Provinzposse in München: Die Meiserstraße soll in Katharina-von-Bora-Straße umbenannt werden. Ein Professor für Theologie und Ethik an der LMU erklärt, wieso auch dieser Name äußerst problematisch ist.
Man muss in die Kirchengeschichte des 16. Jahrhunderts zurückblicken, um die Provinzposse zu verstehen, die die Landeshauptstadt München in diesen Tagen mit tatkräftiger Unterstützung der Leitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern aufführt.
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Wie die Meiserstraße in Zukunft heißen wird, ist noch strittig. Auch die Alternative "Katharina-von-Bora-Straße" ist problematisch. (© Foto: dpa)
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Die Stadt hat angekündigt, nun bald die Straßenschilder der Meiserstraße abzuhängen und durch Schilder mit dem neuen Straßennamen "Katharina-von-Bora-Straße" zu ersetzen. Diese Umbenennung lässt Mangel an reformationshistorischer Bildung erkennen, vor allem in der Leitung der bayerischen Landeskirche.
Nachdem der Stadtrat die Entwidmung der Meiserstraße wegen antisemitischer Äußerungen des ersten bayerischen Landesbischofs vor allem im Jahre 1926 beschlossen hatte, räumte die Stadt mit ihrem protestantischen Oberbürgermeister der Landeskirche das Privileg ein, einen neuen Namen für jene Straße vorzuschlagen, in der das Landeskirchenamt, also der Amtssitz des Landesbischofs, und der Dienstsitz der Regionalbischöfin des Kirchenkreises von München und Oberbayern liegen.
Schon im Streit um Meisers Rolle im Nationalsozialismus hatte die Spitze der Landeskirche neben einiger Feigheit auch viel zeithistorische Unbildung demonstriert. Mal wurde Meiser, ein theologisch biederer Kirchenfunktionär aus der fränkischen Provinz, pauschal verteidigt, mal jammerte man über einzelne Sätze in Texten, die man offenkundig nicht genau gelesen hatte.
Konsequent historisches Denken, das Texte in ihren spezifischen Kontexten wahrnimmt, scheinen die Damen und Herren Oberkirchenräte im Theologiestudium nicht gelernt zu haben. Das intellektuelle Niveau der kirchlichen Debatte war von hoher Übersichtlichkeit geprägt.
Verteidiger Meisers stimmten mit Kritikern im naiven Gebrauch rassistischer Sprache überein. Niemand spricht im Falle der Konversion von Katholiken zur evangelischen Kirche von "Protestanten katholischer Herkunft".
Aber getaufte, genauer: in der evangelischen Kirche getaufte Juden sind im Meiser-Streit fortwährend als "Christen jüdischer Herkunft" bezeichnet worden. Weil man politisch korrekt sein will, spricht man landeskirchlicherseits gern von den "jüdischen Mitbürgern". Warum nicht einfach deutsche Bürger?
Zu erheblicher Konfusion trug der aktuelle Inhaber des erstmals von Meiser eingenommenen Amtes bei. Dass das Amt eines starken Landesbischofs 1933 mit ausdrücklichem Rekurs auf das Führerprinzip geschaffen wurde, scheint ihm verborgen geblieben zu sein.
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Wenn es denn eine evangelische F r a u sein soll, dann kommt nur
DOROTHEE SÖLLE in Frage;- aber die scheint ja wohl für die konservative Amtskirche auch posthum noch das "rote Tuch" zu sein, weil die einzige, die mit Nazis, Antisemiten,Reaktionären und der Rüstungslobby keinen Kompromiß kannte.
Sonst haben wir nur e i n e n evangelischen Märtyrer, auf den wir stolz sein können: DIETRICH BONHOEFFER,den die Nazis noch kurz vor Kriegsende im KZ Flossenbürg/Bayern(!) ermordet haben - u.a. weil er den unsterblichen Satz formuliert hat:"Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen!" Es ist ein Skandal, daß über ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod für Wahrheit und Gerechtigkeit noch kein Mensch darauf gekommen ist, in München eine Strasse nach ihm zu benennen!
Klaus Zimmermann (evang.) Pastor i.R.
exakt. oder ein hans davor und ende.
Nennt sie "Ringelblumenstraße" und die Sache ist erledigt.
Meine Güte, was wird für so eine Posse Geld und Zeit rausgeschmissen.
Der Autor dieses Artikels meint:
Der einzige Maßstab, an dem der Wert, die Lebensleistung eines Menschen zu messen ist, ist sein Verhältnis zu Angehörigen einer bestimmten Religionsgemeinschaft.
Gut, Katharina von Bora mochte vor 500 Jahren also "die Juden" nicht - das schließt man wenigstens aus einem Brief, den ihr todkranker Mann an sie geschrieben hat. Das nennt man wohl lückenlose Beweisführung.
Und für die für Straßennamen kommen nur noch Menschen in Frage, die sich gegen Antisemistismus engagiert haben.
Es ist wirklich schaden, das manche Menschen die Welt nur durch die "Ich bin gegen rechts, also bin ich gut"-Brille wahrnehmen können. Die deutsche Geschichte umfasst mehr als 12 Jahre man kann nicht Menschen der frühen Neuzeit wegen Verbrechen verurteilen, die im 20. Jahrhundert begangen wurden.
Daß einige verbiesterte Evangelen da jetzt gerne zurückschlagen würden und als "Ausgleich" die Entwidmung einer nach einem katholischen Bischof benannten Straße fordern, ist verständlich.
Da wird ihnen aber der Schnabel sauber bleiben. Michael Kardinal Faulhaber mit einigen wirr zusammengeklaubten Zitaten in die Nähe des damaligen Regimes zu rücken zu wollen, ist zu einfältig und durchsichtig. Ausgerechnet die nach dem Hauptautor der Enzyklika "Mit brennender Sorge" benannte Straße zu entwidmen könnte leicht eine ganz andere Bedeutung bekommen.
Eine Schnapsidee sondersgleichen. Aber der vermutliche C2H5OH-Wert im Blut bestimmter Leute bei der Ausarbeitung ihrer Thesen stellt sich ja neuerdings auch in unvermutet ganz neuem Licht dar.
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