Film über das Oktoberfest-Attentat Schreckensbilder, die zweifeln lassen

13 Menschen starben, 211 wurden verletzt: Der Schrecken des Wiesn-Attentats von 1980 wird in einem neuen Film wieder lebendig. "Der blinde Fleck" ist nun in München präsentiert worden - und liefert eindrucksvolle Denkanstöße.

Von Beate Wild

Eigentlich sind es Bilder, die man schon tausendmal gesehen hat: der Oktoberfestumzug, der Oberbürgermeister beim Anzapfen, feiernde Menschen in den Bierzelten. Doch der Zuschauer weiß, was jetzt gleich passiert. Es sind Bilder aus dem Jahr 1980. Aufgenommen, kurz bevor es passierte. Kurz vor einer der größten Tragödien, die der Freistaat Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat.

Es reichen diese Original-Szenen, mit denen der Spielfilm "Der blinde Fleck" beginnt, und sofort sind die Erinnerungen an das Attentat auf dem Münchner Oktoberfest wieder wach. Die Angst vor dem Terror, die Bilder der vielen Opfer. Am Dienstagabend ist im Bayerischen Landtag der gerade fertiggestellte Film präsentiert worden. 300 Gäste sind gekommen, um sich im ehrwürdigen Senatssaal das Werk von Regisseur Daniel Harrich anzuschauen.

Kein Tag wäre für diese Vorführung geeigneter gewesen als dieser Dienstag. Am Nachmittag hatte noch der NSU-Untersuchungsausschuss im Landtag getagt. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat dort ausgesagt, genauso wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU).

Am Abend im Kino geht es dann um das Wiesn-Attentat, bei dem 1980 13 Menschen starben und 211 weitere verletzt wurden. Der damals 21-jährige Student Gundolf Köhler wurde als Einzeltäter ausgemacht. Doch bis heute gibt es Zweifel an dieser Theorie. Der Verdacht, eine rechtsradikale Vereinigung wie die Wehrsportgruppe Hoffmann könnte hinter dem Attentat stecken, hält sich bis heute. Und da ist sie schon, die Parallele zur NSU-Mordserie. Auch hier verfolgte man erst jahrelang andere Spuren, bis im November 2011 die Wahrheit über die rechte Terrorzelle ans Licht kam.

Protagonist in "Der blinde Fleck" ist der Journalist Ulrich Chaussy, Reporter des Bayerischen Rundfunks (BR). Er ist in der Geschichte um die vermutete Verschleierung der wahren Hintergründe eine zentrale Figur, denn er beschäftigt sich seit fast 30 Jahren immer wieder mit diesem Thema. Ein hartnäckiger Reporter, der nie locker gelassen hat, der alles daran setzt, einen der schwersten Terroranschläge in der deutschen Nachkriegsgeschichte aufzuklären. Im Film wird Chaussy überzeugend gespielt von Benno Fürmann.

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Chaussys Gegenspieler ist der Chef des Staatsschutzes, Dr. Hans Langemann (diabolisch dargestellt von Heiner Lauterbach), der mit allen Mitteln versucht, die Wahrheit zu vertuschen. Auch, um den damaligen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß im Wahlkampf zu schützen. Weitere bekannte Gesichter tauchen in dem Film auf. Nicolette Krebitz ist Lise, die Ehefrau von Chaussy. August Zirner ist Meier, ein Beamter des Staatsschutzes, der Chaussy geheime Unterlagen zukommen lässt. Jörg Hartmann ist in der Rolle des engagierten Opferanwalts Werner Dietrich zu sehen. Und sogar die beiden Münchner Tatort-Kommissare wirken mit, allerdings nicht in gewohnten Rollen: Miroslav Nemec gibt Generalbundesanwalt Kurt Rebmann, Udo Wachtveitl den schmierigen und korrupten Boulevardjournalisten Werner Winter.