Kammerspiele-Bar Junge Kunst, experimentelle Musik und fast immer eine Dragqueen

Bar mit Kunst und Pflanze: Das "Tam Tam Tanzlokal" war eigentlich der Kellerflur eines Gebäudes der Kammerspiele - bis Matthias Lilienthal kam.

(Foto: Florian Peljak)

Das "Tam Tam Tanzlokal" in den Kammerspielen ist bei jedem Besuch anders - nur niemals langweilig.

Von Christiane Lutz

Dieser Text ist leider veraltet, die Bar gibt es nicht mehr.

Wer schicke Drinks in ruhiger Atmosphäre trinken will, ist hier falsch. Wer wissen will, was er kriegt, ist hier ebenfalls falsch. Wer keine Lust auf spontan ausbrechende Gesänge hat, auch. Für alle anderen aber ist die Bar der Kammerspiele ein ganz wunderbarer Ort und mit Sicherheit einer der spannendsten im sonst eher schläfrigen Viertel um das Theater.

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"Tam Tam Tanzlokal" heißt die Bar in der Falckenbergstraße korrekterweise, aber "Kammerspiele-Bar" passt eigentlich besser. Denn sie fühlt sich wie die Bar gewordene Fortsetzung dessen an, was Matthias Lilienthal in den Kammerspielen bietet: junge Kunst, experimentelle Musik und irgendwo läuft immer ein als Dragqueen verkleideter Schauspieler herum. Die Kammerspiele sind auch die Besitzer des kleinen Raumes, der ursprünglich nur den Eingangsbereich zur Kammer 2 darstellte. Die Bar ist von der Straße aus fast nicht erkennbar, an einem Stahltor hängen Theaterplakate, dahinter führt eine Treppe ein Stockwerk hinunter.

Der Betreiber ist das Kollektiv "Tam Tam", das in München Zwischennutzungsprojekte macht, künstlerische Installationen und kleine Konzerte veranstaltet. "Wir sehen uns als Mood-Macher", sagt Matthias Stadler, 31, einer von ihnen. Als Stimmungsmacher also im ganz wörtlichen Sinn: In der Kammerspiele-Bar organisiert er Lichtinstallationen, ständig wechselnde Videoprojektionen und die Auftritte von DJs und Bands in dem kleinen Raum mit dem Geländer, an dem Rettungsringe hängen, als wäre man an Bord eines wilden Schiffs.

Die Bar ist also bei jedem Besuch ein wenig anders. Besonders anders ist sie, wenn die Schauspieler der Kammerspiele dort eine Premiere oder einen der monatlichen "Wuzz-Partys" feiern, einen Dragqueen-Karaoke-Abend. Wiebke Puls und Thomas Hauser in farbenprächtigen Kostümen sind Starsänger schriller Popsongs. An anderen Abenden hingegen fühlt sich die Kammerspiele-Bar an wie eine Studentenkneipe: irgendwie improvisiert, wenig Sitzgelegenheiten, ein Bierautomat auf der Toilette, wo das Augustiner zwei Euro kostet. An der Bar selbst gibt es übrigens Giesinger für 2,80 Euro. "Jeder soll hier was zu trinken kriegen", findet Stadler, daher das billigere Bier aus dem Automaten.

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Stadler sagt selbst, dass es im "Tam Tam Tanzlokal" um andere Dinge gehe, als um die Kunst beflissener Mixologen. Auf der Karte stehen außer Bier noch der zwingende Gin Tonic (für sechs Euro), der Plantation-Rum aus Barbados (fünf Euro, auf Eis), sowie "einen rumänischen Birnen- und einen Zwetschgen-Obstler, den wir von den Großeltern meiner Freundin bekommen", sagt Matthias Stadler. "Und wenn die Schauspieler hier feiern, kommt der direkt aus dem Kanister, da bleibt nicht mal mehr Zeit, ihn in Flaschen umzufüllen. Es geht viel zu Bruch, aber fünf Schnapsgläschen haben wir immerhin noch übrig."