Neue U-Bahnlinie U9 Anstückeln, aufgraben, durchstechen

So sollen heutige und künftige Tunnel von U- und S-Bahn verlaufen.

Der Bau der geplanten U-Bahnlinie durch die Innenstadt ist eine Herausforderung für die Ingenieure. Für die U9 müssten mehrere Stationen erweitert werden. Besonders kompliziert ist dabei die Situation am Hauptbahnhof.

Von Marco Völklein

Etwa 7,2 Kilometer neue Gleise, zwei neue Haltepunkte und Kosten in unbekannter Höhe - das könnte die neue U-Bahn-Linie U9 werden, die die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) im kommenden Jahrzehnt durch die Innenstadt graben will. Die Trasse soll von der Implerstraße über Hauptbahnhof zur Giselastraße führen und die stark frequentierten Strecken von U3 und U6 sowie U1 und U2 entlasten.

Eine erste Studie der MVG zeigt, dass die neue Linie "baulich und betrieblich" machbar wäre. Sie zeigt aber auch, dass auf die U-Bahn-Bauer manch knifflige Aufgabe im Untergrund wartet.

Implerstraße

So müsste die bestehende Station unter der Implerstraße um ein Gleis erweitert werden. Dazu würden die Ingenieure unterirdisch an der Westseite des Bauwerks einen Stollen mit Gleis und Bahnsteig anstückeln. Dieser Stollen würde direkt unter der bestehenden Bebauung mit Häusern aus der Gründerzeit entstehen. Außerdem müssten nördlich des Bahnhofs die Gleise für die U 9 unter dem bestehenden Tunnel von U 3 und U 6 hindurchtauchen.

Theresienwiese

Ähnlich sieht es an der Theresienwiese aus: An den bestehenden Oktoberfest-Bahnhof würden die Arbeiter jeweils nördlich und südlich ein zusätzliches Gleis anfügen, ebenfalls unterirdisch und unter den Häusern. Aus der zweigleisigen Station würde so ein Bahnhof mit vier Gleisen.

Hauptbahnhof

Der neue Haltepunkt am Hauptbahnhof dürfte das anspruchsvollste Bauwerk der ganzen Trasse werden, so sie denn kommt. Die Planer wollen ihn unter die Gleise der Haupthalle platzieren - von dort könnten die Reisenden dann direkt zu den Fernbahnsteigen gelangen. Übergänge zur S-Bahn wären laut MVG-Chefplaner Gunnar Heipp am westlichen Ende des S-Bahnhofs unter der Arnulfstraße möglich, ebenso zur möglichen zweiten S-Bahn-Stammstrecke, die unter dem neuen Halt der U 9 verlaufen soll. Das Ganze ist mehr als verzwickt - rund um den Hauptbahnhof kreuzen sich bereits mehrere Röhren (Grafik). Und auch hier müssten Streckentunnel wie Station komplett unterirdisch erstellt werden. Würden die Arbeiter die Sache von oben angehen, müsste der Betrieb im Hauptbahnhof großteils ruhen.

So soll die geplante U-Bahn-Verbindung U9 aussehen.

Theresienstraße

Nördlich des Hauptbahnhofs könnten laut der Studie die Gleise in einem zusätzlichen Abzweig zur Strecke der U 2 führen. Das würde der MVG ermöglichen, etwa im Berufsverkehr zusätzliche Verstärkerlinien durch die Innenstadt zu führen - und zum Beispiel die U 2 mit der U 6 zu verquicken. Der U-Bahnhof Theresienstraße müsste dafür um ein Gleis erweitert werden. Möglich wäre, diesen Abzweig erst in einem zweiten Bauschritt zu errichten; also nach dem Bau des Tunnels für die U 9. Dazu allerdings müssten die Planer bereits bei dessen Errichtung einen "Anschlussstutzen" für so eine Abzweigröhre vorsehen.

Pinakotheken

Relativ einfach im Vergleich zu den anderen Bauwerken dürfte die Errichtung des neuen Bahnhofs im Pinakothekenviertel sein. Auch den müssten die Firmen teils unter bestehenden Häusern erstellen, also unterirdisch. Aber das dürfte nicht gar so aufwendig werden wie am Hauptbahnhof.

Giselastraße

Während die Ingenieure die anderen Baustellen weitgehend unterirdisch abwickeln wollen, würde an der Giselastraße eine riesige Baugrube entstehen. Anders, so die MVG, könne man den dortigen Bahnhof nicht von zwei auf vier Gleise erweitern. Die U 9 würde bereits südlich der Station in den Tunnel der U 3/6 einfädeln.

Münchner Freiheit

Für den Bau der U 9 wäre eine weitere Großbaugrube in der Leopoldstraße notwendig. Wie an der Giselastraße müsste man bis südlich der Station Münchner Freiheit den Streckentunnel von zwei auf vier Gleise erweitern. Das geht laut MVG nur in offener Bauweise. Damit wären wohl über Jahre Staus programmiert; und auch bei der U-Bahn dürfte es Behinderungen während des Baus geben.

So soll die U9 aussehen

Droht den Schwabingern eine riesige Baugrube an der Leopoldstraße? Weil U3 und U6 schon jetzt dicht an dicht fahren, soll die neue U-Bahnlinie U9 die Trasse entlasten. Dass der Bau knifflig werden könnte, räumt MVG-Chef König ein, über die Kosten kann er noch nichts sagen. Von Marco Völklein mehr ...