Flüchtlinge Trinken für Asylbewerber

Der neue Szene-Trend: Trinken für Asylbewerber? Warum nicht, sagen David Stephan und Martin Eggert über ihr Projekt Refugin.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eine Kreativagentur verkauft Gin, der Flüchtlingen zugute kommt.

Von Franz Kotteder

Nur, damit mal klar ist, wie das bei Kreativen so läuft: "Refugees? Gin? Refugin!" Ungefähr so simpel sei die Assoziationskette bei ihm abgelaufen, erzählt Martin Eggert, als er sich morgens beim Joggen darüber Gedanken machte, was seine Agentur und er eigentlich zur Flüchtlingshilfe beitragen könnten.

Und weil die einfachen Gedanken oft die besten sind, setzte er ihn zusammen mit seinem Agenturpartner David Stephan gleich in die Tat um. Seit einer guten Woche ist der Refugin nun erhältlich, bei der Foodmesse Eat & Style am vergangenen Wochenende im Zenith war er gleich ein großer Erfolg bei dem vorwiegend jungen Szene-Publikum, an die 100 Flaschen wurden verkauft.

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Ein halber Liter Gin hilft der Münchner Schlau-Schule

Wie Idee und Name schon nahelegen, handelt es sich beim Refugin um eine Halbliterflasche Gin, hergestellt von der Destillerie Dwersteg aus Steinfurt in Nordrhein-Westfalen, einem mehr als 130 Jahre alten Familienbetrieb. Man kann ihn über die Internetseite www.refugin.com bestellen, er kostet 39,90 Euro, in der ersten Auflage gibt es genau 1200 Flaschen davon.

Je nachdem, wie eine Sache ankommt, will man nachlegen, und nach den ersten Tagen sagt Martin Eggert: "Es läuft super. Ich könnte wahrscheinlich die nächsten Jahre ausschließlich Non-Profit-Gin verkaufen." Der Gewinn von "mehr als zehn Euro" pro Flasche geht an die Münchner Schlau-Schule, es gibt keinerlei Rabatte für Gastronomen oder irgendwelche anderen Geldabflüsse - außer der unvermeidlichen Steuer. Die Schlau-Schule fördert seit Anfang 2000 jährlich rund 300 junge Flüchtlinge und hilft ihnen dabei mit gezielten Kursen und individuellen Programmen, einen Schulabschluss zu machen. Damit, sagt die Schlau-Schule, beginnt Integration.

Auch der Refugin ist ein Anfang für Eggert und Stephan. Denn es ist das erste Projekt ihrer gemeinnützigen GmbH Good New Days, an der außerdem noch die befreundete Designagentur Hirschfänger zu einem Fünftel beteiligt ist. Ziel ist es, Organisationen der Flüchtlingshilfe zu unterstützen - mit den Mitteln der Branchen, in der sich die beiden Agenturen am besten auskennen.

Wer hinter den Initiatoren steckt

David + Martin, so nennt sich die Firma von Eggert und Stephan, ist viel im kulinarischen Bereich für Firmen tätig, gestaltet auch Food-Blogs und hat unter anderem die Rabattaktion "Taste Twelve" erfunden. Auch sonst haben sie gute Verbindungen zur Gastro-Szene, und das, finden sie, soll sich eben auch positiv für die Gesellschaft auswirken.

Der neue Szene-Trend: Trinken für Asylbewerber? Warum nicht, sagen die beiden. "Viele bewegt die derzeitige Situation ja", sagt Eggert, "aber oft weiß man nicht, wie man helfen kann und soll." Und warum dann nicht mal durch ein Lifestyle-Produkt? "Das ist eben das Business, das wir verstehen", sagt Eggert, "hier kennen wir auch die Leute und wissen, was die draufhaben."

Nur so sei es gelungen, innerhalb von nur acht Wochen die Aktion auf die Beine zu stellen. Vom Logo bis zur Logistik hätten alle umsonst gearbeitet, von diesem Freitag an kann nun die Auslieferung beginnen. Ein bisschen stolz sind Martin Eggert und David Stephan darauf natürlich schon: "Mit dem, was man besonders gut kann, kann man besonders Gutes tun."

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