Moosach Schlechte Noten für Container

Der naturwissenschaftliche Unterricht kann nur eingeschränkt stattfinden, da in den Behelfsbauten aus Sicherheitsgründen keine Experimente gemacht werden dürfen.

(Foto: Robert Haas)

Im Gymnasium München-Moosach hat man genug von den Pavillons, die seit Jahren den Sportplatz belegen. Der Direktor beklagt, dass die Schüler deswegen in weiter entfernte Hallen pendeln müssen

Von Melanie Staudinger, Moosach

Im Münchner Norden gehen die Schulplätze aus, zumindest was die Gymnasien und Realschulen betrifft. Mütter aus Feldmoching protestierten unlängst, weil sie ihre Kinder nach Unterschleißheim schicken müssen, im neuen Gymnasium München Nord spielten sich bei der Anmeldung für das laufende Schuljahr dramatische Szenen ab, weil Dutzende Kinder abgewiesen wurden. Zusätzlich gilt es Platz zu schaffen für die Vorläuferklassen der neuen Realschule an der Franz-Mader-Straße und für das Gymnasium in Karlsfeld, das die Stadt gemeinsam mit dem Landkreis Dachau baut. In all diese Diskussionen mischt sich nun auch das Gymnasium München-Moosach ein. Dort nämlich hat man genug von den Schulcontainern, die seit vier Jahren den Sportplatz belegen.

Direktor Stefan Illig wendet sich in einem offenen Brief an Politiker und Stadtverwaltung und bittet darum, die Pavillons im Sommer abzubauen und nicht mit anderen Schulen zu belegen. Illig beschreibt die Situation an seiner Schule seit September 2013. Zu diesem Zeitpunkt begann die Generalsanierung im Schulzentrum an der Gerastraße, in dem neben dem Gymnasium noch die Realschule und eine Grundschule untergebracht sind. Die Schulen zogen in drei Pavillonanlagen um, das eigentliche Gebäude wurde entkernt und in Teilen neu aufgebaut. Seitdem kann kein ordentlicher Sportunterricht mehr stattfinden, wie Illig beschreibt. Regelmäßig müssten die Schüler mit dem Bus in die knapp sechs Kilometer entfernte Faganahalle oder die gut drei Kilometer entfernte Halle des Post SV pendeln. "Geld, Zeit und viel Geduld" erfordere dies, und natürlich habe die Pendelei spürbare Einschränkungen zur Folge. Erste Sportlehrer haben Illig zufolge schon angekündigt, dass sie sich versetzen lassen wollten, sollte dieser Zustand noch länger andauern.

Auch der naturwissenschaftliche Unterricht könne nur rudimentär stattfinden, da in den Containern aus Sicherheitsgründen keine Experimente gemacht werden könnten. "Das bedeutet für ein naturwissenschaftliches-technologisches Gymnasium eine enorme und auf Dauer nicht hinnehmbare Einschränkung", schreibt Illig in dem offenen Brief. Noch problematischer aber sei, dass die Pavillons dringend benötigte Pausen- und Freiflächen blockierten. "Da das Schulgebäude aber schon jetzt in sehr kompakter Form derzeit für über 2000 Schüler, dazu zirka 250 Lehrkräfte und Verwaltungspersonen Raum bieten muss, erscheint das unverantwortlich", erklärt Illig. Pädagogisches Agieren werde behindert, Konflikte würden gefordert und schon jetzt sei ein Anstieg der Unfälle auf dem Schulgelände zu verzeichnen - schlicht weil es so eng sei.

Illigs Resümee: "Durch eine zusätzliche Erhöhung der Schülerzahl auf dem Schulgelände, das durch den Verbleib der Pavillons weiterhin in seinen Ausmaßen beschränkt wird, droht das Schulzentrum wortwörtlich aus allen Nähten zu platzen." Was würden schließlich neue tolle Räume bringen, wenn man sie aufgrund von Platzmangel pädagogisch nicht nutzen könne? "An unserer Schule muss nach der langen Bauzeit endlich Ruhe einkehren", sagt Illig. Das städtische Bildungsreferat prüft nach Angaben einer Sprecherin momentan verschiedene Optionen, wie alle Schüler im Norden untergebracht werden könnten. Ein Ergebnis aber gebe es derzeit noch nicht.