Islamfeindlichkeit 15 000 Münchner bilden Lichterkette für Toleranz

Teilnehmer der Lichterkette in der Münchner Innenstadt.

(Foto: Robert Haas)
  • Mit einer Lichterkette demonstrieren etwa 15 000 Münchner für Frieden und Toleranz. Zu der stillen Kundgebung aufgerufen haben Vertreter verschiedener Religionen.
  • Zum vierten Mal geht an diesem Abend der Münchner Pegida-Ableger auf die Straße.
  • Die Polizei ist mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz.
Von Ingrid Fuchs und Thierry Backes

Wie die Lichterkette verläuft

Albert Knoll hat sich vorbereitet wie ein Profi-Demonstrant: Er hat einen Rucksack voller Kerzen dabei, für die Vereinsmitglieder vom Forum Homosexualität, die er per Mail noch einmal dazu aufgerufen hat, zu kommen. Und schon bald steht er nicht mehr alleine da an diesem nasskalten Abend. "Haben Sie davon noch welche?", wird er gefragt. Gemeint ist aber nicht nur die Kerze, sondern der Windschutz dafür, eine Art Plastikbecher. Und natürlich teilt er sie gerne aus, an so einem Tag.

Mit einer Lichterkette demonstrieren Münchner Bürger an diesem Montagabend für Frieden und Toleranz. Zu der Aktion aufgerufen haben Vertreter verschiedener Religionen und gesellschaftlicher Gruppen. Die Polizei meldet etwa 15 000 Teilnehmer.

Dabei sollen fünf Gotteshäuser, darunter die Synagoge Ohel Jakob und das Münchner Forum für Islam, mit einer so genannten "Friedenskette" miteinander verbunden werden. Das solle angesichts von Gräueltaten im Namen der Religion ein Zeichen für Frieden und Versöhnung setzen. Es wird eine stille Kundgebung, ohne Transparente und Reden.

Was Imam Idriz sich von der Lichterkette erwartet

"Bei vielen Muslimen entstehe durch die Pegida-Demos das Gefühl, dass Menschen gegen sie auf die Straße gehen", sagt der Imam Benjamin Idriz, der sich für den Bau einer Moschee in der Münchner Innenstadt einsetzt, vor Beginn der Lichterkette. "Das kann Hass verursachen. Ich bin mir aber sicher, dass solche Aktionen wie heute helfen. Es ist ein Zeichen des Zusammenhalts."

Und plötzlich geht es ganz schnell: Eben haben sie an der Sendlinger Straße noch debattiert, ob hier denn jetzt auch die Friedenskette entlanggehe oder nicht, selbst die Ordner wissen nicht Bescheid. Doch dann werden es immer mehr Menschen, mit Kerzen, Taschenlampen, Lampions - und plötzlich ist da eine Lichterkette in der Fußgängerzone, ganz gleich, was die offiziellen Pläne vorsehen.

So schnell, wie die Lichterkette sich formiert hat, löst sie sich auch wieder auf. Gegen 20 Uhr meldet die Polizei, dass die Kundgebung sich aufgelöst habe.

Die Polizei ist an diesem Abend mit mehr als 1000 Beamten im Einsatz. Denn es gibt noch weitere Demonstrationen.

Wie Bagida demonstriert und welcher Gegenprotest sich formiert

Von 19.30 Uhr an demonstriert der Münchner Pegida-Ableger zum vierten Mal. Zunächst sind es nach Polizeiangaben 350 Islamfeinde, darunter auch diesmal zahlreiche Rechtsextremisten, die sich sich am Goetheplatz treffen. Allerdings schrumpft die Bagida-Bewegung stark: Vor einer Woche waren es 800 Teilnehmer, vor drei Wochen 1500.

Vom Goetheplatz marschiert Bagida über die Lindwurmstraße zur Poccistraße, wo eine Abschlusskundgebung stattfindet. Dort hetzt der Islamhasser und Wortführer von Bagida. Er verliest die Adressen von Asylunterkünften und fragt nach jedem Straßennamen: "Wollt ihr das?" Seine Zuhörer antworten: "Nein." Bereits zuvor hat er Politiker als "Hochverräter am deutschen Volk" bezeichnet.

Bagida ist aber auch diese Woche wieder mit lautstarkem Protest konfrontiert. Eine neu formierte "Initiative gegen Bagida" hat zu einer Gegenkundgebung aufgerufen, ebenfalls am Goetheplatz. Als Bagida am Ziel seines Marsches ankommt, sind schon 800 Gegendemonstranten da. Sie empfangen die Islamfeinde mit einem Pfeifkonzert und "Nazis raus!"-Rufen.

Warum Muegida seine Kundgebung abgesagt hat

Die mit Bagida konkurrierende Muegida hat ihre ebenfalls für diesen Abend angemeldete Demonstration abgesagt, "aus organisatorischen Gründen", wie Organisator Thomas Weiß sagt. Bei Muegida nahmen allerdings zuletzt auch nur noch etwa zehn Islamfeinde teil.

Linktipps:

  • Im Jahr 1992 gab es in München eine Lichterkette mit 400.000 Teilnehmern. Erinnerungen daran sind hier aufgeschrieben.
  • Mit welchen ausländerfeindlichen Bemerkungen die Organisatorin von Bagida auf Facebook auffällt, lesen Sie hier.
  • Welche Rolle der Islamhasser Michael Stürzenberger bei Bagida spielt, ist hier beschrieben.
  • Und hier finden Sie eine Beschreibung der Pläne für eine Innenstadt-Moschee in München