Plug & Play Unter uns

Das elfte Plug & Play des Kulturvereins Tollhaus-Dachau war wieder ein großes Familientreffen mit Coverversionen der Rockgeschichte.

Von Sophie Burfeind

Die Dachauer Band Lupin stellt auf dem Plug & Play ihr neues Elektro-Pop-Album vor.

(Foto: © joergensen.com)

Wenn sich Rockstars nach ihren Auftritten rücklings in die begeisterte Menschenmasse von der Bühne fallen lassen, spricht man von Stagediving. Normalerweise geschieht dieses Ritual bei größeren Konzerten oder Festivals. Auch beim sechsten Dachauer Plug & Play ist diese Praxis angekommen, allerdings mit einem großen Unterschied: Im Foyer fangen einen nicht bloß Fans auf, die den Star endlich mal berühren wollen, sondern Freunde. Man kann sagen die ganze Familie der bunten Rock- und Popmusik des Landkreises Dachau. Nach dem Auftritt seiner Band T4U lässt sich also Rainer Rackl gekonnt ins Publikum fallen - und wird einige Sekunden regelrecht auf Händen getragen. Schließlich gilt es, 20 Sekunden zu überbrücken - die zweite Band des Abends hat ihr Spiel viel zu früh abgebrochen, was nicht erlaubt ist.

Beim Dachauer "Plug & Play" im Ludwig-Thoma-Haus spielen traditionellerweise elf Bands jeweils 1111 Sekunden lang direkt hintereinander. Die Reihenfolge wird per Los entschieden. Der Countdown ist auf einem Bildschirm über der Bühne zu sehen. Mittlerweile ist das Festival in Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Tollhaus-Dachau e.V. von Bündnis-Stadtrat Kai Kühnel zu einem der ganz großen Termine für Dachauer Bands geworden, besonders für Nachwuchskünstler, die hier erstmals vor einem großem Publikum im Ludwig-Thoma-Haus auftreten können.

Eröffnet wird das Band-Event pünktlich um 19.19 Uhr von den Lokalmatadoren Just Chanpero. Deren Bandleader, Robert Freudenberg aus Jetzendorf, organisiert diese Tollhaus-Veranstaltung ebenfalls mit. Schon innerhalb der ersten Minuten ihres Auftritts locken sie mit einer groovigen Coverversion von "Sympathy for the Devil" von den Rolling Stones so viele Menschen in den Saal, dass kaum noch Raum auf der Tanzfläche bleibt. Die Brit-Rock-Band beweist, dass sich große Säle mit gut gespielten Rockklassikern wie "I was made for Loving You" von Kiss oder "Fat Bottomed Girls" von Queen innerhalb kürzester Zeit füllen lassen.

Dennoch gelingt es auch der darauf folgenden Band T4U aus München gleichermaßen, das Publikum mit ihrer fetzigen irischen Musik anzuheizen und zu begeistern. Besonders beeindruckend ist neben der herausragenden Stimme des Sängers Rainer Rackl das virtuose Spiel von Bojana Jerkovic an der Geige. Ein zuverlässiges Stimmungsbarometer, wie gut den etwa 500 Gästen die einzelnen Bands gefallen, ist, wie voll der Saal bleibt. Sobald eine Band etwas weniger Anhänger findet, leert er sich.

Im Vorfeld betonte Robert Freudenberg, wie wichtig ihm eine familiäre Atmosphäre bei der Veranstaltung sei. Auch in diesem Jahr feiern wieder Jugendliche gemeinsam mit Gästen ihrer Eltern- oder Großelterngeneration. Dabei ist das Familiäre nicht nur auf den Zuschauerraum beschränkt. Das Los entschied, dass nach der Andy Müller Band die Red River Stones spielen sollten, eine Nachwuchsband aus Schwabhausen. So kann der Gitarrist und Sänger Andy Müller stolz seinem 15-jährigen Sohn die Bühne überlassen. Marius Müller ist das jüngste Mitglied der Hardrock-Band Red River Stones. Die fünfköpfige Band existiert seit Anfang 2011, Marius Müller ist seit einem halben Jahr dabei. Beim "Plug & Play" spielen sie zum ersten Mal und überzeugen mit einem mitreißenden, rockigen Sound.

Die Mundart-Band Zweckinger scheint der Kelly-Family Konkurrenz machen zu wollen. Nicht nur ihre acht Bandmitglieder sind angereist. Der ganze Backstage-Raum ist von ihren Kindern mitsamt Partnern belegt. Die Gruppe Obazda unterhält mit Mundart-Musik und ganz besonders die X.angelBuam. Die kommen zwar aus München, sind aber auf den Festivals des Landkreises, beispielsweise auf dem Rothof in der Nähe von Schwabhausen, schon längst so heimisch geworden sind, dass sie sogar auf dem Dachauer Christkindlmarkt aufspielen.

In Lederhosen und mit schwarzen Sonnenbrillen, halb Bayern, halb Blues-Brothers, eröffnen sie ihre witzige Darbietung mit dem Song: "Wo is er hin, der Blues?" Eigens für das Plug & Play haben sie bairische Texte zu den bekannten Songs des Blues-Brothers-Soundtracks geschrieben. Aus "Minnie the Moocher" wird "Siggi, der Lutscher".

Nach den Krachern und deftigen Liedern klingt der Konzertabend mit der Elektro-Pop-Band Lupin um Sascha Seelemann aus. Für ihren Auftritt hat die Band nicht nur zwei Streicher organisiert, sondern präsentiert exklusiv auch Lieder von ihrem neuen Album. Der gleitende Übergang in eine sanfte harmonische Nachtstimmung ergreift nicht nur Robert Freudenberg. Allen fällt es schwer, ihren Favoriten auszumachen. Freudenberg sagt nur: "Ich kann nicht sagen, was mir am besten gefallen hat, weil alles cool war."