Besser essen Die Grafinger Schulmensa soll gesünder werden

Bevor es um Maßnahmen und Ziele für die zukünftige Mittagsverpflegung gehen soll, verschafft sich das Essensgremium bei Spaghetti Carbonara und Kürbissuppe einen Überblick über den Ist-Zustand am Gymnasium.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ein Verpflegungscoach versucht gerade, die Mittagess-Gewohnheiten am Grafinger Gymnasium zu verbessern - was durchaus eine Herausforderung ist.

Von Carolin Schneider, Grafing

12.50 Uhr am Grafinger Gymnasium. Die Schulglocke läutet zur Mittagspause. Kurz darauf ist die Mensa voll hungriger Schüler, die Schlange vor der Ausgabe zieht sich durch den ganzen Raum. Schulverpflegungscoach Julia Kasten hat sich dazu gestellt und unterhält sich mit den Schülern. Sie ist von der "Initiative Coaching Kita- und Schulverpflegung" der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Oberbayern Ost und möchte sich einen Eindruck vom Mittagessen in Grafing machen. Das Gymnasium hatte sich im Frühjahr 2017 um die Teilnahme an der Aktion beworben, die zu einer Verbesserung der Mittagsverpflegung an Schulen führen soll, und wurde als eine von 36 Schulen in Bayern ausgewählt. Dazu wird den Schulen ein Coach zur Seite gestellt, der sie beraten soll.

Schulleiter Paul Schötz freut sich auf die Herausforderung: "Mir liegt eine gesunde und nachhaltige Verpflegung der Schüler sehr am Herzen." Das ist einer der Gründe, warum er sich für das Coaching beworben hat. "Insgesamt gibt es fünf Treffen vor Ort", sagt Kasten, während sie sich bei einem Mittagessen in der Mensa die aktuelle Situation anschaut. Zusammengekommen ist das sogenannte "Essensgremium". Es besteht aus Lehrern, Schülern und Eltern, die sich des Themas Mittagessen in der Schule annehmen wollen.

Julia Kasten ist Ernährungsberaterin und erarbeitet mit Vertretern von Lehrern, Eltern und Schülern ein Konzept.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Neben dem Schulleiter selbst gehören dazu auch Lehrerin Theresa Hogrefe, die als Verpflegungsbeauftragte der Schule fungiert, Koch Christoph Hagenloch, Andrea Arnoldussen als Vertreterin des Elternbeirats, Lisa Huber vom Landratsamt Ebersberg sowie einige Schüler. Es gibt Spaghetti Carbonara, Currywurst mit Pommes und Kürbissuppe. Zu jedem Mittagsgericht können sich die Schüler einen Salat, Joghurt oder einen Apfel gratis nehmen. Doch nur selten sieht man auf den Tabletts eine gesunde Beilage oder einen Nachtisch. "Salat wird kaum gegessen", berichtet Schötz. "Obwohl es sich die Schüler in Umfragen oft wünschen."

Die meisten Schüler bestellen Currywurst mit Pommes. Nur selten essen sie dazu noch einen gesunden Salat.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Um sich von den aktuellen Wünschen der Schüler ein Bild zu machen, integrierte Schütz ein Kontaktformular in die Webseite der Schule. Damit forderte er Schüler und Eltern auf, ihre Meinung der Schulleitung mitzuteilen. Diese Möglichkeit der Mitbestimmung sei gut angenommen worden. Bei ihrer ersten Sitzung hat das Essensgremium nun das Feedback angeschaut. Außerdem war das Treffen dazu da, eine Checkliste auszufüllen. Anhand derer soll festgelegt werden, welche Anforderungen nach den Bayerischen Leitlinien an die Schulverpflegung in Grafing bereits erfüllt werden und welche nicht.

Mensa "statt irgendwo Fast Food zu holen"

Vier Oberpunkte werden dabei besonders beachtet: Gesundheit, Wertschätzung und Kommunikation, Nachhaltigkeit und Lebensmittelqualität und Kosten. Die Punkte dieser Liste werden kombiniert mit den Zielen, die sich das Essensgremium setzen möchte. Daraus entwickelt die Gruppe Maßnahmen, die im Laufe des Schuljahres umgesetzt werden. Kasten wird als Verpflegungscoach immer wieder vorbeikommen, um Tipps zu geben und den Fortschritt zu beobachten.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative vom Bayerischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das Coaching ist für die Schulen kostenfrei, die beteiligten Parteien müssen jedoch Arbeit investieren. "Zu Beginn ist immer viel zu tun", erzählt Kasten. Doch am Ende steht die Belohnung: eine Mensa, die auf Qualität und Regionalität der Produkte achtet.

"Wir müssen die Schüler dazu motivieren, in der Mensa zu essen anstatt irgendwo Fast Food zu holen", so Schötz. In der Mensa essen fast nur Schüler aus der Unterstufe, die Älteren verlassen das Schulgelände, um sich in der Umgebung mit Essen zum Mitnehmen einzudecken. "Dort kaufen sie sich oft Currywurst, obwohl sie das hier auch bekommen würden", sagt der Schulleiter. Denn Currywurst mit Pommes gibt es in der Mensa jeden Tag.

"Wahrscheinlich wollen sie einfach nicht mit den ganzen Fünftklässlern in der Schlange stehen", vermutet Schötz. Für andere gibt es ein weiteres Problem: Muslime, Vegetarier oder Schüler mit Intoleranzen wissen oft nicht, was sie essen können und was nicht. Schön wäre es jedoch, wenn alle Schüler in der Mensa essen würden und könnten. Dann müsse man sich jedoch etwas einfallen lassen, denn die Schlange um kurz vor 13 Uhr ist sehr lange. Alle Klassen haben zur gleichen Zeit Mittagspause, wenn nun wirklich der Großteil der Schüler in die Mensa zum Essen gehen sollte, wird es eng.

Trotzdem möchte Schötz dafür sorgen, die Mensa für alle seine Schüler attraktiv zu machen. "Wir möchten Schülern und Eltern zeigen, dass sich die Schule bemüht, eine regionale Verpflegung anzubieten", sagt er. Wie die Schüler ein neues Angebot dann annehmen, wird sich erst zeigen, wenn es umgesetzt wurde. Bis dahin steht dem Essensgremium des Grafinger Gymnasiums jedoch noch Arbeit bevor.