Gut bürgerliches Restaurant "Georgenhof" Mehr Schwabing geht nicht

Der Georgenhof ist eines der typischsten Schwabinger Lokale: Hier treffen sich alle, die bereit sind, für den gleichen Inhalt ein wenig mehr zu bezahlen.

Von Lisa Sonnabend

Ein lautes Klingeln durchdringt den Raum. Einige Gäste drehen sich um, ein Angestellter ruft plötzlich laut: "O'zapft is". Wie jeden Abend im Georgenhof zapft auch bei unserem Besuch ein Kellner um Punkt 20 Uhr das Holzfass an. Diese Szene ist typisch für das gut bürgerliche Restaurant in der Schwabinger Georgenstraße. Denn hier geht es immer auch um die Verpackung, den Auftritt, nicht nur um den Inhalt.

Von der alten Pracht hat das Lokal nichts eingebüßt: der Georgenhof.

(Foto: Sara Zinnecker)

Als wir das Lokal gegen 19 Uhr betreten, sind noch einige Tische frei - etliche davon sind allerdings reserviert. Und so landen wir an einem wenig gemütlichen Platz direkt am Eingang. Es zieht arg, wenn ein neuer Gast oder ein Raucher vergisst, die Türe hinter sich zu schließen. Außerdem werden wir mehrmals von einem Kellner gestreift, der, als es immer voller wird, sichtlich gestresst - er schwitzt - von Tisch zu Tisch eilt.

Es geht hektisch zu in dem Lokal, das eigentlich eine urtümliche Gemütlichkeit ausstrahlt wie kaum ein anderes Lokal in München. 2008 wurde der Georgenhof renoviert. Von der alten Pracht hat das Lokal jedoch nichts eingebüßt. Die Decke ist mit Stuck verziert, die Wände sind holzvertäfelt. Auch 2011 hängen noch alte Schwarzweiß-Fotos an der Wand: Zu sehen sind Eisstockschießer im Park, das Siegestor oder eine Gruppe elegant gekleideter Münchner beim Picknicken.

An den Tischen sitzt das typische Schwabinger Publikum: Die Männer tragen ihren Pullover um den Hals gebunden, die Frauen sind akkurat geschminkt, viele haben ihr Kind oder ihren Hund mitgebracht. Und ihnen allen ist noch eines gemein: Sie sind bereit, etwas mehr auszugeben.

Dazu bietet der Georgenhof ihnen die Möglichkeit. Suppen gibt es nicht unter vier Euro, die Gerichte der Standardkarte kosten um die 15 Euro und die von der Tageskarte meist noch ein paar Euro mehr.

Wir entscheiden uns als Vorspeise für die Rinderbrühe mit Griesnockerln (4 Euro). Die Suppe ist so heiß, dass wir bei jedem Bissen kräftig pusten müssen. Geschmacklich ist sie sehr solide, die Nockerln sind weich, aber zerfallen nicht. In der Brühe schwimmen zahlreiche Karottenstreifen. Das passt.

Auch die Hauptgerichte wählen wir typisch bairisch: Das Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln, Salat und Preiselbeeren (15,90 Euro). Auch hier ist alles eher solide als weltbewegend. Ein wenig mehr Pfeffer und Salz hätte dem Fleisch gut getan. Trotz des stolzen Preises sollte man nicht auf die Idee kommen, das Schnitzel zu zweit zu bestellen. Denn eine Person wird durchaus satt, mit einem Fleischstück so groß wie ein Elefantenohr, wie im Steinheil oder Café Mozart, sollte man im Georgenhof jedoch nicht rechnen.

Mein Gegenüber hat sich für eine halbe Ente mit Knödel und Blaukraut entschieden (15,90 Euro). Die Ente sei zart, keineswegs trocken, allerdings die Haut nicht ganz kross. Die Soße geht leider viel zu schnell aus, der riesigen Schüssel mit Blaukraut ist dagegen nicht beizukommen. Auch wieder ein Urteil mit der Tendenz: solide.

Georgenhof, Friedrichsstraße 1, 80801 München, geöffnet täglich von 8 bis 1 Uhr