Kottgeisering Gute Aussichten

Spaziergänger am Rande des Ampermooses bei Kottgeisering.

(Foto: Johannes Simon)

Der Vogelturm am Rande des Ampermooses zieht viele Naturbeobachter an und verhilft Schülern zu einem besseren Verständnis der Ökologie

Von Manfred Amann, Kottgeisering

Seit der Naturbeobachtungsturm am Nordrand des Ampermooses südlich der Kreuzackersiedlung in Kottgeisering im Juni frei gegeben wurde, drängeln sich auf der Aussichtsplattform förmlich die Besucher. Der kleine Parkplatz ist manchmal zugeparkt, daneben steht oft Fahrrad an Fahrrad und der kurze Weg zum Turm gleicht zuweilen einem gut besuchten Wanderweg. Vom Vogelturm aus, der wegen seiner vogelkopfähnlichen Bauform so genannt wird, haben Besucher einen herrlichen Blick über das bedeutende Feuchtgebiet Ampermoos Richtung Ammersee, hinter dem sich manchmal zum Greifen nah die Alpenkette als imposante Kulisse aufbaut.

Gefördert durch das Leader-Projekt

"Für die meisten Besucher sind die prächtigen Landschaftsbilder allerdings nur ein gerne angenommenes Beiprogramm", weiß Max-Joseph Kronenbitter, der als Sprecher der Leader-Aktionsgruppe in Kottgeisering wesentlich dazu beitrug, dass der von der Europäischen Union über das Leader-Programm geförderte Turm überhaupt errichtet wurde. Viele Besucher seien "höchst interessiert an der Vogelwelt", die in dem international bedeutsamen Brut- und Mausergebiet ihren Lebensraum hat und an dem facettenreichen Biotop selbst, das für zahlreiche Vogelarten ein wichtiges Durchzugs- und Überwinterungsgebiet darstellt.

Wenn es dem Kiebitz zu feucht wird

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Häufig sind laut Kronenbitter Ornithologen und andere Naturkundler anzutreffen, die auf der Fahrt in den Urlaub einen Abstecher machen und mit leistungsfähigen Ferngläsern Ausschau halten nach dem großen Brachvogel, nach Rohr- und Zwergdommeln, nach Blesshühnern, Schlagschwirln aus der Grasmückenfamilie, Kiebitzen, Grau-und Kanadagänsen sowie nach Reiherarten und deren Verhalten studieren wollen. Aber auch Kleintiere wie Feldhase und Fuchs werden beobachtet, und manche Besucher sind auch an der Moorflora interessiert. Im Sommer wurde der Turm überdies für eine mehrere Wochen dauernde Zählung von Kornweihen genutzt. Das 525 Hektar große Niedermoor beherbergt demnach mittlerweile auch diese Greifvögel.

Großer Artenreichtum

Für 18 Schulklassen war der Vogelturm bereits ein lehrreiches Ausflugsziel, und für die Wintermonate haben sich weitere Schulklassen angemeldet, die vom Vogelschutzbund fachlich betreut werden. Nachdem der Vogelturm mittlerweile in das Projekt Ammerseepfad als Besucherschwerpunkt integriert worden ist, sind neben dem Weg Informationstafeln aufgestellt, auf denen die Entstehungsgeschichte des "Naturjuwels" Ampermoos ebenso verständlich und reich bebildert erläutert wird wie der Artenreichtum in Fauna und Flora. Eine Tafel weist auf den Vogelturm hin und gibt Auskunft über das Leader-Programm, das von 16 Gemeinden rund um Ammersee und Ampermoos entwickelt wird, um die Region kulturell, touristisch, sozial und ökologisch sowie wirtschaftlich voranbringen soll.

Eine "Bereicherung" ist laut Kronenbitter das "Riesenschilfrohr", das Realschülerinnen der Liebfrauenschule in Dießen am Ammersee im Kunstunterricht entworfen und dann am Weg zum Turm errichtet haben. Das Schilf, das ein Metallgerüst ummantelt, eine Art Röhre bildet und so ein Schilfrohr von Innen darstellt, stammt aus dem Ampermoos. Und die "Geocacher" haben für GPS-Schnitzeljagden in der Nähe des Turmes mittlerweile ein Versteck (Cache) angelegt, das immer wieder gesucht und gefunden wird. "Angesichts der ersten Erfahrungen sind nun noch Verbesserungen geplant", sagt Kronenbitter. Eine Sitzmöglichkeit soll geschaffen werden und ein kleines Podest, damit auch kleine Naturfreunde ohne Anstrengung über die Brüstung schauen können, und es wurde angeregt, das Alpenpanorama mit Bergspitzen auf Tafeln "zur Orientierung" abzubilden.