Odelzhausen Move Together sammelt 15 348 Euro für gute Zwecke

Die Veranstalter des Open-Air-Festivals spenden einen Großteil ihrer Einnahmen an soziale Projekte.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Benefizfestival "Riding Higher" brachte dem Verein mehr ein als nur Schlagzeilen wegen eines missglückten Polizeieinsatzes.

Von Benjamin Emonts, Odelzhausen

Das Riding Higher Benefizfestival hat im vergangenen Sommer deutschlandweit Bekanntheit erlangt. Verantwortlich dafür waren allerdings nicht die vorzüglichen Musiker, etwa die Reggae-Koryphäe Clinton Fearon. Es war auch nicht das familiäre, friedliche Miteinander, welches das Festival seit mehr als zehn Jahren prägt. Nein. Verantwortlich für den großen Ruhm, der dem Festival zuteil wurde, war in der Hauptrolle die Dachauer Polizei.

Indem sie im Vorfeld 45 Karten für Zivilfahnder angefordert hatte, löste sie deutschlandweit Empörung aus, als der Vorgang an die Öffentlichkeit kam. Die Polizei, so lautete der Vorwurf, wolle ein friedliches Festival stören, um ein paar Kleinkiffer zu kriminalisieren. Das populäre Lifestyle-Magazin Vice erklärte die Dachauer Polizei seinerzeit gar zur "Heulsuse der Woche".

Helden durch zivilen Ungehorsam

Eine Welle der Begeisterung und des Respekts hingegen schwappte im Netz den Veranstaltern des Festivals geradewegs ins Gesicht. Ihnen war es schließlich gelungen, die Polizeikontrollen durch eine Art zivilen Ungehorsam im Keim zu ersticken. Während die Polizei schon nach Tag eins des Festivals frustriert von dannen zog, wurden die Veranstalter zu Helden stilisiert. In der öffentlichen Wahrnehmung waren sie zweifelsohne die "good cops".

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Was bei aller Euphorie in den sozialen Medien jedoch leider untergegangen ist, war der große Erfolg, den die Veranstalter im vergangenen Jahr mit ihrem Festival hatten. Es war ausverkauft. Und über das gesamte Wochenende hinweg feierten die Gäste bei Sonnenschein ein rauschendes Fest der Vielfalt und Toleranz. Die Polizei registrierte letztendlich keine einzige Straftat. Dafür schrieb der Verein Move-Together e.V., der das Riding Higher bereits zum neunten Mal veranstaltete, hervorragende Zahlen. Als gemeinnütziger Verein wird ein Großteil der Erlöse gespendet. Mit insgesamt 15 348 Euro war die Summe größer als je zuvor in der Geschichte des Festivals. Die Hauptempfänger, welche vom Veranstalter ausgesucht werden, waren der Verein Amnai, ein Kindergartenprojekt in Tansania (4368 Euro), das Projekt Watch the Med zur Sicherung des Mittelmeer-Transits und zur Unterstützung in Seenot geratener Schiffe (4868 Euro) und das Münchner Café 104, eine Anlaufstelle für Menschen, die in die Illegalität gerutscht sind oder keinen geregelten Aufenthaltsstatus haben und sich daher in schwierigen Situationen befinden (4662 Euro).

200 Ehrenamtliche packen mit an

In Odelzhausen griff Move Together dem örtlichen Asyl-Helferkreis mit 1000 Euro unter die Arme. "Mit unseren Spenden wollen wir den Bogen spannen von der schwierigen Situation in vielen Ländern des globalen Südens über die Transitzonen bis hin zur Situation von geflüchteten Menschen hierzulande, die oft über viele Jahre nie wirklich ankommen", erläutert Vorsitzender Ralf Scheck die Vergabepolitik des Vereins. Auch die Rumänienhilfe sowie die Bürgerstiftung Odelzhausens erhielten 200 beziehungsweise 250 Euro.

Möglich gemacht haben dies mehr als 200 Ehrenamtliche, die das Festival in zweijähriger Arbeit geplant und schließlich über die Bühne gebracht haben. Der bekannte bayerische Liedermacher Hans Söllner, selbst überzeugter Kiffer und Intimfeind der bayerischen Polizei, schrieb auf seiner Facebook-Seite über das Riding Higher: "Da möchte ich auch mal spielen." Ob es jemals dazu kommen wird - fraglich. Das Odelzhausener Festival soll seinen familiären Charakter beibehalten, sagen die Veranstalter. Respekt haben sie sich alle mal verdient - insbesondere, weil sich Move Together für karitative Zwecke einsetzt.