Markt Indersdorf Im Schatten des Monsters

Das geplante Caritas-Zentrum am Bahnhof Indersdorf bringt die Anwohner auf die Barrikaden. Sie kritisieren den Standort des massiven Gebäudes und werfen der Gemeinde "Gigantomanie" vor.

Von Robert Stocker

Noch ist es grüne Wiese: das Grundstück für den Neubau am alten Baywa-Lagerhaus in Indersdorf.

(Foto: Toni Heigl)

Der geplante Bau eines Caritaszentrums am Indersdorfer Bahnhof stößt bei Bürgern auf Widerstand. Die Kritiker des Projekts, zu denen nicht nur Anlieger gehören, haben sich in der "Interessengemeinschaft Bahnhofsgelände" zusammengeschlossen und fordern die Gemeinde auf, die Planung des Projekts zu überdenken. In einem Schreiben an die beiden Bürgermeister und die Gemeinderäte kritisieren sie den Standort und die Ausmaße des vierstöckigen Baus, in dem neben einer sozialpsychiatrischen Einrichtung auch Wohnungen für sozial schwache Menschen entstehen sollen. Die Gegner sehen in dem Bau "Gigantomanie" und befürchten ein "Neuperlach" in Indersdorf. Außerdem fühlen sie sich vom Gemeinderat überrumpelt.

Aufgeschreckt wurden die Anlieger durch eine Gemeinderatssitzung Ende Juli, in der ein erster Planentwurf vorgestellt wurde. Einstimmig beschloss der Gemeinderat, einen Bebauungsplan aufzustellen. Der 48 Meter lange, 15 Meter breite und 13 Meter hohe viergeschossige Neubau soll auf dem östlichen Teil des Bahnhofsgeländes entstehen, wo sich derzeit ein Regenrückhaltebecken befindet. "Wir sind nicht so vermessen zu glauben, wir könnten die Bebauung des gemeindlichen Grundstücks verhindern", schreibt die Interessengemeinschaft in dem Brief an Bürgermeister und Gemeinderäte. "Wir werden aber mit allen uns verfügbaren Mitteln gegen die geplanten, nahezu gigantischen Ausmaße des Neubaus angehen." Einen ersten Meinungsaustausch zwischen Kritikern und Bürgermeister Josef Kreitmeir, Bauamtsleiter Erich Weisser und einigen Gemeinderäten gab es bei einem Ortstermin am vergangenen Montag. "Ich habe aber keine großen Hoffnungen, dass sich an den Planungen etwas ändert", fasst Anlieger Karl Heinz Mayer seine Eindrücke von diesem Treffen zusammen. "Der Bürgermeister pocht auf maximales Baurecht."

Die Gemeinde sucht seit längerer Zeit ein Grundstück, das für dieses Projekt geeignet ist. Den Grund auf dem östlichen Teil des Bahnhofsgeländes erwarb sie vor zehn Jahren günstig von der Bahn. Im Kaufvertrag wurde damals vereinbart, dass das Grundstück nicht vor Ablauf dieser Frist für Wohnbebauung genutzt werden darf - andernfalls hätte die Gemeinde nachzahlen müssen. Auch der Marktplatz war als Standort für den Bau im Gespräch, wurde aber aus wirtschaftlichen Gründen wieder verworfen. Ortsteile im Außenbereich kommen für die Gemeinde nicht in Frage. "Von der Grundüberlegung her ist dieser Standort am Bahnhof ideal, die Leute haben eine gute Anbindung und kurze Wege", sagt Geschäftsleiter Klaus Mayershofer. Außerdem habe die Gemeinde die Aufgabe, für bedürftige Menschen etwas zu tun.

Die Größe des Baus rechtfertigt er mit dem geplanten Projekt in der Nachbarschaft. Im Süden soll auf dem ehemaligen Baywa-Gelände eine Siedlung mit bis zu fünfgeschossigen Häusern und einem achtstöckigen Wohnturm mit großzügiger Dachterrasse entstehen. "Da ist es nur gerecht, dass auch die Gemeinde maximal bauen will", unterstreicht der Geschäftsleiter der Gemeinde. Den Vorwurf der Interessengemeinschaft, die Gemeinde habe die Bürger überrumpeln wollen, lässt Mayershofer so nicht gelten. "Wir sind erst ganz am Anfang und haben noch keinen Bebauungsplan. Dann kommt die Bürgerbeteiligung. Wir wollten nichts unter den Teppich kehren."

Nächste Woche wollen Bürgermeister Kreitmeir, die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat und einige Anwohner sich noch einmal zu einem Gespräch im Rathaus treffen. Dabei wollen die Anlieger dafür kämpfen, dass das Projekt deutlich abgespeckt oder ein anderer Standort gefunden wird. Der Standort am Bahnhof sei völlig ungeeignet, weil er an einer Straße mit Bahn- und Busverkehr und an einer nächtlichen Rennstrecke liege, wo Jugendliche immer wieder randalierten. Die sozial schwachen und alten Menschen, die im dritten Stock wohnen sollen, säßen quasi auf dem Bahngleis. Die Anlieger, die auch die Ausmaße der Baywa-Bebauung kritisieren, sehen in dem Projekt zudem eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. "Nach dem Bau werden wir mit einem Abstand von sechseinhalb Metern zu unserem Garten im Dauerschatten dieses Monsters leben", befürchtet Anlieger Karl Heinz Mayer.