Munich Fair Fashion Show Grüne Mode: Bunt, spannend und gar nicht müsli

Keine viel zu dünnen Laufsteg-Hasen, sondern - so erfrischend wie sympathisch - ganz normale junge Menschen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wie Mode heute aussehen kann, die menschen-, tier- und umweltfreundlich ist, zeigen Studenten bei der ersten Munich Fair Fashion Show.

Von Anna Hoben

Grüne Mode muss nicht grau und schon gar nicht langweilig sein; sie kann auch bunt und spannend. Das hat das studentische Netzwerk Sneep zusammen mit Münchner Läden und Labels am Samstagabend bei der Munich Fair Fashion Show gezeigt. In anderen Städten gibt es das Konzept der Modenschau mit nachhaltigen Kleidern schon länger, in München war es die erste Veranstaltung dieser Art. Alle 150 Plätze im Vorhoelzer Forum der Technischen Universität waren besetzt. "Die Nachfrage war so groß, wir hätten den Laden zweimal vollmachen können", sagte Christopher Schmiegel.

Der 26-jährige Student der Geografie und Nachhaltigkeit ist Mitglied von Sneep, was für "Student Network for Ethics in Economics and Practice" steht. Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt, den Austausch über nachhaltiges Wirtschaften voranzutreiben. Seit 2003 existiert die Münchner Lokalgruppe, 15 Studenten verschiedener Fachrichtungen - angehende BWLer, Juristen und Meteorologen - treffen sich regelmäßig, um über wirtschafts- und unternehmensethische Fragen zu diskutieren, Workshops, Lesungen und andere Veranstaltungen zu organisieren. Das Thema dieses Semesters ist nachhaltiger Konsum, da gehört natürlich Mode dazu. So wurde die Idee zur Fair Fashion Show geboren.

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Mit bunten Bio-Limonaden, mit studentisch gebrautem, regionalem Bier und mit Muffins sitzen die Besucher im Vorhoelzer Forum, in dem durch kreative Anordnung der Stühle ein Laufsteg entstanden ist. Scheinwerfer an. "Ich würd' ja faire Kleidung kaufen - aber wo?" - "Ist das dann überhaupt wirklich fair?" - "Meistens ist das auch total teuer." - "Und außerdem ist Müslimode eh nicht so meins." Der Einleitungsdialog der beiden Moderatorinnen drückt aus, was viele über nachhaltige Mode denken. Man würde ja schon ganz gern, aber man weiß halt nicht so recht, wie.

Wie Mode heute aussehen kann, die menschen-, tier- und umweltfreundlich ist, das zeigen nun die Models. Keine viel zu dünnen Laufsteg-Hasen, sondern - so erfrischend wie sympathisch - ganz normale junge Menschen. Nicolas Hetkamp zum Beispiel macht zum ersten Mal bei einer Modenschau mit. Als Analyst in einer Öko-Ratingagentur hat er zwar auch beruflich mit Produktnachhaltigkeit zu tun. Das Modeln ist dann aber doch etwas anderes. "Am Anfang war es der Horror", sagt er nach der Veranstaltung und lacht. "Ich hatte einen Tunnelblick und wusste überhaupt nicht, wohin mit den Händen." Doch dann habe er sich ganz gut zurechtgefunden.

Zusammen mit den anderen präsentiert er Kleidung von großen, bekannten Firmen wie Hessnatur und Patagonia, aber auch von kleineren lokalen Läden und Labels wie Auryn Fashion oder Wear Positive. Der Zuschauer sieht: Hemden, Hosen, Mützen, Pullover, Jacken, Mäntel, in gedeckten Herbstfarben ebenso wie in knalligen Farben. Auf den ersten Blick sind die Sachen nicht so ungewöhnlich.

Sehr wohl ungewöhnlich sind zum Teil aber die Materialien. Da gibt es zum Beispiel Gürtel aus Kork, Pullover aus Bambus oder Kleider aus Buchenholz, Eukalyptus oder Hanf. Michaela Zimmermann von Wear Positive setzt dagegen auf zertifizierte Bio-Baumwolle. Als die Leute von Sneep sie anfragten, sagte sie sofort zu. "So etwas muss man unterstützen." Leider seien Markt und Interesse für faire Mode in München noch nicht so ausgeprägt. "Die Leute wollen vor allem billig kaufen." Von der ersten Fair Fashion Show ist sie angetan. Genau wie Christopher Schmiegel von Sneep. Das Konzept sei so gut angekommen, "das werden wir sicher wiederholen".

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