Flüchtlingsprotest in München Zwei Welten prallen aufeinander

Auch wenn das Camp der Hungerstreikenden in München geräumt wurde, bleibt das Grundproblem weiter bestehen. Politiker, Polizisten und Bürger dieses reichen Landes haben immer noch keine Regeln für den Umgang mit Menschen gefunden, die in ihrer Not bereit sind, alle Grenzen zu überschreiten.

Ein Kommentar von Matthias Drobinski

Was auf Münchens Rindermarkt geschah, ist so furchtbar wie unausweichlich. Es ist furchtbar, wenn Menschen sich verzweifelt an den Rand des Todes hungern; furchtbar ist auch, dass die staatliche Gewalt zu dieser Verzweiflung beiträgt, indem sie Flüchtlinge zur Abschreckung menschenunwürdig behandelt. Die Forderung der Hungerstreikenden aber, einfach von sofort an und auf Dauer bleiben zu können, war unerfüllbar - und sollte es zynischerweise wohl auch sein. Man kann die Stadt verstehen, die das Camp der Flüchtlinge räumen ließ, um Menschenleben zu retten.

Zwei Welten und Wirklichkeiten sind sich da begegnet: Menschen aus Afghanistan oder Sierra Leone auf der Suche nach dem besseren Leben, mit Not und Todesangst im Nacken - und Politiker, Polizisten, Bürger aus einem reichen Land, das um seinen Wohlstand fürchtet und mit Sorge auf die steigende Zahl der Flüchtlinge schaut. Die Armen gehen über alle Grenzen hinaus, sie haben nichts zu verlieren. Den Reichen erscheinen sie als Bedrohung, der mit aller Härte zu begegnen ist.

So ist der Hungerstreik am Rindermarkt ein Ausblick auf die Globalisierung: Ein kleiner Teil des großen Trecks der Flüchtlinge schafft es, wie auch immer, ins reiche Herz Europas. Das benötigt Regeln zum Umgang mit ihnen; humane Regeln. Sonst droht der Krieg der Ersten gegen die Dritte Welt auf die Marktplätze Europas getragen zu werden.