Hochschulrat der LMU Germanisten gegen Schavan

Will derzeit kein Gespräch führen: die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

43 Lehrende der Ludwig-Maximilians-Universität fordern: Keine Berufung Annette Schavans in den Hochschulrat, solange die Plagiatsvorwürfe nicht gerichtlich geklärt sind. Uni-Präsident Huber will nun mit der Fakultät sprechen.

Von Sebastian Krass

Nun bekommt Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), auch offiziell Gegenwind wegen der Berufung von Annette Schavan in den Hochschulrat. 43 Lehrende, darunter 25 Professoren für Germanistik, Komparatistik, Nordistik und Deutsch als Fremdsprache, haben eine Erklärung unterzeichnet, in der sie die Hochschulleitung auffordern, "die Mitgliedschaft Annette Schavans im Hochschulrat zu suspendieren, bis die Vorwürfe gegen sie ausgeräumt sind".

Es ist die erste bekannte derartige Erklärung. Bisher hatten nur einzelne LMU-Mitglieder öffentlich ihren Unmut über die Berufung Schavans kundgetan, der die Universität Düsseldorf wegen Plagiats den Doktortitel entzogen hat.

Als Reaktion auf das Schreiben kommt Huber am kommenden Mittwoch in den Fakultätsrat des Bereichs Sprach- und Literaturwissenschaften, zu dem das Germanistik-Department gehört. Die Veranstaltung ist für alle Mitglieder der Fakultät, auch Studenten, zugänglich.

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In dem Schreiben an Huber heißt es: "Die geltenden Regeln wissenschaftlicher Praxis sind für Lehrende und Studierende gleichermaßen verpflichtend. Sie dulden innerhalb der Hochschule keine Ausnahme." Die Berufung der ehemaligen Bundesbildungsministerin Schavan (CDU), die gegen den Entzug des Titels klagt, beschädige "die Glaubwürdigkeit der Universität und ihrer Forschungsethik". Die Lehrenden könnten den Studenten kaum plausibel machen, dass ihnen für Verstöße gegen die Regeln Strafen "bis hin zur Exmatrikulation" drohten, "wenn ein schwebendes Plagiatsverfahren keinen Hinderungsgrund für eine Berufung in den Hochschulrat unserer Universität darstellt".

Der Direktor des Departments, Christian Begemann, sagt, die Erklärung solle "einen relativ breiten Dissens" zur Hochschulleitung in dieser Frage zum Ausdruck bringen. Weiter möchte er sich dazu nicht äußern, da der Brief "als interne Stellungnahme" geplant gewesen sei. Er wisse nicht, wie das Papier an die Öffentlichkeit geraten sei.

"So etwas ist im Hochschulgesetz nicht vorgesehen"

Bernd Huber hat bisher stets betont, man müsse die Plagiatsfrage, zu der er sich nicht äußern will, von der Lebensleistung und der hohen Kompetenz Schavans in hochschulpolitischen Themen trennen. Da es sich um ein internes Schreiben handele, werde auch er sich nicht öffentlich dazu äußern.

Überdies habe Huber zum Thema Schavan "einige Schreiben erhalten mit sehr unterschiedlichem Tenor - sowohl kritisch als auch befürwortend", erklärt eine LMU-Sprecherin. Zur Frage einer Suspendierung könne Huber sich überdies nicht äußern, da er Schavan zwar für den Hochschulrat vorgeschlagen habe, aber das Wissenschaftsministerium sie ernannt habe.

Das Ministerium erklärt: Selbst, wenn man wollte, wäre es gar nicht ohne weiteres möglich, das Mitglied eines Hochschulrats zu suspendieren oder abzusetzen. "So etwas ist im Hochschulgesetz nicht vorgesehen", erklärt eine Sprecherin. Letztlich wäre es also wohl allein Schavan, die ihr Amt niederlegen könnte. Ob sie solche Gedanken gehegt hat oder hegt, bleibt offen. Sie will sich nach wie vor nicht äußern. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf verhandelt am 20. März 2014 über ihre Klage.