München Greenpeace macht Druck

Zu Stickstoffdioxid-Messungen ist ein Team von Greenpeace und Wissenschaftlern in der Stadt unterwegs.

(Foto: Florian Peljak)

Stickstoffdioxid-Messungen sollen Luftreinhaltung vorantreiben

Von Marco Völklein

Neben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erhöht nun auch die Umweltorganisation Greenpeace den Druck auf Stadt und Freistaat, mehr für die Luftreinhaltung zu tun. Am Donnerstag war ein Team von Aktivisten und Wissenschaftlern der Universität Heidelberg in der Stadt unterwegs, um an Straßen und Plätzen die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid (NO₂) zu messen. Am Montag sollen die Messungen weitergehen. Die erhobenen Werte werden die Heidelberger Forscher in den nächsten Monaten hochrechnen, um einen Jahresmittelwert zu ermitteln. Dieser kann dann mit dem Jahresmittel-Grenzwert verglichen werden, den die EU bei 40 Mikrogramm NO₂ pro Kubikmeter liegt.

Dieser Wert wird in München an den offiziellen Messstellen regelmäßig überschritten. So hatte das Umweltbundesamt im vergangenen Jahr zum Beispiel an der Landshuter Allee in München einen Jahresmittelwert von 84 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Das war bundesweit der zweithöchste Wert, nach einer Messstation in der Innenstadt von Stuttgart.

Greenpeace will mit den eigenen Messungen zeigen, dass nicht nur an den offiziellen Messpunkten der Grenzwert überschritten wird - und damit den Druck auf die Politik erhöhen. In Berlin, wo die Umweltschützer im vergangenen Jahr schon mit Messgeräten unterwegs waren, wurden Werte zwischen 39 und 83 Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt. Die DUH wiederum hat vor dem Verwaltungsgericht auf schärfere Maßnahmen zur Eindämmung der Luftschaftstoffe geklagt. Die Umweltjuristen wollen unter anderem eine Verschärfung der Umweltzone und die Einführung einer City-Maut erreichen, ebenso eine stärkere Förderung des Rad- wie des öffentlichen Nahverkehrs. Ähnliche Forderungen erhebt auch Greenpeace.

Umwelt- und Verkehrspolitiker im Stadtrat wie auch Autofahrerverbände lehnen solche Schritte indes ab. Um eine Einhaltung der NO₂-Grenzwerte zu erreichen, müsste die Stadt den Autoverkehr um 50 bis 80 Prozent reduzieren - beispielsweise durch massive Fahrverbote. Das sei nicht vermittelbar, heißt es im Rathaus. Auch Alexander Kreipl vom ADAC lehnt solche Forderungen ab: "Damit würde die Münchner Wirtschaft lahmgelegt." Die Stadtratsmehrheit aus CSU und SPD setzt unter anderem auf den Ausbau der Elektromobilität und eine Verflüssigung des Autoverkehrs durch grüne Wellen, um die Luftqualität zu verbessern.