Fußgängerzone Marienplatz Durchfahrt verboten

Der Marienplatz soll für den Verkehr gesperrt werden - für Busse und Taxis ebenso wie für Radler und Rikschas. CSU und SPD wollen so gemeinsam einen Dauerstreit beenden - der durch die Pläne aber neu entfacht wird.

Von Marco Völklein

Mit einer Radikallösung will die schwarz-rote Rathauskoalition den Dauerstreit um die Verkehrsführung am Marienplatz beenden. Die Fraktionen von CSU und SPD haben sich darauf geeinigt, den Fußgängerbereich am Marienplatz deutlich auszudehnen - und im Gegenzug alle anderen Verkehrsteilnehmer, also Taxis, Nahverkehrsbusse, Rad- und Rikschafahrer, von Münchens zentralem Platz zu verbannen. Die Fußgängerzone soll demnach bis zum Alten Rathaus vergrößert werden. "Wir wollen so die Attraktivität des Platzes deutlich erhöhen", sagt CSU-Fraktionschef Hans Podiuk. Und laut Alexander Reissl (SPD) kann so "der Dauerkonflikt zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern am Marienplatz gelöst werden".

In der Tat versuchen die Fachleute der Stadt seit Jahren, eine Lösung für die sogenannte Nord-Süd-Querung der Altstadt und damit auch den Marienplatz zu finden. Insbesondere vor dem Kaufhaus Beck kommen sich immer wieder Fußgänger, Radfahrer, Taxis, Busse, Lieferfahrzeuge, Rikschas und - zumindest in der Dienerstraße - Privat-Pkw in die Quere.

Zwei Varianten

Zuletzt hatte das Planungsreferat zwei Varianten erarbeitet. Dabei wollten die Planer den Großteil der Radler aus Richtung Sendlinger Tor kommend vor dem Rindermarkt ableiten und über Viktualienmarkt und Sparkassenstraße führen. Ein Teil der Radler hätte weiter den Marienplatz queren dürfen, aber mit vermindertem Tempo. Zudem sollten die bestehenden Taxi-Standplätze auf dem Marienplatz und in der Dienerstraße vor dem Dallmayr-Stammhaus verschwinden. Ebenso die wenigen Stellplätze für Privat-Autos.

Kampfzone Marienplatz

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Nun allerdings gehen CSU und SPD mit ihrem Vorschlag ein ganzes Stück weiter. Denn sie wollen nicht nur die Radler vom Marienplatz verbannen, sondern auch Busse und Taxis. Die Rikschas wolle man "zumindest an den Rand drängen", heißt es bei der CSU. "Wir empfinden das als recht praktische Lösung", sagt Podiuk. Zumal die Stadt so auch den beengt stehenden Buden auf dem Weihnachtsmarkt mehr Platz geben könnte. "Damit müssten eigentlich alle zufrieden sein", sagt Podiuk. "Mit der Lösung gibt es nur Gewinner."

Das allerdings sehen nicht alle so: Auf "absolutes Unverständnis" stößt der Vorschlag beim Radfahrerverband ADFC. Die städtischen Planer hätten über Jahre ein Konzept erarbeitet, das nun, kurz vor seiner Verabschiedung, "einfach über den Haufen geworfen wird", sagt ADFC-Sprecherin Traudl Schröder. Die Radfahrer vom Marienplatz auszusperren, werde "ganz und gar nicht der Rolle gerecht, die Radfahrer mittlerweile in der Stadt spielen". Sollte die Stadt die Radler tatsächlich auf die Parallelroute durch die Sparkassenstraße verweisen, müssten aus dieser zumindest die parkenden Autos verbannt werden. "Der Parksuchverkehr, der jetzt dort herrscht, behindert das zügige Durchkommen der Radler", sagt Schröder.

"Noch nicht bis zum letzten Millimeter durchgeplant"

CSU-Mann Podiuk betont zwar, dass der Vorschlag "noch nicht bis zum letzten Millimeter durchgeplant ist", zugleich sichert er aber zu, dass die Stadt aus seiner Sicht gar nicht darum herumkommen werde, in der Sparkassenstraße die Kfz-Parkplätze zu verringern. Dort könnte man "eine Fahrradspur anlegen", sagt Podiuk. Im Gegenzug "wird es für den Parkverkehr enger". Grundsätzlich soll die Sparkassenstraße frei bleiben für den Kfz-Verkehr.

Innenstadt im Wandel

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Ungeklärt ist aber nach wie vor, wie die Radler im Anschluss an die Sparkassenstraße weiter gen Norden geführt werden könnten. Eine Variante der städtischen Planer läuft über Marstallplatz und Hofgartenstraße zum Odeonsplatz; eine andere Variante führt durch die Residenzstraße. Unklar ist allerdings, wie neuerliche Konflikte vermieden werden könnten: In der Maximilianstraße sehen manche das Problem, dass sich die Radler dort mit der Trambahn und den Autofahrern, die zur Opern-Tiefgarage wollen, kabbeln könnten.

Ebenfalls wenig begeistert zeigt sich die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) von der Idee, die Busse vom Marienplatz zu verbannen. "Der öffentliche Nahverkehr gehört ins Herz der Stadt", erklärt ein Sprecher. "Busse und Bahnen müssen dahin fahren, wo die Fahrgäste hin möchten." Der Stopp am Marienplatz sei mit 6500 Fahrgästen pro Tag die wichtigste Haltestelle für den 52er-Bus - und "einer der wichtigsten Umsteigeknoten im Busnetz". Zudem kurvt der 132er von seiner Endhaltestelle am Rindermarkt kommend über den Platz weiter Richtung Isartor. Auch Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher kritisiert die Pläne: Der kurze Umsteigeweg vom Bus zur U-Bahn werde so unnötig verlängert. Laut Podiuk könnten die 52er-Busse künftig am Rindermarkt wenden.

"Kein zentraler, sondern ein durchtrennter Stadtraum"

Klare Zustimmung zu den schwarz-roten Umbauplänen signalisiert indes der Verband "City Partner", ein Zusammenschluss von Händlern und Gastronomen der Innenstadt. Der Vorstoß sei eine "tolle Initiative", sagt Verbandschef Wolfgang Fischer. In seiner heutigen Gestaltung sei der Marienplatz "kein zentraler, sondern ein durchtrennter Stadtraum". Dies könne nun repariert werden, findet Fischer. "Über den Petersplatz in Rom fahren schließlich auch keine Taxis und Busse."

Das stimmt zwar, räumt Frank Kuhle ein, Chef von Taxi München eG. Dennoch sei es wichtig für das Taxigewerbe, "im Zentrum der Stadt sichtbar zu sein". Insbesondere Ortsfremde müssten eine Gelegenheit haben, am zentralen Punkt ein Taxi anzumieten. Sollte die Stadt die Taxler tatsächlich vom Marienplatz verdrängen, müsste sie ihnen einen Ersatzstandplatz "in Sichtweite des Fußgängerbereichs" einräumen, fordert Kuhle. Ähnlich sieht es Rikscha-Anbieter Dominic Staat für seine Zunft: Rikschafahrer seinen "auf den Spontanzustieg angewiesen". Daher bräuchten sie einen Stellplatz auf dem Marienplatz.

Kuhle will, dass die Taxler am südlichen Ende der Dienerstraße, gegenüber vom Kaufhaus Ludwig Beck, einen Ersatzstandplatz bekommen. Doch das sieht Podiuk nicht: Seiner Meinung nach sollte in der Dienerstraße auf Höhe der Landschaftsstraße eine Art Wendehammer für Pkws eingerichtet werden. "Dort könnten auch Taxis stehen", sagt Podiuk. Also dort, wo jetzt bereits ein Standplatz besteht. Für Kuhle inakzeptabel: "Wir müssen in Sichtlinie zur Fußgängerzone stehen, damit uns die Touristen sehen."