Verkehrskonzept Ein erster wichtiger Schritt

Neue Lösungen gesucht: Der Weingraben - eine Einbahnstraße - könnte für Radfahrer beispielsweise auch in der Gegenrichtung freigegeben werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Moosburger Stadtrat stimmt einem 100 Seiten starken Papier zu, das bessere Verbindungen für Fußgänger und Radfahrer vorsieht. Konkrete Projekte müssen aber erst noch auf den Weg gebracht werden

Von Alexander Kappen, Moosburg

Im Februar 2015 hat der Moosburger Stadtrat sein Energiewendekonzept beschlossen. Dieses beinhaltet einen dicken Katalog mit 30 Einzelmaßnahmen, die es der Reihe nach abzuarbeiten gilt. Dabei ist die Kommune jetzt wieder einen kleinen Schritt weiter. Der Stadtrat hat nun ein vom Büro Kaulen erstelltes Fuß- und Radverkehrskonzept einstimmig befürwortet, das als Arbeitsgrundlage für weitere Aktivitäten auf dem Gebiet dienen soll.

Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU) wies bei der Verabschiedung des, inklusive Anhang, mehr als 100 Seiten dicken Konzepts darauf hin, dass der Beschluss jetzt nicht gleich dessen komplette Umsetzung bedeute und auch noch kein Votum für konkrete Maßnahmen sei. "Aber das Konzept dient als Grundlage für diese Maßnahmen und ist nötig für eine Förderung." Diese kann bei 50 Prozent der Kosten liegen.

Das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen mit Hauptsitz in Aachen und einer Filiale in München war im Juni vergangenen Jahres mit der Erarbeitung des Konzepts beauftragt worden. Hintergrund ist, dass das Fahrrad bei der Energiewende "eine zentrale Rolle" im Verkehrssektor einnehme, da es "keine oder fast keine Energie (Elektrofahrräder) verbraucht", heißt es aus der Stadtverwaltung. Der Ausbau des Radverkehrs sei auch aus städtebaulichen Gründen dringend geboten. Das Büro Kaulen stellt in seiner Ausgangsanalyse fest, dass "ein Großteil der Moosburger Bevölkerung in einem Radius von drei Kilometern um die Innenstadt" wohne. Die Mehrzahl der Alltagsziele befinde sich daher "innerhalb eines für die Nahmobilität günstigen Entfernungsradius".

Bezüglich der vorhandenen Infrastruktur liegt in Moosburg offenbar einiges im Argen. "Ein definiertes Fußwegenetz existiert bisher nicht", heißt es in dem Konzept. Naherholungsgebiete seien über Wanderwege erschlossen, aber es könne kein einheitliches Gestaltungsmuster festgestellt werden. Und: "Der Kfz-Verkehr wird überwiegend bevorzugt." Es liege daher ein "dringender Handlungsbedarf zur Sicherung von Fußgängern und zu Attraktivitätssteigerung besonders der Innenstadt vor".

Was das Fahrrad angeht, sei Moosburg in das Radnetz des Landkreises integriert und in das Bayernnetz für Radler. Aber: "Ein verdichtendes kommunales Radverkehrsnetz als Grundlage infrastruktureller Entwicklung von Radverkehrsachen existiert nicht." Das Potenzial sei aufgrund der kompakten Stadtstruktur jedoch enorm hoch. Bei einer Ortsbegehung seien nur wenige sogenannte "Radverkehrsanlagen" dokumentiert worden, dabei handele es sich "ausschließlich um kombinierte Fuß- und Radwege".

Die Netzanalyse in dem Konzept zeigt an konkreten Beispielen, mit Fotos dokumentiert, Mängel im derzeitigen Rad- und Fußwegenetz auf. So etwa an der Stadtwaldstraße, wo Geh- und Radweg zu schmal sind und keinen Trennstreifen zur Fahrbahn haben. Bemängelt wird etwa auch - am Beispiel des Weingrabens - dass in Moosburg kaum Einbahnstraßen mit Tempo-30-Beschränkung existieren, die in der Gegenrichtung für Fahrräder freigegeben sind, obwohl das rechtlich möglich ist. Kritisiert werden aber auch fehlende Straßen-Querungen für Fußgänger und unübersichtliche, weil zugewachsene Stellen an Fußgängerwegen, die genauso Gefahrenquallen darstellten wie kombinierte Geh- und Radwege.

Das Realisierungskonzept zur Beseitigung von Mängeln und Sicherheitsdefiziten schlägt eine Festlegung von Planungsprioritäten vor. Nach ersten Abstimmungen mit der Stadt und den Rückmeldungen aus einem Bürgerworkshop sieht die Prioritätenliste vor: Schließung der Netzlücke des Schülerverkehrs, punktuelle Sicherungsmaßnahmen und Beseitigung von Gefahrenstellen.

Das Konzept befasst sich zudem mit der Errichtung möglicher neuer Fahrrad-Abstellmöglichkeiten sowie mit Informationsbroschüren und Veranstaltungen sowie der nötigen Pressearbeit rund ums Thema Rad- und Fußverkehr. Es gibt offenbar viel zu tun. Welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und wann das geschieht, wird sich zeigen.