Diskussion um Hochschulrat LMU-Präsident verteidigt Schavan

LMU-Präsident Bernd Huber verteidigt die Berufung von Annette Schavan in den Hochschulrat. Zu den Plagiatsvorwürfen will er sich indes nicht äußern. Eine von Kritikern geäußerte Befürchtung bezeichnet Huber als "daneben", bietet ihnen aber einen offenen Dialog an.

Von Sebastian Krass

Bernd Huber, Präsident der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), gibt sich in der Debatte um die Berufung der CDU-Bundestagsabgeordneten Annette Schavan in den Hochschulrat offen für einen Dialog. "Ich rede mit allen, die in der Frage ein Gespräch wünschen", sagte Huber im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Zudem werde er sich bald bei einem Konvent der wissenschaftlichen Mitarbeiter einer Diskussion zu dieser Personalie stellen. Die Entscheidung, Schavan zur Hochschulrätin zu machen, verteidigt er.

Die Uni Düsseldorf hatte Schavan im Februar wegen Plagiats den Doktortitel entzogen, daraufhin war die Politikerin als Bundesbildungsministerin zurückgetreten. Die Berufung in das höchste Aufsichts- und Entscheidungsgremium der erregte bundesweit Aufsehen und löste auch intern teils massiven Widerspruch aus. In einer an diesem Dienstag veröffentlichten Stellungnahme werten die Fachschaften der sozialwissenschaftlichen Fakultät die Berufung Schavans als "Affront gegen all diejenigen, die an der LMU aufrichtig und ehrlich der Forschung nachgehen".

LMU-Präsident Huber lehnt es ab zu sagen, was er vom Plagiatsvorwurf hält, wie es der Informatik-Professor Francois Bry in seinem Blog fordert. "Dazu fehlt es mir auch an der notwendigen Sachkenntnis", sagt Huber. "Für mich ist wichtig, dass sie sich in der Vergangenheit große Verdienste erworben hat." Das sei entscheidend für die Berufung gewesen. Er ergänzt: "Das Ganze erfordert ein gewisses Differenzierungsvermögen." Auch zu der Frage, was passiert, wenn Schavan mit ihrer Klage gegen den Entzug des Titels scheitern sollte, äußert Huber sich nicht.

Die von Kritikern geäußerte Befürchtung, die akademische Glaubwürdigkeit der Exzellenz-Uni LMU könne unter der Personalie Schavan leiden, bezeichnet Huber als "daneben". Er betont: "Zum Selbstverständnis der LMU gehören integres und sauberes wissenschaftliches Arbeiten."

Ernsthaftigkeit wissenschaftlicher Werte steht infrage

Die Fachschaften der sozialwissenschaftlichen Fakultät, zu der die Institute für Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Soziologie gehören, sehen das ganz anders. "Als Studierende werden wir regelmäßig zu wissenschaftlich sauberer Arbeit angehalten, bei Verstößen gegen die strengen Regularien drohen Strafen bis hin zur Exmatrikulation. Die Berufung einer überführten Plagiatorin in das höchste Gremium unserer Universität stellt die Ernsthaftigkeit dieser wissenschaftlichen Werte massiv in Frage", heißt es in ihrer Stellungnahme. "Wir sehen in keiner Weise, wie damit den Interessen der Studierenden und MitarbeiterInnen unserer Universität gedient sein soll."

Die zwei studentischen Vertreter im Senat der LMU hatten der Berufung Schavans zugestimmt. Sie begründeten dies mit studentischen Interessen. Denn in den nächsten Jahren gehe es auf bundespolitischer Ebene auch um die Nachfolge von millionenschweren Förderprogrammen für die Lehre.

Lesen Sie das Interview mit LMU-Präsident Huber in der gedruckten oder der digitalen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 23. Oktober.