KunstSpritzendes Blut und Käsescheiben auf dem Bett

Im Traditions-Hotel Mariandl verwandeln junge Künstler ausgewählte Zimmer in Orte der Kunst.

Von Thomas Jordan (Text) und Martin Moser (Bild)

Licht- und Schattenspiele

Hotels sind Orte der Begegnung und des Rückzugs, der Freiheit und der unüberschaubaren Möglichkeiten. Sie sind ein "gesellschaftlicher Motor von Leuten, die ihres eigenen Glückes Schmied sind" wie der Kunstprofessor Hermann Pitz in seinem Eröffnungsvortrag der Ausstellung "Zimmer frei!" sagte. Zum 17. Mal bereitet das traditionsreiche Münchner Belle-Époque-Hotel Mariandl die Bühne für junge Münchner Künstler. Jeder darf ein Zimmer gestalten, der Hotelbetrieb läuft dabei in den anderen Zimmern normal weiter. Zu sehen sind ihre Installationen und Performances noch bis Sonntag, auch im Rahmen der Langen Nacht der Museen. Auf ganz unterschiedliche Weise erschließen sie Zugänge zu der Frage: Was kann man mit Hotelzimmern eigentlich noch machen, außer darin zu übernachten?

Zimmer 13 spielt mit der Atmosphäre von Hotelzimmern. Der Künstler Oliver Winheim hat Fenster und Einrichtungsgegenstände in dem eleganten Salon mit Milchglasfolie beklebt und reguliert damit die Lichtzufuhr. Tagsüber wirkt der Raum wie ein Diakasten, das Licht von draußen tritt nur stellenweise und milchig getrübt herein. Nachts zeigen sich an den hohen Decken des Altbaus die Umrisse des Mobiliars und es entstehen geheimnisvolle Schattenspiele. Winheim treibt die Lichtkunst noch weiter: Auf einem Podest steht eine gusseiserne Badewanne, angefüllt mit beleuchtetem Plexiglas. Statt der Wasseroberfläche zeigt sich eine bernsteinfarben schimmernde Maserung. Der Salon lädt den Besucher auf leise und unaufdringliche Weise dazu ein, in das Spiel der Stimmungen und Atmosphären einzutauchen und seine Sehgewohnheiten zu erweitern.

Bild: Martin Moser 14. Oktober 2016, 19:262016-10-14 19:26:00 © SZ.de/jord/ebri