Freimann Verkehr im Fokus

Wenn in der Fröttmaninger Arena Fußball gespielt wird, werden die angrenzenden Wohnviertel zugeparkt. In der Bürgerversammlung wurde angekündigt, dass sich die Stadt dafür eine Lösung überlegt.

(Foto: Johannes Simon)

Bei der Bürgerversammlung äußern die Freimanner ihre Sorge, dass ihr Viertel den enormen Zuzug kaum verkraften kann

Von Julian Raff, Freimann

Mit allein 20 000 Neubürgern im Baugebiet Bayernkaserne und weiteren Großprojekten dürfte sich die Einwohnerzahl im nördlichen Teil des Stadtbezirks 12 in ein paar Jahren glatt verdoppeln, prophezeite der BA-Vorsitzende Werner Lederer-Piloty (SPD) in der Bürgerversammlung vor knapp 150 Zuhörern. Selbst wenn es nicht ganz so schnell geht, bleibt das Wachstum dramatisch und beunruhigt die Freimanner vor allem wegen des auf Straße und Schiene drohenden Verkehrsinfarkts. Anträge auf mehr Schub beim S-Bahn-Nordring, auf ein generelles (und laut Verwaltung ohnehin fast fertiges) Verkehrskonzept für den Münchner Norden und auf weitere Taktverdichtungen verabschiedete die Versammlung fast durchweg einstimmig.

Große Mehrheiten wissen auch jene Freimanner hinter sich, die punktuelle Verbesserungen forderten, etwa eine bessere Fußgängerquerung beim BR-Campus an der Kreuzung Sondermeier-/Floriansmühlstraße oder eine Haltebucht für den 178er Bus an der Heidemann-/Maria-Probst-Straße. Auf baldige Entlastung hoffen können dabei die Bewohner der Freimanner Heide und des Kieferngartens. Ihnen hatte OB Dieter Reiter auf einer Bürgersprechstunde vor gut einem halben Jahr für die Spieltage in der Allianz-Arena ein Parkraummanagement nach "Kölner Modell" versprochen. Dabei werden die Wohnstraßen mit mobilen Schranken für den hereinflutenden Parksuchverkehr gesperrt, die Anwohner erhalten Ausweise für die ungehinderte Durchfahrt. Wie Lederer-Piloty just am Versammlungstag erfuhr, hat das KVR ein Konzept ausgearbeitet, das am 27. Juni mit allen Beteiligten erörtert werden soll.

Optimismus verbreiten konnte auch Christoph Bornstein vom Planungsreferat: Mit der Absichtserklärung des Rathausbündnisses vom Januar sei schon mal der erste Schritt zur geforderten U-Bahn-Tangente (U 26) zwischen Am Hart (U 2) und Kieferngarten (U 6) getan. Während der langen Planungs- und Bauphase kann sich Bornstein den Einsatz von Expressbussen vorstellen.

Auch wenn es selbst in der größten Variante kaum mehr als ein Zehntel von der Größenordnung der Bayernkaserne erreicht, wird das Neubaugebiet an der Freisinger Landstraße kontrovers diskutiert. Mit 45 zu 42 Stimmen ging der Antrag durch, die Ende 2017 beschlossene Erweiterung auf den Golf-Übungsplatz des TS Jahn zu beschränken und den östlich des Garchinger Mühlbachs gelegenen Abschnitt als Grün- und Erholungsfläche zu erhalten. Zwei weitere Anträge forderten außerdem, die Stadt solle den TS-Jahn darauf festnageln, die aus dem Verkaufserlös der Golfwiese finanzierte Dreifachsporthalle in Freimann zu bauen, statt bei der Bogenhausener Vereinszentrale, wie neuerdings geplant. Die vereinsinterne Diskussion sei mit einem 75-prozentigen Mitgliederbeschluss beendet worden und gehöre nicht in die Bürgerversammlung, hielt Lederer-Piloty den Antragstellern entgegen. Dabei nutzte er, zu deren Unmut, sein Sonder-Rederecht nach Abschluss der Bürgerdiskussion. Als Fürsprecher der großen Lösung hielt der BA-Chef außerdem den Gegnern der östlichen Erweiterung vor, das Ambiente der Grünflächen arg zu "verklären". Da ließe sich später auch im Baugebiet Ersatz schaffen. Wie eng im Stadtbezirk 12 Kultur, Wohnen und Soziales zusammenhängen können, daran erinnerte der in den Domagkateliers tätige Bildhauer Nico Kiese seine Mitbürger. Am Beispiel einer vielfach ausgezeichneten Künstlerkollegin und alleinerziehenden Mutter, deren Vertrag nach einem Juryentscheid nicht verlängert wurde, machte er die soziale Dimension der Belegungspraxis in den Ateliers deutlich und forderte die Stadt auf, diese künftig stärker zu berücksichtigen. Die Unterstützung der Freimanner bekam er dafür schon.