Öffentlicher Nahverkehr in München Ausbau-Offensive: Es braucht endlich Taten

Schon vor zehn Jahren sollte der ÖPNV deutlich erweitert werden.

(Foto: Florian Peljak)

Schon vor neun Jahren sprach man in München von einer ÖPNV-Offensive. Inzwischen ist die Dringlichkeit enorm gestiegen - deshalb ist zu hoffen, dass bald alle an einem Strang ziehen.

Kommentar von Dominik Hutter

Die Runde aus Politikern umfasste alles, was im Rathausbündnis Rang und Namen hat, und es galt Bedeutsames zu verkünden: München soll eine neue U-Bahn-Strecke durch die Innenstadt bekommen, die U 9. Die Tram-Westtangente soll endlich angepackt, die Parkstadt-Tram nach Norden verlängert und Freiham besser angebunden werden.

Eine echte ÖPNV-Offensive wurde versprochen. Im Dezember 2008 war das. Damals wollte die rot-grüne Koalition wegen des starken Zuzugs und der zunehmenden Störanfälligkeit von Bussen und Bahnen das MVV-Netz aufmöbeln.

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Gebaut wurde von den damaligen Projekten bislang kein einziges. Übertriebene Eile kann man den Rathaus-Politikern also nicht vorwerfen. Immerhin tauchen nun dieselben Strecken erneut in einem Vorstoß gleichen Namens auf, einer ÖPNV-Offensive. Mit dem Unterschied, dass diesmal SPD und CSU zusammen in einem Boot sitzen. Und die CSU die Pläne in höchsten Tönen lobt. Bürgermeister Josef Schmid spricht von einem großen Wurf. 2008 titulierte die CSU die rot-grüne Offensive noch als "heiße Luft", bestehend aus Projekten, die teilweise längst bekannt seien.

Schwamm drüber, Blick nach vorne. Denn natürlich ist das nun neu aufgelegte Paket in weiten Teilen sinnvoll, eine ÖPNV-Offensive dringend notwendig. Auf Dauer wird nur die (zugegeben reichlich kostspielige) U 9 das U-Bahn-Netz der Innenstadt vor dem Kollaps bewahren können. Bei genauem Hinsehen offenbaren sich übrigens doch ein paar Unterschiede zur Offensive von vor neun Jahren.

Die Trasse nach Freiham war damals noch als Trambahn angedacht. Die SPD hat wohl nachgegeben - die CSU plädiert schon immer für die große Lösung per U-Bahn. Und auch die U 26 im Münchner Norden kam damals nicht vor - über deren Nutzen aber sollten sich Experten ohnehin erst noch einmal ein paar Gedanken machen. Dass die CSU die Tram-Nordtangente mitträgt, hätte 2008 wohl niemand zu träumen gewagt.

Nur: Ob alle diese Strecken tatsächlich gebaut werden, ist angesichts der enormen Kosten offen. Leider. Ohne eine ÖPNV-Offensive auch auf Landes- und Bundesebene wird dieser Text daher in neun Jahren nochmals gedruckt. Mit kleineren Aktualisierungen, versteht sich.

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