Verkehr Auch Aying zahlt nicht für Mieträder

Brunnthal stößt überall nur auf begrenztes Entgegenkommen

Von Michael Morosow, Aying

Seit Monaten strampelt sich Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) sprichwörtlich ab, um in seiner Gemeinde MVG-Mietradstationen einrichten zu können. Weil aber Brunnthal selbst über keinen eigenen S-Bahnhof verfügt und ein Netz von Mietradstationen nur aufgebaut werden kann, wenn es eine Anbindung an einen S-Bahnhof gibt, bittet Kern schon seit geraumer Zeit die Nachbarkommunen darum, seiner Gemeinde beizuspringen, indem sie auf ihrem Gemeindegebiet, insbesondere an den S-Bahnhöfen, MVG-Mietradstationen einrichten. Sein Pech dabei: Zu den elf Gemeinden im Landkreis München, die kein Interesse an den staatlich geförderten Radstationen zeigen, gehören ausgerechnet alle fünf Brunnthaler Anrainerkommunen: Hohenbrunn, Ottobrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Sauerlach und Aying.

Deren Verständnis für den Wunsch der Brunnthaler ist dabei aber größer als ihr tatsächliches Entgegenkommen. Zuletzt waren es nun die Ayinger, die "freundlich ablehnten", wie Stefan Kern den Beschluss des Ayinger Gemeinderats am Montag interpretierte. Demnach wäre Aying bereit, eine befestigte Fläche für die Radstation herzustellen und für die Verkehrssicherungspflicht gerade zu stehen. Aber die Folgekosten in Höhe von bis zu 2000 Euro jährlich müssten die Brunnthaler übernehmen. Die Ayinger Entscheidung deckt sich dabei weitgehend mit den Beschlüssen der anderen Anrainer. Ursula Mayer (CSU), Bürgermeisterin der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn, hat Kern bereits wissen lassen, dass ihr Gemeinderat den Brunnthalern zwar gestatten würde, am Bahnhof zu bauen, aber nicht gewillt sei, weitere Kosten zu tragen. Aus Hohenbrunn und Sauerlach waren ähnlich formulierte Absagen eingetroffen. Kerns letzte Hoffnung war daher Aying gewesen, zumal er, wie er vor wenigen Wochen sagte, mit Ayings Bürgermeister Johann Eichler (PWH) ein konstruktives Gespräch geführt habe. Außerdem stimmte ihn die Zusage mehrerer Brunnthaler Firmen zuversichtlich, MVG-Radstationen in der Nachbarschaft mitzufinanzieren. Eichler ist ihm auch in einem wesentlichen Punkt entgegengekommen, indem er im Namen der Gemeinde Aying noch rechtzeitig vor dem Stichtag 31. März einen Förderantrag stellte - "vorbehaltlich einer Entscheidung des Gemeinderats", wie Eichler am Dienstag zur SZ sagte.

"Nur halber Jubel" lautet Stefan Kerns Reaktion auf die Nachricht aus Aying. Er bedanke sich bei allen Gemeinden, die Plätze für die MVG-Mietradstationen zur Verfügung gestellt hätten, sagte Kern, aber dass seine Gemeinde in allen Fällen die Unterhaltskosten übernehmen müsse, jährlich zwischen 8000 und 10 000 Euro, finde er weniger gut. Mit der Ayinger Entscheidung werde er nun abermals den Gemeinderat konfrontieren. "Ob der zustimmt, ist fraglich", sagte Kern, außerdem müsse man abwarten, was die Aufsichtsbehörde dazu sage.