Freimann Ein Reich für Rösser

Der Showpalast für die Pferde-Revue in Freimann soll im Herbst eröffnen. Die Geschäftsführung mag dabei einen juristischen Streit unter den Gesellschaftern nicht als Problem sehen. Es geht darum, wer die Marke "Apassionata" nutzen darf

Von Stefan Mühleisen, Freimann

Mit dem Schlusssatz hat Nikolaus Job die Lacher auf seiner Seite und damit wohl auch die Sympathie des Gremiums gewonnen. "Wir werden viel Mist produzieren", kündigt Job, Geschäftsführer der Apassionata World GmbH, den Mitgliedern des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann an. Wer kein großer Pferde-Fan ist, der mag dem künftigen Show-Spektakel nach Las-Vegas-Manier in Fröttmaning wenig abgewinnen, es für Schnickschnack halten. Doch gemeint ist hier der echte, stinkende Mist: Pferde-Exkremente, täglich ein Container voll.

Nikolaus Job ist zu der Sitzung der Lokalpolitiker gekommen, um den Stand des Mammutprojekts zu präsentieren - und offenbar auch, um für wohlwollende politische Begleitung zu werben. Es geht um eine feste Spielstätte für die Pferde-Gala Apassionata, die seit 14 Jahren durch Europas Städte tourt. 55 Millionen Euro steckt ein chinesischer Kapitalgeber in das Projekt, die Hongkun International Holdings Limited, Teil der Hongkun-Gruppe, die zu den größten Immobilienfirmen Chinas zählt. Gemäß den Entwürfen soll auf 5,4 Hektar Fläche südlich der Allianz-Arena eine Art Disneyland für Pferde-Begeisterte entstehen: Um den zentralen Show-Palast für 1700 Gäste gruppieren sich Pavillons zu einem Pferde-Themenpark: Die Besucher können den Darstellern und ihren Rössern in einer Reithalle beim Training, einem Schmied bei der Arbeit zusehen. Dazu sind ein Kino, ein Streichelzoo, ein Abenteuerspielplatz und eine Longierhalle vorgesehen. Gut 110 Pferde sollen sich auf der Anlage tummeln, dazu 250 Mitarbeiter. Präsentieren wird sich die Anlage mit eigenwilliger Architektur, gestaltet vom Berliner Büro Graft: Die Gebäude sind mit verplankten Holzlamellen eingefasst, der Silhouette von Pferden nachempfunden.

Die sinngemäßen Botschaft von Job für die Schwabinger Lokalpolitiker: Es läuft alles nach Plan, keine Sorge. Anlass dazu hatte es vor Weihnachten gegeben, als der Eröffnungstermin verschoben wurde. Als Grund wurde die brandneue und überaus komplizierte Technik für die Show angegeben. Nikolaus Job zufolge soll der Show-Plast im Herbst, der Themenpark dann im Frühjahr 2018 eröffnen. Und neben viel Mist will das Unternehmen reichlich Gewinne produzieren, wie Apassionata-Emissär Job durchblicken lässt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es kein Erfolg wird", sagt er und berichtet: Hongkun sei in Peking dabei, auf 35 Hektar einen gut sechs Mal größeren Apassionata-Park zu entwickeln. "München ist nur das Vorprojekt."

Allerdings ist noch nicht geklärt, ob Hongkun und die Apassionata World GmbH ihre Pferdeparks und auch die laufende Tour unter dem Namen "Apassionata" führen dürfen. Seit Monaten läuft zu dieser Frage ein juristischer Streit unter den Gesellschaftern. Die Apassionata World GmbH ist nach einer Kapitaleinlage in Millionenhöhe zu 98,76 Prozent eine Tochterfirma der Hongkun aus Hongkong. Der Gründer von Apassionata, Peter Massine, wirft Hongkun eine "feindliche Übernahme" vor, fühlt sich ausgebootet. Er hält 1,24 Prozent Firmenanteil und ist auf dem Standpunkt, die Markenrechte im Wert von 40 Millionen Euro mit dem Einstieg von Hongkun nicht abgetreten zu haben. "Die wollen mich um mein Lebenswerk bringen", klagt er am Telefon und fügt hinzu: "Dagegen wehre ich mich."

Konkret heißt das: Massine hat mehrere Verfahren gegen Apassionata World auf "ungerechtfertigte Markennutzung" angestrengt. Geschäftsführer Job sieht auch hier keinen Grund zur Sorge. "Ich sehe keinerlei Gefahr für das Projekt und keinerlei Risiken durch den Gesellschafterstreit", sagt er im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Und er widerspricht der Auffassung Massines. "Herr Massine war alleiniger Entscheider, Alleingeschäftsführer und Alleingesellschafter. Er hat alle Verträge, auch zum Markenrecht, unterschrieben." Laut Job sind zwölf Gerichtsverfahren in Düsseldorf, Berlin sowie in Malta anhängig, dem Sitz einer von Massines Firmen, der Da Vinci Publishing. Zuletzt wies das Landgericht Düsseldorf eine Klage Massines auf einstweilige Verfügung ab. Wie ein Gerichtssprecher bestätigt, geht Da Vinci Publishing in Berufung.

"Es ist ein Gesellschafterstreit, der auf Wettbewerbs- und auf Markenrechtsebene ausgetragen wird", sagt die Sprecherin vom Landgericht Düsseldorf. Viel Mist, dürfte sich der zuständige Richter gedacht haben, als er im Urteil schrieb: Das "Vertrags- und Gesellschaftsgeflecht der Parteien und ihrer Gesellschafter" sei "nicht ausreichend durchschaubar".