Stadtentwicklung "Viehhof nicht verbauen"

Das Viehhof-Gelände in der Isarvorstadt: im Bild die Rampe, wo früher die Tiere aus den Eisenbahnwaggons getrieben wurden.

(Foto: Florian Peljak)

Die Pläne, das Areal umzugestalten, stoßen im Internet auf wachsenden Protest: Die ansässigen Betriebe dürften nicht verdrängt werden. Eine zweite Petition fordert, das neue Volkstheater in der Großmarkthalle unterzubringen.

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Zum Viehhof gibt es eine zweite Petition im Internet. Die Unterzeichner fordern, das gesamte Viehhof-Gelände zu erhalten und die ansässigen Gewerbetreibenden nicht zu vertreiben - unabhängig davon, ob nun das Volkstheater mit einzieht oder nicht. Initiator der Petition ist Hartmut Senkel, der Betreiber des Viehhof-Open-Air-Kino-Festivals. "Die Koexistenz von Theater, Wohn-, Gewerbe- und Kulturraum ist für die Balance in unserer so wunderbaren Stadt und ein gutes Miteinander wichtig", heißt es dort. Die Petition trifft offenbar den Nerv vieler Münchner. Nach kaum einer Woche im Netz haben bereits mehr als 2000 Menschen unterzeichnet.

Dem Aufruf des Organisators des Kino-Open-Airs haben sich die Betriebe auf dem Gelände angeschlossen, darunter das Wirtshaus im Schlachthof, die Münchner Suppenküche, Metzgereien, ein Dienstleister, Feinkost- und Weinimporteure, die Fischtaverne und eine Messerschleiferei. Sie fordern, in die Planung und die Entscheidungsprozesse eingebunden zu werden. Neue Kultur dürfe keine bestehende verdrängen - sondern solle im Einklang mit ansässigen Betrieben stehen.

Der Arbeitskreis "Zukunft Viehhof" im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt begrüßt diese Initiative. Sie freue sich, wenn sich das Viehhof-Gewerbe einmische, sagt die Sprecherin Beate Bidjanbeg (SPD). Vielleicht wäre die Planung bereits weiter, wenn Petitionen wie diese die Stadt "in die Gänge" gebracht hätten. Bislang stehe nur eines fest zum Viehhof: Das Volkstheater soll auf einem Teilareal einziehen. "Ansonsten gibt es bislang noch keine Planung." Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Alexander Miklosy (Rosa Liste) will gewachsenes Gewerbe bei der Planung nicht vernachlässigen. Allerdings würden Forderungen gegen eine Bebauung einer "Kosten-Nutzen-Analyse" nicht standhalten. Ein Hauptaugenmerk der Politik liege auf bezahlbarem Wohnraum. Und auf dem Viehhof sei eine Bebauung möglich.

Die Kommentare im Internet zeigen, dass die Unterzeichner genau dies nicht wollen: Sie plädieren für möglichst wenig Veränderungen am Viehhof-Gelände, wollen das Areal als Freifläche erhalten. "Liebes München, lasst uns Luft zum Atmen und erhaltet diesen Ort", heißt es dort. Vom "urbansten Stück München" ist die Rede, einer "einmaligen Atmosphäre". Von einem Ort "um einfach mal die Seele baumeln zu lassen und den Stress vom Alltag zu vergessen", einem "magischen Ort". Eine geborene Münchnerin sieht in einem starken Eingriff in das Areal sogar einen Grund, die Stadt zu verlassen. "Wir brauchen solche Plätze, sonst ist München irgendwann tot von glattgebügelten Finanzhaien."

Gegen eine stärkere kulturelle Nutzung haben die meisten Kommentatoren nichts, gegen Baupläne schon. Der Viehhof sei "architektonisches Kulturgut", darauf wird im Internet aufmerksam gemacht, "historisch von großer Bedeutung". Das Viehhof-Gelände fördere das positive Klima im Viertel, sei identitätsstiftend.

Eine andere Petition zum Viehhofgelände, die seit einigen Wochen auf "Open Petition" zu finden ist, hat in mehr als zwei Monaten kaum mehr als 200 Unterstützer gefunden. Diese Petition fordert, das Volkstheater nicht, wie vom Stadtrat beschlossen, in einem Neubau auf dem Viehhof-Areal unterzubringen, sondern in der denkmalgeschützten Halle 1 auf dem Großmarktgelände. Allerdings hat sie in den Augen der Kommentatoren ein Manko: Sie fordert stattdessen den Bau von mehr Wohnungen auf dem Viehhof-Gelände.