München ÖDP-Politiker soll neuer Umweltreferent werden

Markus Hollemann im Jahr 2008: Damals als OB-Kandidat der ÖDP am Schreibtisch seines Münchner Büros.

(Foto: cath)
  • ÖDP-Politiker Markus Hollemann soll der neue Umweltreferent der Stadt München werden. Die Personalie gab die CSU-Fraktion überraschend bekannt.
  • Hollemann würde Nachfolger von Umwelt- und Gesundheitsreferent Joachim Lorenz werden.
Von Andreas Glas

Ein Freak sei er ja schon, sagt einer aus dem CSU-Umfeld über Markus Hollemann. Ein Querdenker, einer der mit dem Elektroroller zur Arbeit kommt, ein echter Öko eben. "Ein gewisses Risiko" sei dieser Hollemann, auch das ist aus der Partei zu hören. Und dass das ein oder andere Parteimitglied gegrummelt haben soll, als durchsickerte, was die CSU-Fraktion am Montagnachmittag im Rathaus verkündete: Hollemann, der Freak, soll neuer Umweltreferent werden.

Die Personalie Hollemann ist gleichzeitig überraschend und konsequent. Überraschend, weil Markus Hollemann, 42, weder ein CSU-Parteibuch mitbringt noch den dazugehörigen Stallgeruch. Und konsequent, weil die CSU bereits im Wahlkampf betont hatte, Spitzenpositionen nicht nach Parteipräferenz sondern nach Qualifikation zu besetzen. Diesen Vorsatz hatte CSU-Fraktionschef Hans Podiuk in den vergangenen Tagen immer wieder betont. Doch dass sich seine Partei - trotz Vorschlagsrecht - für ein ÖDP-Mitglied entscheidet, das konnte dann wirklich keiner ahnen.

Bürgermeister - sicherlich nicht mit klassischen CSU-Themen

Markus Hollemann, 42, ist unverbraucht, aber unerfahren ist er nicht - weder in der Kommunalpolitik noch in Umweltfragen. Er ist in München geboren, hat in Garching Abitur gemacht, ist mit 17 der ÖDP beigetreten. Mit 25 Jahren, nach seinem BWL-Studium, kandidiert er für den Landtag, mit 35 für das Münchner Oberbürgermeisteramt. Im Wahlprogramm von 2008 setzte er auf erneuerbare Energien, auf Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet, auf eine City-Maut, auf Nachtfahrverbote in Wohngebieten - allesamt sicherlich keine klassischen CSU-Wahlkampfthemen.

Bürgermeister wurde Hollemann trotzdem. Allerdings erst ein Jahr später und nicht in München sondern in Denzlingen, einer 13.000-Einwohner-Gemeinde in der Nähe von Freiburg. Im Amt ist er immer noch, aber lange dürfte er es nicht mehr bleiben. Es ist davon auszugehen, dass die SPD den Vorschlag ihres Bündnispartners mitträgt und Hollemann am Mittwoch im Rahmen der Vollversammlung im Stadtrat zum neuen Umweltreferenten wählt. Hollemann würde dann die Nachfolge von Umwelt- und Gesundheitsreferent Joachim Lorenz antreten, der nach fast 22 Jahren Amtszeit in den Ruhestand geht.