Puchheim/Eichenau Preisgekrönte Gedanken zum Frieden

Jonathan Onwudinjo besucht die siebte Klasse des Puchheimer Gymnasiums und interessiert sich für politische und gesellschaftliche Themen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der zwölf Jahre alte Jonathan Onwudinjo belegt beim weltweiten Essay-Wettbewerb der Rotarier den zweiten Platz

Von Stefan Salger, Puchheim/Eichenau

So richtig Fahrt nimmt die Sache auf, als Jonathan Onwudinjo aus Eichenau diesen auf eine Schulbank gekritzelten Spruch liest: "Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht besiegt, wird die Welt den Frieden kennen lernen." Der Satz stammt von dem 1970 verstorbenen Gitarristen, Sänger und Komponisten Jimi Hendrix. Der Siebtklässler des Puchheimer Gymnasiums ist im Oktober gerade dabei, einen Essay zu verfassen zum Thema "World Understanding and Peace". Und weil ihm der Spruch des berühmten US-Musikers aus der Seele spricht, stellt er ihn seinem Aufsatz als Präambel voran. Das Ende vom Lied: Jonathan hat den vom Verbund der Rotary-Klubs ausgeschriebenen Wettbewerb "Rotary Global Essay Competition" (Rogec) für die Region Europa und zentrales Asien gewonnen - in der weltumspannenden Wertung landet er auf Platz zwei.

Peter Mareis, der stellvertretende Schulleiter des Puchheimer Gymnasiums, freut sich ganz besonders über diesen herausragenden Erfolg. Mareis war Jonathans Deutschlehrer in der fünften und sechsten Klasse. Ihm war dieses "absolute Ausnahmetalent" aufgefallen. Jonathan liest sehr viel - im Regal stehen viele Werke aus der Jungen Bibliothek der SZ, gerade erst hat er den Science-Fiction-Roman Artemis Fowl von Eoin Colfer ausgelesen. Aber auch in allen anderen Fächern ist der Zwölfjährige überaus erfolgreich - von Englisch über Mathe bis hin zu Sport.

Mareis hatte nach Möglichkeiten gesucht, den wortgewandten und meinungsstarken Schüler zu fördern und war dabei auf den in sechs "Weltregionen" ausgetragenen Rogec-Wettbewerb gestoßen. Dort gibt es die Altersgruppen bis 18 Jahre, bis 30 Jahre und über 30 Jahre. Jonathan setzte sich in der U-18-Klasse gegen mehrere Tausend, meist deutlich ältere Mitbewerber durch. In seinem Essay, der in Etappen innerhalb einer Woche entstand, wirbt der Eichenauer für ein Recht aller Menschen auf Schutz und Sicherheit und streicht gleichzeitig die Vorteile für die Gesellschaft heraus, die Menschen in Not Zuflucht gewährt. Die Arbeit der ehrenamtlichen Asylhelfer nennt Jonathan als Beispiel für die von Hendrix angesprochene "Macht der Liebe". Seine Mutter Ute, die seinen Aufsatz ins Englische übersetzt hatte, engagiert sich selbst in einem solchen Asylhelferkreis. Jonathan Onwudinjo weiß also, wovon er spricht und schreibt. Sein siebenseitiger Aufsatz spannt den Bogen von der ehrenamtlichen Arbeit zu Hendrix" Motto: "Genau so handeln die Flüchtlingshelfer. Sie helfen Menschen aus Liebe und nicht, um materiellen Gewinn oder Macht daraus zu ziehen. Dadurch entsteht Frieden." Bereits im Februar wurde Jonathan über sein erfolgreiches Abschneiden informiert. Die Preise nebst Urkunde, die auf dem Seeweg von Indien nach Deutschland unterwegs waren, strandeten zunächst beim Zoll und trafen deshalb erst jetzt ein.

Ob sich Jonathan eine Zukunft als Autor vorstellen kann? Der Siebtklässler überlegt kurz. "Darüber habe ich schon mal nachgedacht", sagt er dann. Aber für eine Entscheidung sei es natürlich noch zu früh. Momentan könne er sich eher vorstellen, Rechtsanwalt zu werden. Um noch mehr Mitschüler für die deutsche Sprache zu begeistern, würde er sich manchmal einen weniger theorielastigen Unterricht wünschen, mit mehr lebhaften Diskussionen - gerne auch über politische und gesellschaftliche Themen.

Der Essay ist im Wortlaut unter http://www.gymnasium-puchheim.de abrufbar.