Lerchenau Saft für alle: BMW investiert 200 Millionen Euro

So soll das neue BMW-Kompetenzzentrum für Batterien in der Lerchenau im Münchner Norden aussehen.

(Foto: Simulation: 3dkad Visualisierungsgesellschaft München)

Der Automobilkonzern baut in der Lerchenau sein neues "Kompetenzzentrum Batteriezelle". Ab 2019 sollen dort 200 Spezialisten und Forscher beschäftigt werden.

Von Alfred Dürr, Lerchenau

Der Autobauer BMW feiert im Münchner Norden eine Grundsteinlegung nach der anderen. Anfang Oktober startete in Milbertshofen die Erweiterung des Forschungs- und Innovationszentrums (FIZ), in dem einmal 15 000 Menschen arbeiten sollen. Wenige Tage zuvor stand der offizielle Baubeginn für einen BMW-Gewerbepark mit mehr als 3 000 Arbeitsplätzen an der Lillienthalallee in Freimann auf dem Programm. Und am Freitag setzte BMW ein weiteres großes Neubau-Projekt in Bewegung: In der Nachbarschaft zum FIZ entsteht an der Lemgostraße in der Lerchenau das "Kompetenzzentrum Batteriezelle".

Der Konzern gibt damit ein deutliches Signal: Beim Antrieb von Elektroautos soll ein großer Schritt nach vorn getan werden. Die Batteriezelle ist das Herzstück einer Batterie. Sie bestimme Leistung, Energie-Inhalt, Ladefähigkeit und Lebensdauer einer Batterie und habe maßgeblichen Einfluss auf die Performance eines elektrifizierten Fahrzeugs, heißt es bei BMW.

Im Unternehmen werde seit vielen Jahren an der Batteriezelle geforscht, sagt Entwicklungs-Vorstand Klaus Fröhlich. In dem neuen Komplex will man das Knowhow aus unterschiedlichen Fachbereichen und Standorten bündeln, "weiter intensivieren und so dessen Wirksamkeit beschleunigen". BMW investiert in den kommenden vier Jahren 200 Millionen Euro und wird auf den rund 13 000 Quadratmetern in dem Zentrum künftig 200 Spezialisten und Forscher beschäftigen. Im Fokus stünden Verbesserungen etwa bei der Lebensdauer, der Sicherheit, dem Laden und nicht zuletzt den Kosten der Batterien, sagte Fröhlich.

In die Modelle der Zukunft sollen sowohl Batterien als auch Verbrennungsmotoren passen

"Wir stellen uns konsequent auf weiteres Markenwachstum ein", sagte Oliver Zipse, der im Konzernvorstand für die Produktion zuständig ist. Für das Jahr 2025 erwarte man, zwischen 15 und 25 Prozent der Fahrzeuge als Plug-in-Hybride oder mit vollelektrischem Antrieb zu verkaufen. Die "Fahrzeugarchitekturen" würden künftig so gestaltet, dass sie sowohl mit Verbrennungsmotor als auch mit elektrischem Antrieb produziert werden können. BMW brauche also keine speziellen Werke, die nur Elektrofahrzeuge bauen. BMW produziert an zehn Standorten weltweit Elektroautos. Die Batterien dafür kommen aus den Fabriken im niederbayerischen Dingolfing, aus Spartanburg in den USA und aus Shenyang in China.

Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) freut das Engagement von BMW: "Batteriezellen sind eine Schlüsseltechnologie auf dem Weg hin zur emissionsfreien Mobilität." Mit dem neuen Kompetenzzentrum investiere der Autobauer "ein weiteres Mal kräftig in Bayern". Das sei ein klares Bekenntnis zum Freistaat als Industrie- und Hochtechnologie-Standort. Bayern sei ein Vorreiter der Elektromobilität und diese Spitzenposition wolle man ausbauen, sagte Aigner. Ein Ziel sei es, 7 000 Ladestationen im Freistaat zu errichten.

Geplant ist ein Gebäude mit 8700 Quadratmeter Laborfläche

Das Grundstück im Gewerbegebiet Detmoldstraße, auf dem das Kompetenzzentrum Batteriezelle entsteht, gehört dem Immobilienunternehmen Aurelis Real Estate. Gemeinsam mit BMW hat die Aurelis das Gebäudekonzept entwickelt und mit dem Autobauer einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen. Geplant ist ein Hallengebäude mit rund 8 700 Quadratmetern Laborfläche und einem gegenüberliegenden Bürotrakt mit etwa 4 100 Quadratmetern. Die beiden Objekte umschließen einen Innenhof und sind über einen Steg sowie Treppenhäuser verbunden.

BMW wollte bewusst in der Nähe zum FIZ bauen und setzt auf die Zusammenarbeit mit einem "erfahrenen Projektentwickler", wie Klaus Hauser vom BMW-Bereich Immobilienmanagement und Konzernsicherheit betonte. Man strebe keine spektakulär erscheinende Architektur an: "Entscheidend ist das intelligente Innenleben." Immerhin soll es ungewöhnlich schnell mit der Realisierung gehen. Bereits Anfang 2019 soll das Zentrum seinen Betrieb aufnehmen - das klingt nach einer rekordverdächtigen Bauzeit.

Mit dem Neubau-Projekt wird eine der letzten Lücken des Gewerbegebiets im Münchner Norden geschlossen, sagt Stefan Wiegand, der Geschäftsführer der Aurelis Region Süd: "Die Flächen werden in München langsam rar." Das Areal an der Detmoldstraße sei bereits ein "etablierter Gewerbestandort". Die Aurelis verfügt dort noch über ein Grundstück von rund 9000 Quadratmetern. Das Projekt mit der BMW Group zeige, wie attraktiv die Lage sei. Der Neubau sei sehr zügig genehmigt worden, lobte Wiegand die städtische Lokalbaukommission.

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