Museen in München Haus der Kunst verliert Sponsor

Das Haus der Kunst muss sich einen neuen Sponsor suchen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Mit jährlich 500.000 Euro war die Schörghuber-Gruppe der größte Sponsor vom Haus der Kunst. Jetzt steigt das Unternehmen als Förderer aus. Das Geld bekommt künftig jemand anderes.

Von Katja Riedel und Evelyn Vogel

Das Haus der Kunst verliert seinen größten Sponsor: Die Schörghuber-Gruppe hat am Mittwoch angekündigt, ihr Engagement als Förderer des Hauses nach 23 Jahren zu beenden und aus der "Stiftung Haus der Kunst" auszusteigen. Bisher hatte das Unternehmen, das unter anderem mit Immobilien, Bier und Hotels sein Geld verdient, jährlich 500 000 Euro für den laufenden Betrieb zur Verfügung gestellt. Das machte zuletzt elf Prozent des Jahresetats des Ausstellungshauses aus.

Seit 1992 habe Schörghuber mehr als 16 Millionen Euro gestiftet, sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Klaus Naeve. Beim Haus der Kunst sei der Freistaat sehr stark engagiert, "als Unternehmen haben wir uns deshalb nun entschieden, andere Schichten erreichen zu wollen, die stärker Unterstützung brauchen". Das Geld solle künftig an die "Josef Schörghuber-Stiftung für Münchner Kinder" gehen, die bedürftigen Familien Urlaube finanziert. Von 2016 an will die Schörghuber-Gruppe ihr gesellschaftliches Engagement generell neu ordnen.

Verständnis für die Entscheidung

Das Haus der Kunst und der Freistaat Bayern reagierten mit Bedauern auf die Nachricht, von der sie am Dienstagabend erfahren hatten. Sie dankten jedoch für die jahrelange Unterstützung und zeigten Verständnis für die Entscheidung, statt Kultur künftig stärker soziale Projekte fördern zu wollen. "Für das langjährige Engagement der Schörghuber-Unternehmensgruppe für das Haus der Kunst gilt es in erster Linie Dank zu sagen", sagte Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU). "Mit seiner großen Kunstbegeisterung engagierte sich der Unternehmensgründer Josef Schörghuber beispielhaft früh für bürgerschaftliche Verantwortung und Philanthropie in München", betonte das Haus der Kunst in einer Stellungnahme.

"Dadurch wurde das Haus der Kunst ganz wesentlich zu dem, was es heute darstellt: eines der lebendigsten und spannendsten Zentren für zeitgenössische Kunst, das in München und weit darüber hinaus hoch angesehen ist", hob der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde, Andreas Langenscheidt, hervor. Direktor Okwui Enwezor sagte, man sei "stolz auf die Arbeit, die wir mit Hilfe der Schörghuber-Gruppe und unseren Mitgesellschaftern leisten konnten, besonders auf die Förderung der Münchner Kinder, deren Blick auf die Welt wir durch die Kunst erweitern". Das Haus der Kunst hofft, dass beispielsweise das Kinder- und Jugendprogramm weiter gefördert werde, mit dem man nah am Engagement von Firmeninhaberin Alexandra Schörghuber sei.

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Spaenle, zugleich Aufsichtsratschef der "Stiftung Haus der Kunst", sagte, das Engagement der Firmengruppe habe "in erheblichem Maße die Finanzierung und die strategische Ausrichtung des renommierten Ausstellungshauses mit geprägt". Dennoch sei der Rückzug "eine für die zeitgenössische Kunst bedauerliche Entscheidung", die man jedoch respektiere.

Sein für Kulturpolitik zuständiger Ministerialdirigent Toni Schmid bezeichnete das Schörghuber-Engagement als "herausragendes Mäzenatentum". Als 1992 die "Stiftung Haus der Kunst" gegründet wurde, sagte der Unternehmer und Kunstsammler Josef Schörghuber zu, das Ausstellungshaus mindestens zehn Jahre lang großzügig zu unterstützen.

Der laufende Betrieb sei nicht gefährdet

Die Stiftung basiert auf einem Modell öffentlicher und privater Förderung. Neben dem bisherigen Hauptsponsor Schörghuber gehören ihr der Freistaat Bayern als Hauptgesellschafter sowie die "Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst München" und der Verein "Ausstellungsleitung Große Kunstausstellung im Haus der Kunst" an. Schörghubers Engagement bestand aber nicht nur aus finanziellen Zuwendungen, sondern man entschied auch mit - etwa über die Einsetzung einer kaufmännischen Leitung oder die Sanierung des Hauses.

Nach dem Rückzug der Schörghuber-Gruppe müsse man sich "neu aufstellen und alle Optionen prüfen", hieß es aus dem Ministerium. Der laufende Betrieb sei jedoch nicht gefährdet, sagte Elena Heitsch vom Haus der Kunst: In jüngster Zeit habe man eine ganze Reihe finanzieller Zusagen von Stiftungen, Förderern und Galerien erhalten, auch der Freundeskreis habe seine Zuwendungen deutlich angehoben.