Schwarze Schafe unter den Münchner Maklern gibt es einige. Bis zu 2,38 Monatsmieten dürfen sie als Provision verlangen. Profiausbildung soll Abhilfe schaffen.
Das Angebot im Internet klang vielversprechend. Haidhausen, Altbau, drei Zimmer, 85 Quadratmeter, Parkett, ruhig, Südbalkon, 1080 Euro plus Nebenkosten. Von Provision kein Wort. Nur ein Name samt Handynummer. Beim Besichtigungstermin führt ein solariumgebräunter Mann mittleren Alters mit schulterlangem Haar und weit aufgeknöpftem Hemd durch die Wohnung.
Bis zu 2,38 Monatsmieten dürfen Makler als Provision verlangen. (© Foto: Robert Haas)
Anzeige
Die Überraschung kommt, als es um die Frage nach dem Vertrag geht. Der Herr, von Beruf Schauspieler, sagt, er handle im Auftrag der Eigentümerin. Für die Vermittlung will er 2,38 Monatsmieten, das maximal Erlaubte also. Erst später stellt sich durch einen Zufall heraus, dass er der Liebhaber der Eigentümerin ist. Makeln in gemeinsamer Sache also.
2000 Euro Provision für nichts
Sicher ein Einzelfall. Und doch symptomatisch für einen Markt, in dem sich viele tummeln, weil fast alles möglich scheint. Wer eine Wohnung sucht, gerät in München schnell an seine Grenzen - an finanzielle und nervliche. Zum Beispiel Birgit Kuntz (Name geändert):
Sie war überglücklich, als sie von der Hausverwaltung, die sie auf einen privaten Tipp hin selbst kontaktiert hatte, erfuhr, dass sie die ersehnte Wohnung gegenüber der Schrannenhalle haben könne. Sie müsse nur noch mit dem Makler reden.
Der war zwar gar nicht als Vermittler in Erscheinung getreten, hatte aber das Plazet zum Mitverdienen. Man könnte auch sagen: die Lizenz zum Gelddrucken. "Ich dachte, das sei ein Witz", erzählt die junge Mutter. War es aber nicht. Sie konnte sich die 2000 Euro Provision nicht leisten.
Gewerbeschein kostet 1000 Euro
An Maklern kommt man in München kaum vorbei, und dass der Berufsstand nicht gerade gut beleumundet ist, liegt auch daran, dass er keinen klaren Prinzipien gehorcht. Wer Makler werden will, muss keine fachlichen Voraussetzungen vorweisen. Es gibt nur ein Ausschlusskriterium, und das legt der Paragraph 34c der Gewerbeordnung fest:
Man darf nicht wegen eines Eigentumdelikts vorbestraft sein oder in zerrütteten wirtschaftlichen Verhältnissen leben. Das sind nicht gerade hohe Hürden angesichts eines Immobilienmarktes, in dem im Spitzenjahr 2006 in Deutschland 175 Milliarden Euro umgesetzt wurden; wohlgemerkt ohne Mietmarkt, der sich statistisch gar nicht erfassen lässt.
"Sie können heute noch schnell beim Kreisverwaltungsreferat vorbeischauen, 1000 Euro für den Gewerbeschein zahlen und sich Makler nennen", sagt Stephan Kippes, und allein schon sein Tonfall lässt erkennen, dass er so ein Vorgehen nicht gutheißt. "Es geht ja um Vermögenswerte, da braucht man fundierte Fachkenntnis."
Kippes fungiert als Leiter des Marktforschungsinstituts des Immobilienverbands Deutschland. Und der IVD ist die Berufsorganisation der Makler. Entstanden ist er im Jahr 2004 als Fusion der Verbände "Ring Deutscher Makler" und "Verband Deutscher Makler".
IHK-Prüfung als Qualitätsstempel
Stephan Kippes hält zwar schwarze Schafe in der Branche für eher selten. Dennoch setzt er sich für eine Professionalisierung ein. "Wer unserem Verband beitritt, muss einen Fachkundenachweis erbringen", erklärt er. Als Vorbereitung biete die IHK Kurse an.
Die Prüfung sei eine Art Qualitätsstempel - allerdings einer, der nur die Minimalstandards zertifiziert. Am liebsten sieht es Kippes, wenn sich junge Menschen langsam an die Aufgabe herantasten. "Der Ausbildungsberuf Immobilienkaufmann ist eine sehr gute Voraussetzung", sagt er.
Kippes selbst lehrt als Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen. Dort können Studenten den Zweig Immobilienwirtschaft wählen. Das "Highend der Skala", wie Kippes das nennt, ist der eigenständige Bachelor-Studiengang Immobilienwirtschaft, den einige Unis anbieten.
Und was, wenn der Makler unseriös arbeitet? Der IVD hat eine eigene Ombudsstelle eingerichtet. Sie soll im Streitfall erst einmal vermitteln. Kippes: "Wenn einer bei uns vor den Ehrenrat zitiert wird, ist das schon recht unangenehm."
- Thema
- Immobilienmarkler RSS
- Wohnen in München Die Stadt, die uns lieb und teuer ist 12.03.2010
- Mietpreise in München Alle wollen Altbauten 16.03.2010
- Der Weg zur eigenen Immobilie (9) Teuer und geliebt 12.03.2010
- Der Weg zur eigenen Immobilie (8) Wie man zu Geld kommt 15.02.2010
- Geldanlage Immobilie Betonierte Sicherheit 22.04.2010
(SZ vom 27.03.2010/rs)
Großbrand in Altstadt von Coburg
Die neueste Antwort
Wo? München mag teuer sein, aber: Die Gebühr für eine Gewerbeanmeldung einer natürlichen Person beträgt 43,-- €, für eine juristische Person 50,-- €. (Quelle: Stadt München)
Komisch: 2000 hätte ich schon, aber eine Wohnung bei der Schranne kann ich mir nicht leisten ...
Auch "Journalist/in" und "Redakteur/in" sind keine geschützten Berufsbezeichnungen, infolgedessen darf sich jede/r so nennen.
Dass gerade auf dem Immobiliensektor quasi sektiererische und/oder mafiaähnliche Strukturen herrschen, ist sattsam bekannt.
In Kursen von Weiterbildungsinstituten kann man zum "Drei-Monats-Thetan" mutieren.
Manche nennen das gesamte Maklertum parasitär.
Gegenargumente sind willkommen.
Nein, nicht der übliche Makler-Selbstbeweihräucherungs-Mist.
Echte Gegenargumente.
Ich bin auf der Suche nach einer Eigentumswohnung.
Bei Wohnungbesichtigungen kam ein Makler 15 Minuten zu spät.
Ordentliche Unterlagen habe ich meist nur auf mehrmalige Nachfrage bekommen.
Ein Maklerbüro antwortete gar nicht erst als ich es auf eine im Internet angebotene Wohnung hin kontaktierte.
Ich weiss nicht wofür ich denen einige 1000 Euro für praktisch Null Leistung bezahlen sollte.
Ich setze jetzt eine Suchanzeige mit dem Vermerk "nur von Privat" in verschiedene Zeitungen.