.

Tradition: Noch ein Vorteil für die Alteingesessenen: Für je zehn Jahre Oktoberfest wird ein Punkt vergeben.

Ausstattung: Ein subjektives Kriterium, bei dem sich nichts ändert: Hier wird weiterhin das Erscheinungsbild eines Betriebes beurteilt, zum Beispiel die Fassade, die Beleuchtung oder drehbare Bühnen.

Technischer Standard: Auch hier bleibt alles beim Alten: Entscheidend bleibt, wie alt ein Laden ist. Bewertet werden auch zum Beispiel die Küchenausstattung und die Technik der Bierversorgung.

Anziehungskraft: Ebenfalls unverändert. Hier zählt, wie gut ein Betrieb ankommt und was die Fachpresse sagt.

Ortsansässigkeit: Für jedes vollendete Jahr ununterbrochenen Hauptwohnsitz des Betreibers oder Firmensitz in München wird nach wie vor ein Punkt vergeben.

Ökologie: Weiterhin gibt es Punkte zum Beispiel für die Nutzung von Ökostrom, Energiesparmaßnahmen oder das Verarbeiten von ökologisch produzierten Lebensmitteln.