Konto bei der Commerzbank Kündigungsgrund Sohn

Angst vor Kommunisten: Das Symbol von Hammer und Sichel wurde 2009 auf die Fensterschreibe einer Commerzbank-Geschäftsstelle in München geschmiert.

Sie dachte, es sollte ein Witz sein. Doch die Commerzbank machte Ernst: Sie kündigte einer 62-Jährigen das Konto - weil ihr Sohn Mitglied der Münchner DKP ist? Immerhin äußerte er sich als Kommunist darüber, kein Freund von Banken zu sein. Ist das der Startschuss zur politischen Kontoführung?

Von Bernd Kastner

Seltsam sei dieser Anruf gewesen, berichtet die Frau. Aber vielleicht war es ja auch nur ein blöder Scherz, habe sie sich gedacht, damals im Dezember. Eine Mitarbeiterin der Commerzbank habe sie aufgefordert, die Vollmacht für ihr Konto zu ändern. Der Bank lägen nämlich Erkenntnisse über den Bevollmächtigten vor, weshalb man diese Vollmacht nicht aufrechterhalten könne. Pikant daran ist, dass der Bevollmächtigte der Sohn der Commerzbank-Kundin ist: Kerem Schamberger, 27. Und der ist Kommunist, Sprecher der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) in München.

Als die Bankerin am 12. Dezember am Apparat war, habe sie eine Erklärung verlangt, berichtet die Mutter. Was das denn für Informationen seien über ihren Sohn. Doch die Anruferin sei vage geblieben, habe nur gesagt, dass diese von einer internen Abteilung stammten und sie nicht darüber sprechen dürfe. Ein paar Tage später schrieb die Mutter eine E-Mail an ihre Filiale am Rosenheimer Platz und bat um Aufklärung.

Die Commerzbank antwortete mit einem Brief. Darin kündigte sie nicht etwa die Vollmacht, sondern das ganze Konto der Mutter - "gemäß Nummer 19 Absatz 1 unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen". Demnach könne die Bank jederzeit eine Kontoverbindung aufheben. "Von diesem Recht machen wir hiermit Gebrauch." Jetzt wusste die Mutter, dass der Anruf im Dezember kein Spaß war. Dafür fragt sich die Familie Schamberger, ob eine unbescholtene Münchnerin, 62 Jahre alt, seit 45 Jahren Kundin der Commerzbank, für die politischen Aktivitäten ihres Sohnes in Sippenhaft genommen wird.

Kerem Schamberger kann sich nur einen politischen Reim auf die Kündigung machen. Vorbestraft sei er nicht, Schulden habe er keine, mit der Vollmacht nie Geld abgehoben. Aber Kommunist ist er. Daraus macht er kein Geheimnis, man kann nachlesen und -hören, wie er denkt. Dass er zum Beispiel kein Freund der Banken in ihre jetzigen Form ist. Er fordert, sie zu vergesellschaften. Im Internet findet sich auch ein Video von einem Auftritt Schambergers auf dem Stachus, im Oktober 2011 war das, als er sich gar nicht positiv über die Commerzbank äußerte. Über jene Bank, die der Staat in der großen Krise mit viel Geld retten musste, die der Allgemeinheit seither zum Teil gehört. Jene Bank, bei der er selbst eine Kontovollmacht hat - seit drei Jahren schon.

Ist das Geldinstitut also plötzlich aufgewacht und pflegt eine Art politische Kontoführung? Ein Sprecher teilt nur mit: "Als Privatbank sind wir nicht zur Unterhaltung von Geschäftsbeziehungen verpflichtet." Eine Erklärung für die Kündigung bleibt er schuldig. Vielleicht steckt ja der Verfassungsschutz dahinter, fragt sich Schamberger. Immerhin wird er von diesem seit Jahren öffentlich als Linksextremist geführt, und Linke trauen den Geheimen schon lange fast alles zu. "Wir haben damit nichts zu tun", beteuert ein Sprecher. Klingt nachvollziehbar. Wollte der Verfassungsschutz, dass allen Eltern von Extremisten ihre Konten verlieren, müsste er viele Tipps an viele Banken geben.

Jetzt hat zwar die Mutter des Kommunisten kein Konto mehr, wohl aber der Kommunist selbst. Bei der Stadtsparkasse. Und dort habe es nie ein Problem gegeben, berichtet Kerem Schamberger. Zumindest bis jetzt.