Flughafen München Thailand kauft Prinzen-Boeing frei

Am Ende war von einer Staatsaffäre die Rede: Der Streit um die gepfändete Boeing des thailändischen Kronprinzen sorgte für Verwicklungen zwischen beiden Staaten. Nun lenkt Thailand ein - und begleicht mehr als die 20 Millionen Euro Sicherheitsleistung für die Maschine.

Die in München gepfändete Boeing 737 des thailändischen Kronprinzen Maha Vajiralongkorn ist nach dpa-Informationen frei. "Heute um 13.30 Uhr ist das Flugzeug durch den zuständigen Gerichtsvollzieher freigegeben worden", sagte Edgar Engert vom Münchner Flughafen. Bis zum Nachmittag habe das Flugzeug aber noch am Flughafen gestanden.

Die thailändische Regierung soll eine Leistung erbracht haben, aufgrund derer die Maschine freigegeben werden konnte, hieß es aus informierten Kreisen. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Werner Schneider bestätigte am Dienstag, dass die Maschine für den Prinzen wieder verfügbar sei, machte aber keine näheren Angaben.

Bereits Anfang August hatte der thailändische Staat signalisiert, dem Kronprinzen in diesem Fall zur Seite zu stehen. Hintergrund der Pfändung am 12. Juni war eine Forderung des inzwischen insolventen Baukonzerns Walter Bau gegen den thailändischen Staat in Höhe von etwa 38 Millionen Euro für den Bau einer Autobahn zwischen dem Flughafen Bangkok und der Innenstadt in den 1980er Jahren. Ein Schiedsgericht hatte der Firma im Jahr 2009 30 Millionen Euro zugesprochen, hinzu kommen nach Angaben des Insolvenzverwalters Werner Schneider Zinsen. Da die Thailänder nicht zahlten, ließ Schneider das Prinzen-Flugzeug pfänden - als "Ultima Ratio", wie er sagt.

In einer Eilentscheidung hatte die 4. Zivilkammer des Landgerichts Landshut am 20. Juli die gepfändete Maschine aus dem Baujahr 1995 gegen eine Sicherheitsleistung von 20 Millionen Euro freigegeben. Doch wer die Summe zahlen sollte, war zunächst unklar: der Prinz oder der Staat?

Jetzt zahlt der Staat. Dem Vernehmen nach will Thailand nun nicht nur diese Sicherheitsleistung hinterlegen. Vielmehr geht es offensichtlich um die Begleichung der gesamten Schuld von 30 Millionen Euro, die sich laut Insolvenzverwalter mit Zinsen und Gebühren inzwischen auf etwa 38 Millionen Euro beläuft. Beim Landgericht Landshut waren keine Einzelheiten zu erfahren. "Beide Parteien sind im Gespräch", sagte der Vizepräsident des Gerichts, Christoph Fellner, lediglich.

Zwischenzeitlich war die Rede davon, dass der Prinz selbst die Sicherheit in Höhe von 20 Millionen Euro hinterlegt, um die gepfändete Boeing 737 der Royal Thai Air Force abzulösen. Damals hieß es zur Begründung: Er wolle nicht, dass der Konflikt die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand weiter belaste.

Denn die Debatte um das Flugzeug hatte zu einem heftigen Streit zwischen Deutschland und Thailand geführt. Von einer Staatsaffäre war die Rede. Die Thailänder wehrten sich gegen die Pfändung mit der Begründung, die Boeing gehöre gar nicht dem Staat, sondern dem royalen Hobbypiloten persönlich. Die Pfändung sei damit unzulässig.

Der Außenminister des asiatischen Landes ließ sich sogar einen Termin bei Außenstaatssekretärin Cornelia Pieper (FDP) geben und drängte auf eine rasche Freigabe des Fliegers. Und Schneider wurde auf die Liste der in Thailand unerwünschten Personen gesetzt und darf das Land nun nicht mehr betreten.

Doch damit nicht genug. Auch der ehemalige Premierminister Abhisit Vejjajiva hatte sich in der Causa zu Wort gemeldet. Die Bundesregierung möge sich mit Äußerungen in dem Fall zurückhalten, zitierte ihn die Bangkok Post.

Doch selbst wenn Thailand nun für die gesamten 38 Millionen Euro aufkommt. Eine kleine Rechnung wird vermutlich noch obendrauf kommen - und zwar vom Münchner Flughafen. Denn hier stand die Maschine während der vergangenen Wochen. Insgesamt dürfte es sich um eine Summe von knapp 6000 Euro handeln. Laut Gebührenordnung, die sich nach dem Gewicht des Flugzeugs bemisst, werden pro Tag und Tonne 2,70 Euro alleine für das Abstellen der Maschine fällig. Im Falle der Thai-Boeing summiert sich das auf eine tägliche Parkplatzrechnung von etwa 200 Euro.