Nach Organ-Skandal am Rechts der Isar Ärzte fordern rasche Aufklärung

Die Mediziner am Klinikum rechts der Isar sind erzürnt, weil der Transplantationsskandal nur schleppend aufgeklärt wird. Sie fordern, dass endlich strukturelle und personelle Konsequenzen gezogen werden. Der Ärztliche Direktor ist weiterhin im Amt, die früheren Verantwortlichen haben ihre Führungspositionen weiter inne.

Von Christina Berndt

Über die schleppende Aufklärung des Transplantationsskandals am Klinikum rechts der Isar sind dort tätige Mediziner zunehmend erzürnt. Eine Gruppe von sechs Ärzten, die für die Transplantationen zuständig sind, hat einen Brief an den Vorstand des Klinikums verfasst, der nachrichtlich auch an Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) und TU-Präsident Wolfgang Herrmann ging. Darin fordern die Ärzte, dass endlich strukturelle und personelle Konsequenzen gezogen werden. Sonst werde ein Neuanfang am Rechts der Isar verhindert.

Heubisch versicherte auf Nachfrage der SZ, er werde den Brief in die noch laufenden Untersuchungen einbeziehen: "Mir liegt an einem Verfahren, das die Reputation des Klinikums rechts der Isar nicht beschädigt." Das Klinikum teilte auf Anfrage mit, die Prüfungen seien noch in vollem Gange. Nach deren Abschluss "werden wir die erforderlichen Konsequenzen ziehen".

In Leipzig vergingen nach dem ersten Manipulationsverdacht nur zwei Wochen, bis die Leitung des Klinikums über das Ausmaß informiert war und einen Chefarzt sowie zwei Oberärzte beurlaubte. In München gab es dagegen schon vor zwei Jahren ernstzunehmende Hinweise auf Manipulationen. Damals kam der Ärztliche Direktor jedoch zu dem Schluss, dass eine Überprüfung "kein Fehlverhalten" bei Lebertransplantationen erkennen ließ. Auf massiven Druck räumte die Klinikleitung im September 2012 ein, dass es Unregelmäßigkeiten gab, im Oktober sprach sie auch von bewussten Manipulationen.

Das Ausmaß aber ist bis heute unklar. In der Folge wurde die Warteliste geschlossen, so dass keine neuen Patienten mehr für eine Lebertransplantation gelistet werden dürfen. Zudem bekam das Transplantationszentrum eine neue Struktur sowie einen kommissarischen Leiter. Weitere personelle Konsequenzen wurden jedoch nicht gezogen. Die früheren Verantwortlichen sind nun zwar nicht mehr für Transplantationen zuständig, haben aber ihre Führungspositionen in ihren Kliniken weiter inne. Auch der Ärztliche Direktor ist weiterhin im Amt.

Für Ärzte und Kranke ist die Situation am Klinikum rechts der Isar derweil unbefriedigend. In der vergangenen Woche erlitt eine Patientin ein akutes Leberversagen. Sie musste erst ins Klinikum Großhadern verlegt werden, wo ihr schließlich mit einer Transplantation das Leben gerettet werden konnte. Auch im Sinne der Patienten müsse die Aufklärung nun endlich vorangetrieben werden, die Verantwortlichen müssten von ihren Aufgaben entbunden werden, fordern Insider im Gespräch mit der SZ. "Sonst wird das Klinikum nie zur Ruhe kommen."