MVG Reiter will Tram-Westtangente beschließen - gegen den Willen der CSU

Auftakt am Hochhaus: MVG-Chef Herbert König, OB Dieter Reiter und SV-Geschäftsführer Stefan Hilscher vor dem SZ-Hochhaus.

(Foto: Robert Haas)
  • Oberbürgermeister Dieter Reiter will den Bau der Tram-Westtangente noch vor der Sommerpause im Stadtrat einbringen.
  • Das wäre gegen den Willen der CSU.
  • Damit riskiert Reiter einen neuen Krach im Rathausbündnis.
Von Christian Krügel

Der Bau einer Tram-Westtangente von Nymphenburg über Laim nach Obersendling soll noch vor der Sommerpause vom Münchner Stadtrat beschlossen werden - auch gegen den Widerstand der CSU. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte am Freitag, er wolle mit dem Projekt "nicht mehr deutlich länger warten".

Notfalls müssten eben "andere Mehrheitsverhältnisse" im Stadtrat den Bau beschließen. Damit kündigt sich kurz nach dem beigelegten Zwist um die Referentenwahlen der nächste große Knatsch zwischen SPD und CSU im Rathaus an.

Es ist nur eine Strecke von 2,7 Kilometern und trotzdem für Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ein wichtiges Symbol: Mit einem Spatenstich an der künftigen Endstation beim Hochhaus der Süddeutschen Zeitung begann am Freitag offiziell der Bau der neuen Trambahnlinie nach Steinhausen - und endeten zugleich Jahre des Stillstands.

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Wie es zum Stillstand kam

Denn der Ausbau des Straßenbahnnetzes war zuletzt arg ins Stocken geraten. Die Genehmigungen für die neue Strecke, die vor allem das neue Büro- und Hotelquartier am Vogelweideplatz und die Zentrale des Süddeutschen Verlags anbinden soll, hatten lange auf sich warten lassen. Gleichzeitig ging auch beim größten Trambahn-Bauprojekt der Stadt nichts vorwärts, weil sich die CSU im Stadtrat quer stellt: der neuen Strecke durch die Fürstenrieder Straße, der sogenannten Westtangente.

Ein Stillstand, der OB Reiter extrem nervt. Denn die "Trambahn muss ein wesentlicher Baustein" sein, um den öffentlichen Nahverkehr in München leistungsfähiger und attraktiver zu machen. "Es braucht vernünftige neue Trambahn- und U-Bahn-Trassen, um dem Wachstum gerecht zu werden", sagte Reiter beim Spatenstich. Deshalb wolle er beim Bau der Westtangente nicht mehr länger warten und rasch einen Beschluss im Stadtrat erwirken, notfalls gegen die Stimmen der CSU.

Das dürfte Ärger geben, denn in der Kooperationsvereinbarung von 2014 hatten beide Parteien festgelegt, "im Konsens" über die Westtangente zu entscheiden. Verkehrsplaner halten die Verbindung für extrem wichtig, um S- und U-Bahn und zugleich die Fürstenrieder Straße zu entlasten. Außer SPD und Grünen fordern dies auch der Bund Naturschutz und mehrere Fahrgastorganisationen. Die CSU aber stellt sich quer, unter anderem weil sie das örtlichen Bürgerinitiativen im Wahlkampf versprochen hatte.

Diese Strecke ist geplant.

(Foto: SZ-Grafik)

Reiter fordert Entgegenkommen der CSU

OB Reiter will das Projekt davon aber nicht weiter aufhalten lassen. Die Planungen der Westtangente seien mehrmals überarbeitet, viele Wünsche der Anlieger eingearbeitet worden. "Es gibt keinen Grund mehr, warum wir nicht jetzt entscheiden sollten", sagte Reiter. Die SPD sei der CSU bei der Verlängerung der U5 nach Pasing und einem neuen Autotunnel in der Landshuter Allee entgegengekommen. Jetzt müsse sich auch die CSU bewegen.

Herbert König, Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), war über "die Deutlichkeit" von Reiters Ankündigung erstaunt, aber zugleich mehr als erfreut. "Wir brauchen dringend die Westtangente, um neue Verbindungen zwischen S- und U-Bahn zu schaffen und die überlasteten Systeme zu entlasten", sagte König. Der Bau im Westen könne im Prinzip beginnen, sämtliche Pläne seien längst fertig.

Auch Bund Naturschutz (BN) und der Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr im Münchner Forum (AAN) forderten am Freitag vehement die Trasse von Nymphenburg über Laim nach Obersendling. "Der Stadtrat darf bei der Westtangente in der Fürstenrieder Straße und auch einer Nordtangente durch den Englischen Garten nicht weiter mauern", so Dominik Lypp vom BN in einer Erklärung.

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Wie es um die Tram nach Steinhausen steht

Bis wann in der Fürstenrieder Straße gebaut werden kann, ist noch völlig offen. Dagegen stehen die Daten für die neue Tram nach Steinhausen weitgehend fest. Möglichst vom Fahrplanwechsel im Dezember an soll die Linie 25 auf der 2,7 Kilometer langen Strecke fahren. Sie wird dann für die Strecke von Haidhausen zum SZ-Hochhaus acht Minuten brauchen. Neu gebaut werden müssen nur 1,3 Kilometer an Gleisen: vom Vogelweideplatz zur Hultschiner Straße.

Das Projekt kostet Stadt und MVG 18 Millionen Euro. Die Endstation heißt dann S-Bahnhof Berg am Laim und liegt auf einem ehemaligen Grundstück des Süddeutschen Verlags (SV). Dessen 1900 Mitarbeiter gehörten zweifellos zu den Hauptnutzern des "neuen Verkehrsknotenpunkts im Münchner Osten", so SV-Geschäftsführer Stefan Hilscher beim Spatenstich.

Profitieren sollen aber auch Tausende Bürger, die sich in den nächsten Jahren im letzten großen Neubaugebiet der Stadt niederlassen werden: Die MVG plant bereits eine Verlängerung in das neue Stadtviertel Daglfing. Geht es nach BN und AAN, könnte die Steinhauser Tram auch Entlastung für die Innenstadt bringen. Sie fordern, die Linie über den Max-Weber-Platz durch die Maximilianstraße zum Hauptbahnhof und dann weiter nach Moosach zu verlängern. Ein schöner Plan, findet auch Herbert König. Der scheitere aber letztlich an den Kosten und wohl auch an der Auslastung.