Neubau am Stachus Neunstöckiges Ausrufezeichen

"Innovative Architektur" am Eingang zum Altstadt-Ensemble: Zwischen dem Justizpalast und dem Kaufhausbau entsteht der Neubau des Hotels Königshof.

(Foto: Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos)

Spektakuläre spanische Architektur: Eine extravagante Fassade wird den Neubau des Hotels Königshof am Stachus zieren. Aus dem Restaurant sollen Gäste zudem einen Panoramablick über die Stadt genießen können.

Von Alfred Dürr

Dass es in München an Mut zu ungewöhnlicher, ja spektakulärer Architektur fehlt, wird man in diesem Fall nicht behaupten können. Am Stachus soll ein Neubau entstehen, der Aufsehen erregen dürfte und bei vielen sicher auch ungläubiges Kopfschütteln. Die Nachkriegsarchitektur des Traditionshotels Königshof verschwindet, dafür wird das Grundstück von einer sicherlich gewagten Stil- und Formensprache geprägt werden. Größer könnte der Vorher-nachher-Kontrast also nicht sein.

Herausragendes Element des Hotel-Neubaus ist ein Längsschnitt in der Fassade, die sich zum Stachusrondell und zur Fußgängerzone orientiert. So entsteht nach Ansicht der Planer eine ausdrucksstarke Raumkaskade mit einer abwechslungsreichen Abfolge unterschiedlicher Lobby-, Aufenthalts- und Ausblickzonen.

Hotel Königshof in München, 2012 Hotel Königshof am Münchner Stachus / Karlsplatz.

(Foto: Robert Haas)

Der neue Königshof wird dann neun statt der jetzt sechs Stockwerke haben. Vorgesehen sind in dem Luxushotel 95 Zimmer und Suiten. In die oberste Etage soll das Restaurant kommen. Von hier aus, so die Ankündigung, habe man einen besonders schönen Panoramablick über die Stadt. Geplant ist auch ein eigenes Spa- und Wellness-Stockwerk - ebenfalls mit bestem Ausblick. Ob Teilbereiche des neuen Hotels auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind, wird noch geprüft.

Der Abriss ist für Ende 2017 geplant

Der Entwurf stammt von den spanischen Architekten Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano. Im vergangenen Herbst ist das Büro zusammen mit Projektleiter Johannes Hanf als einer von drei Siegern aus einem Planungswettbewerb hervorgegangen. Nun hat sich das Münchner Familienunternehmen Geisel Privathotels, dem der Königshof gehört, entschieden, Nieto Sobejano Arquitectos den Zuschlag zu geben.

Das ist überraschend, denn eigentlich hatte man mit einem etwas konservativeren Entwurf an dieser exponierten Stelle zwischen dem Justizpalast und dem Kaufhausbau aus der Nachkriegszeit gerechnet. Beide Gebäude sind Baudenkmäler aus unterschiedlichen Epochen. Doch die Familie Geisel zeigt Mut zur Moderne. "Innovative Architektur soll hier eine Chance haben", sagt Unternehmenssprecherin Ute Hopfengärtner. Der neue Königshof werde seinem Anspruch als "Visitenkarte Münchens" mehr als gerecht werden.

Die Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel gehören zu den wenigen großen Privathoteliers der Stadt. Seit Anfang der Neunzigerjahre stehen sie in vierter Generation an der Spitze des Unternehmens und haben seitdem kräftig expandiert. Der Königshof ist das Flaggschiff der Gruppe. Für Ende 2017 ist der Abriss des Gebäudes am Stachus geplant. In zwei Jahren soll das neue Gebäude stehen. Zuvor wird auch an anderen Projekten der Gruppe gearbeitet.

So schließt das Hotel Cosmopolitan in der Schwabinger Hohenzollernstraße Ende des Jahres. Die Immobilie wird abgerissen. An ihrer Stelle soll innerhalb von eineinhalb Jahren ein "urbanes Lifestyle-Hotel" mit 75 Zimmern und Suiten entstehen. Im gleichen Zeitraum wird das traditionsreichste Haus der Familie Geisel - das Excelsior in der Schützenstraße beim Hauptbahnhof - umfangreich renoviert.

All diese Maßnahmen werden jedoch nicht so aufregend sein wie der neue Königshof. Der dürfte sich zum großen Architekturereignis entwickeln. Wie außergewöhnlich darf und soll ein Neubau denn nun sein im denkmalgeschützten Altstadt-Ensemble? Das ist die Frage, über die sich lange und trefflich streiten lässt.

Spitzenköche und Geldadel

Sterneköche, Wiesnwirte, Ideengeber: Die Münchner Gastronomie ist so vielseitig wie nie zuvor. Aber vom schönen Schein allein wird man nicht satt - die Zahlen müssen auch stimmen. Und wer die Rechnung ohne die Brauereien macht, kann zusperren. Von Franz Kotteder mehr ...