Jamiroquai in der Olympiahalle Nicht nur von dieser Welt

Die besten Disco-Hits der Neunziger und des neuen Jahrtausends: Jamiroquai zeigen in der Münchner Olympiahalle ihr Repertoire - und entführen dabei in andere Sphären.

Von Lisa Sonnabend

Der schwarze Vorhang fällt auf die Bühne. Dahinter Dunkelheit. Nur ein weißer Hut ist zu erkennen und die gelb leuchtenden Schnürsenkel von einem Paar Turnschuhe. Dann geht die Musik los. Die Band Jamiroquai braucht keine Explosionen, keine aufwendige Lichtshow, kaum Videoprojektionen. Allein Jamiroquai, oder besser gesagt Sänger Jay Kay, sind bereits Pop.

Jamiroquai beim Konzert am Montag in Hamburg: In der Münchner Olympiahalle trug er weißen Hut statt Federschmuck.

(Foto: dpa)

Derzeit sind die britischen Acid-Jazzer, die bereits seit 1991 Musik machen und mehr als 27 Millionen Platten verkauft haben, auf Europatournee. Nach fast fünf Jahren Pause locken sie immer noch so viele Fans an, dass die Münchner Olympiahalle gut gefüllt ist. Und noch immer gelingt es ihnen mit Leichtigkeit, die Menge zum Tanzen zu bringen. Vom ersten Takt an groovt die Halle.

Auf dem aktuellen Album "Rock Dust Light Star" ist die typische Mischung aus Funk, Acid-Jazz und Disco zu hören - dazu Jay Kays hohe Stimme. Am besten kommen beim Publikum jedoch immer noch die Hits von früher an: "Deeper Underground", "Cosmic Girl" oder "Love Foolosophy". Sogar bei den Sitzplätzen auf der Tribüne stehen und bewegen sich fast alle.

Doch für einen Moment weicht die heitere Stimmung. Wenige Minuten nach Beginn gedenkt Jay Kay einem jungen Arbeiter, der zwei Tage zuvor bei den Aufbauarbeiten für das Konzert in Lyon von einem Gerüst stürzte und starb. Der Auftritt in der französischen Stadt wurde daraufhin abgesagt. Jamiroquai bitten das Publikum, für den Verstorbenen zu applaudieren. Auf ihrer Facebook-Seite hatte die Band ein paar Stunden zuvor geschrieben: "Die Dinge fühlen sich heute ein wenig seltsam an, aber wir werden uns hundertprozentig auf die Show in der Olympiahalle konzentrieren." Und das machen sie dann auch wieder, allerdings ist der Übergang arg abrupt. Das Publikum applaudiert noch bewegt, als Jay Kay bereits euphorisch den nächsten Song ankündigt und lostänzelt.

Die Überwindung der Schwerkraft

Der Sänger benimmt sich auf der Bühne ganz anders als ein typischer Rockstar. Statt Lederhose oder Nietengürtel trägt er zuerst ein dunkelblaues, zu langes Hemd, von dem Kordeln hinab hängen und ihn ein wenig wie einen Kolibri aussehen lässt. Später zieht er eine hellgrüne Trainigsjacke über - von der WM 1974 in Deutschland. Rockerposen sind Jay Kay fremd, er tanzt. Statt einem Bier nach dem anderen trinkt er lediglich Wasser und einen Schluck Caipirinha.

Mal erinnern seine Bewegungen an Aerobicstunden, mal an Michael Jackson. Der 41-Jährige wirbelt über die Bühne, seine Beine verharren nie still, er dreht Pirouetten oder hüpft hoch in die Luft. So, als würde er für einen kurzen Moment die Schwerkraft überwinden.

Jamiroquai - eine Band nicht von dieser Welt? In einem Songs heißt es "She's just a cosmic girl from another galaxy, my heart's at zero gravity." Als Dekoration baumeln Planeten von der Decke wie riesige Discokugeln. Falls Jamiroquai tatsächlich nicht von der Erde stammen, müssen sie aus einer Galaxie kommen, in der die Kreaturen immer gut gelaunt und fröhlich sind - und ausgelassen zusammen tanzen. Atomkatastrophen oder Kriege? Dort sicherlich undenkbar!

Mindestens einem irdischen Bedürfnis ist Sänger Jay Kay, der sich einmal als "Space Cowboy" tituliert hat, allerdings erlegen: Er liebt schnelle Autos. Vor dem Konzert schaute er deswegen im BMW-Museum vorbei, verrät er in einer seiner wenigen Ansagen während des zweistündigen Konzertes. Doch danach wird die Reise ins Weltall sofort fortgesetzt. "She's from a cosmic world. Putting me in ecstasy. Transmitting on my frequency."