Feldmoching Ein Mann, ein Haus

Zukunft ungewiss: Dem Haus Raheinstraße 3 droht die Abrissbirne.

(Foto: Robert Haas)

Reinhard Sachsinger kämpft gegen den geplanten Abriss eines 100 Jahre alten Gebäudes in Feldmoching

Von Simon Schramm, Feldmoching

Das Gebäude an der Raheinstraße 3 ist etwa 100 Jahre alt und stammt, so weiß es Reinhard Sachsinger, aus einer Zeit, als Feldmoching noch ein kleines Dorf war. Sachsinger hat schon als Bub mitbekommen, wie in das Haus Bahnbedienstete einzogen. Für etwas Besonderes hält er es auch, weil es dem früheren Wohngebäude und heute als Museum genutzten Murnauer Anwesen von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky ähnelt. Aber seit nunmehr drei Jahren ist die Zukunft des Hauses an der Raheinstraße ungewiss.

Seinerzeit hatte das Wohnungsbauunternehmen CA Immo angekündigt, entlang der Bahnstrecke eine neue Siedlung entstehen zu lassen - dort, wo auch eben jenes Haus steht, das die Immo der Bahn abgekauft hatte. Das Unternehmen möchte das Gebäude abreißen - und Reinhard Sachsinger, der sich im Verein "Rettet den Münchner Norden" engagiert, setzt sich seitdem dafür ein, dass das nicht geschieht. Er will, dass sich eine neue Nutzung für das Gebäude findet, bisher hat sich dazu aber niemand bereit erklärt.

In den Diskussionen über die neue Siedlung war die Zukunft des historischen Gebäudes eher zur Randnotiz geworden; die CA Immo plant entlang der Ratold- und Raheinstraße eine Wohnsiedlung mit etwa 900 Wohnungen - mehr Gesprächsbedarf gab es etwa in der Frage, wie die Infrastruktur des Viertels mit dem Wachstum mithalten soll. Auch wenn es noch etwas dauert, bis der Bebauungsplan der Siedlung steht: In den kommenden Monaten könnte sich endgültig entscheiden, ob das Gebäude abgerissen wird oder stehen bleibt. Vor Kurzem hat die CA Immo Reinhard Sachsinger signalisiert, dass sie nicht mehr lange warten wird und eine Entscheidung braucht. "Es wäre schade, wenn sich keiner für eine neue Nutzung findet", sagt Sachsinger.

Seit zwei Jahren etwa steht das Haus leer, erzählt Sachsinger. Jugendliche hätten Fenster eingeschlagen und innen randaliert, auch würden Obdachlose das Haus nutzen und das Gelände vermüllen. Von Grund auf sanierungsbedürftig sei das Gebäude schon, aber in der Substanz noch wertig; und so hat sich Sachsinger auch damit beschäftigt, was im Gebäude geschehen könnte. Erst schlug er als neue Nutzung einen Kindergarten vor, der große Garten mit seinen vielen Bäumen wäre für die Kinder optimal. Die CA Immo sei darauf nicht angesprungen, sagt Sachsinger. Darum hat er dann die Feldmochinger Vereine abgeklappert und versucht, eine Initiative zu zünden; aber auch dabei habe niemand Interesse bekundet.

Nächste Idee: Ein Bürgertreff, denn schließlich würde mit dem Wachstum Feldmochings der Bedarf für solch einen Standort bestehen, sagt Sachsinger. Als Kulturreferent Hans-Georg Küppers dann vor einiger Zeit anmahnte, das Angebot an Stadtteilbürgerhäusern in München auszubauen, wurde Reinhard Sachsinger im Kulturreferat vorstellig. Das Ergebnis: Wenn Sachsinger anzeigt, dass der Bedarf für ein Bürgerhaus an der Raheinstraße besteht, und er jemanden findet, der eine solche Institution betreibt, dann würde sich das Kulturreferat an der Sanierung beteiligen, etwa an der Finanzierung. "Wir haben keine schlechten Karten, wenn wir jemanden finden. Aber es darf niemand sein, der nur vielleicht sagt", beschreibt Reinhard Sachsinger die Situation.