Münchner Residenz Die Räume sind wieder zum Leuchten gebracht worden

Und auch wenn einzelne der Malereien in der Eile, in der sie hergestellt werden mussten, nicht ganz den strengen Maßstäben standhalten können, den Ludwig als Sammler antiker Bildwerke und europäischer Gemälde anlegte, muss man die in der erstaunlich kurzen Zeit zwischen 1826 und 1835 errichteten und künstlerisch höchst anspruchsvoll ausgestatteten Räume des Königsbaus als eine der bedeutendsten architektonisch-bildnerischen Schöpferleistungen des gesamten folgenden Jahrhunderts feiern. Die jetzt abgeschlossene Innensanierung hat jedenfalls länger gedauert als der Auf- und Ausbau des gesamten Komplexes.

Ganz ohne Beispiel ist aber die Raumfolge, die Ludwig im Stockwerk unter den königlichen Räumen, also im ebenerdig zugänglichen Hauptgeschoss des Neubaus ausgestalten ließ. Schon die Auskleidung der oberen Wohnräume mit Werken der Weltliteratur hatte über die privaten Bedürfnisse Ludwigs weit hinausgewiesen. Dieses Bekenntnis zur antiken und zur deutschen Kultur war im Grunde als Botschaft für das Volk gedacht. So wurden denn auch früh schon Führungen durch die königlichen Räume, die ganze Literaturseminare ersetzten, angeboten.

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Das gesamte riesige Stockwerk darunter aber war von Anfang an ganz für die Öffentlichkeit reserviert; es ist nie bewohnt und mit schnöden Nutzgegenständen beschmutzt worden. Es war der romantischen Begeisterung geweiht und sollte den Besuchern das kurz vorher zum deutschen Nationalepos erklärte mittelalterliche Nibelungenlied in sprechenden Bildern nahebringen; ja als begehbares Heldengeschichtsbuch und nationaler Kultort sollte es patriotische Begeisterung wecken.

Der Maler Schnorr von Carolsfeld, den Ludwig in Rom kennengelernt hatte, war dazu ausersehen, die Geschichte der Nibelungen in wandhohen Bildern nachzuerzählen und dafür die aus der Mode gekommene alte Kunst der Freskomalerei wiederzubeleben. Er hat das Geschehen geschickt um die vier Stichworte Hochzeit, Verrat, Rache und Klage herum gruppiert. Für Einzelfiguren und Kernszenen wie Siegfrieds Ermordung hat er markante Formulierungen gefunden. Die Darstellung von Tumulten und Massenszenen aber war nicht unbedingt seine Stärke. Dennoch gilt der nach Beschädigungen im Krieg gut restaurierte Zyklus als bedeutendster Wandmalereizyklus der deutschen Romantik.

Bei den über zehn Jahre sich erstreckenden jüngsten Sanierungs- und Ausbauarbeiten im Königsbau sind nicht nur die einzigartigen Raumfolgen im königlichen Wohntrakt und in den Nibelungen- und Schlachtensälen wieder zum Leuchten gebracht worden. In den vielen Zimmern, die sich auf den vier Stockwerken der Rückseite zum Hof hin öffnen, wurden jetzt erstmals die ungeheuren Schätze der bislang nur in Ausschnitten gezeigten königlichen Porzellan-, Silber- und Miniaturensammlungen museumstechnisch anregend, ja genießerisch zelebriert. Die in einem der neuen Säle aufgebaute Vitrinenkammer, in der man von königlichem Silber allseits umschlossen ist, versetzt einen in eine glitzernde Welt, aus der man sich fast gewaltsam befreien muss.

Der Rundgang durch die Münchner Residenz, der ja auch schon vorher viele Abenteuer bereithielt, ist durch die Wiedereröffnung des Königsbaus noch einmal um ein Drittel reicher und vielfältiger geworden. Wer jetzt nicht hingeht, sollte es für immer bleiben lassen.

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