Game of Thrones Wer früher starb, ist noch lang nicht tot

In der Romanvorlage und der Erfolgsserie "Game of Thrones" kommen die Protagonisten reihenweise ums Leben. TU-Studenten haben nun ein Programm entwickelt, um das Sterberisiko der Figuren zu ermitteln. Manche feiern aber auch eine überraschende Auferstehung

Von Christina Hertel

Ein roter Balken auf einer Website von ein paar Studenten könnte vielen Fans von "Game of Thrones" Hoffnung geben. Denn: Er ist recht klein, elf Prozent zeigt er bloß an. So hoch soll die Wahrscheinlichkeit sein, dass Jon Snow in der nächsten Staffel der Fernsehserie "Game of Thrones stirbt". Dabei hatten ihn seine Kameraden zum Ende der vergangenen Staffel feige niedergestochen. Nicht ganz klar, ob er das überlebt hat. Ist aber auch egal: In der Fantasyserie heißt tot sein nicht unbedingt tot bleiben.

Dass Jon Snow - aller Wahrscheinlichkeit nach - weiterleben wird, haben vier Dozenten und 40 Studierende der TU München herausgefunden. Dafür haben sie nicht im Kaffeesatz gelesen oder in eine Glaskugel geschaut. Sie haben einfach das angewandt, was sie eh können: Informatik und reine Mathematik, wie Guy Yachdav sagt. Er ist Gastdozent für Bioinformatik an der TUM und hatte die Idee für das Projekt. Yachdav lebt in New York und kommt nur alle paar Monate nach München. Aber über sein Lieblingsprojekt will er selbst sprechen und ist deshalb per Skype dabei. Um den Rechner sitzen Christian Dallago und Tatyana Goldberg, sie haben ihn als Mentoren bei der Arbeit mit den Studenten unterstützt. Beide haben Laptops auf den Knien. "Guy ist ein Hardcore-Game of Thrones-Fan", sagt Goldberg. Und zwar nicht nur von der Fernsehserie, sondern auch von der Romanreihe "A Song of Ice and Fire", auf der "Game of Thrones" beruht. "Beim Lesen habe ich mir immer so eine Art Handbuch gewünscht, das die ganzen Informationen aus den Büchern für mich zusammenfasst", sagt er.

Die Überlebenschancen haben TU-Studenten um Christian Dallago,Tatyana Goldberg und Guy Yachdav berechnet.

(Foto: Robert Haas, Helen Sloane/AP)

Tatsächlich muss der Leser - oder der Zuschauer - einiges verarbeiten. In den fünf Büchern kommen 2028 Figuren vor. In jeder Episode spielen im Durchschnitt 33,8 Charaktere mit und rund vier werden neu eingeführt. Diese Statistik haben auch Yachdavs Studenten aufgestellt. Ihr eigentliches Projekt war aber die "Predicition of Death", also die Todesvorhersage für die Figuren. Denn gestorben wird in "Game of Thrones" oft: Nur 43 Prozent der männlichen Charaktere, die von Anfang an dabei waren, existieren laut der TU-Studenten auch noch - bei den Frauen sind es immerhin noch fast 80 Prozent.

Um genau nachzuvollziehen, wie die Todesvorhersage funktioniert, muss man wohl Informatik oder Mathe studieren. Grob formuliert, haben die Studenten Eigenschaften von bereits verstorbenen Game-of-Thrones-Figuren verglichen und analysiert. Anhand dieser Daten, die sie in ein Computerprogramm eingespeist haben, können sie beantworten, wessen Ende wahrscheinlich als nächstes naht.

"Wir verwenden für unsere Vorhersage nur Daten, die es eh schon gibt", sagt Yachdav. Zurückgegriffen hat er dabei auf so genannte Wikis, also Lexika im Internet, über die Romanreihe. Weil Yachdav nur Wikis über die Bücher und nicht über die Serie verwendet hat, und sich beide nicht immer gleichen, kann er streng genommen auch nur Vorhersagen über die Romanfiguren treffen. Doch das stört ihn nicht weiter. Er ist schließlich Fan von der Romanreihe und der TV-Serie.

Das wird seine zahlreichen Fans freuen: Serien-Figur Jon Snow (vorne), hat gute Überlebenschancen.

(Foto: Helen Sloane/AP)

Durch die Analyse der Wikis konnten die Studenten eine Liste von Eigenschaften und Faktoren aufstellen, die für den Tod offenbar von Bedeutung sind. Und manche davon sind wichtiger als andere. Die größte Rolle spielt wohl, ob die Figur im vierten Teil der Romanreihe "A Feast for Crows" vorkommt. Wer dort eine Rolle hat, ist höchstem Risiko ausgesetzt. Insgesamt gibt es eine Liste von 24 Eigenschaften, die auf ein baldiges Ableben der Figuren hindeuten. Wichtig ist zum Beispiel, wie alt die Figur ist, welches Geschlecht sie hat und ob sie verheiratet ist. Männer zwischen 20 und 40 zum Beispiel leben extrem riskant. Dem Tod am nächsten ist dennoch Tommen Baratheon, der regierende König, auch wenn er noch ein Teenager ist. Er hat ein Risiko von 97 Prozent.

Trotzdem werden in der nächsten Staffel, die nach deutscher Zeit am 25. April um drei Uhr morgens startet, nicht bloß Männer von der Bildfläche verschwinden. Sogar Daenerys Targaryen, eine der Hauptfiguren der Reihe, könnte laut den Studenten ihren letzten Auftritt haben. Ihre Wahrscheinlichkeit zu sterben liegt bei 95 Prozent. In etwa Dreiviertel aller Fälle liegen die Studenten nach eigenen Angaben richtig. Ganz zufrieden ist das Team damit nicht. "Eine Wahrscheinlichkeit von hundert Prozent gibt es zwar nie, aber bei uns könnte es schon noch besser sein", meint Goldberg. Deshalb will die Gruppe bald noch mehr Faktoren und Eigenschaften der Figuren miteinbeziehen - zum Beispiel, wie hoch der Redeanteil bislang war.

Zwei Monate arbeitete das Team. Vor einer Woche ging die Website mit den Ergebnissen online (https://got.show), schon jetzt haben sich Tausende ihre Arbeit angesehen. Angst, dass er den Game-of-Thrones-Fans vielleicht zu viel verraten könnte, hat Yachdav nicht. "Es ist ja nur eine Vorhersage. Was wirklich passieren wird, das weiß wohl nur der Autor."