Landkreis Gesundheitsamt warnt vor Legionellen

In mehr als 100 gewerblich genutzten Gebäuden des Landkreises hat die Behörde einen Befall des Wasser mit den Bakterien entdeckt.

Von Benjamin Emonts

Eingefärbte Legionellen unter dem Mikroskop.

(Foto: dpa)

Legionellen sind winzige, stäbchenförmige Bakterien, welche die sogenannte Legionärskrankheit auslösen. Dabei handelt es sich um eine Tröpfcheninfektion, die eine tödlich verlaufende Lungenentzündung auslösen kann. Das Gesundheitsamt Dachau warnt vor einem Gesundheitsrisiko im Landkreis Dachau. Denn die aktuellen Zahlen der Behörde belegen, dass deutlich mehr als 100 Warmwasseranlagen von gewerblich genutzten Gebäuden im Landkreis Dachau Legionellenkonzentrationen über dem zulässigen Grenzwert aufweisen. Der Leiter des Gesundheitsamts, Hans Bergemann, spricht inzwischen von einem "ernst zu nehmenden Problem", es gehe darum, Wohnungseigentümer und Mieter für das Thema zu sensibilisieren.

Besonders gefährlich sind die Legionellen - in hoher Konzentration - für "Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben", sagt Gesundheitsamtsleiter Bergemann - sprich für ältere Menschen, Personen mit Lungenvorerkrankungen, Raucher oder etwa Tumorpatienten, Diabetiker sowie Rheumakranke. Für gesunde Menschen bestehe kein großes Risiko. Trotzdem rät Bergemann auch ihnen, sich dem Problem bewusst zu werden.

"Die größten Gefahrenherde sind Duschen, Whirlpools, Gartenduschen- und -sprenger sowie Klimaanlagen", sagt Claudia Schuller, Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Legionellen vermehren sich am besten bei Temperaturen zwischen 25 und 55 Grad. Liegt die Temperatur darunter oder darüber, sterben sie ab. Begünstigt wird die Vermehrung durch geringe Wasserzirkulation, wenn Mieter ihre Dusche nur selten gebrauchen und das Wasser lange in den Leitungen steht. Oder durch schlecht isolierte Wasserrohre.

Neben der gefährlichen, aber nur selten auftretenden Legionärskrankheit, die unbehandelt in 15 bis 20 Prozent der Fälle tödlich verläuft, können Legionellen auch das sogenannte Pontiac-Fieber auslösen - eine Krankheit, die "meist harmlos und grippeähnlich verläuft", wie LGL-Sprecherin Claudia Schuller sagt. Da die Dunkelziffer entsprechend hoch sei, rechne man deutschlandweit mit 100 000 Fällen von Pontiac-Fieber jährlich. Die Legionärskrankheit ist vergangenes Jahr 159 Mal in ganz Bayern aufgetreten (im Landkreis Dachau sechs Fälle seit dem Jahr 2000). Beide Krankheiten, klärt Schuller auf, werden ausschließlich durch Tröpfcheninfektion, das heißt durch das "Einatmen lungengängiger Aerosole", übertragen. "Menschen können sich gegenseitig nicht anstecken", sagt Schuller.

Für die Wohnungseigentümer eines Hauses in der Dachauer Altstadt ist das Thema Legionellen brandaktuell. Nach mittlerweile zwei Wasserproben, die gemeinsam mit dem Gesundheitsamt durchgeführt wurden, ist die Legionellenkonzentration im Warmwasser immer noch deutlich zu hoch. Liegt ein Legionellenbefall von mehr als 100 koloniebildenden Einheiten pro 100 Milliliter vor, so muss der Befund umgehend dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden. Bei den Proben in der Augsburger Straße, einem Mehrfamilienhaus mit 24 Wohneinheiten, lag das Ergebnis bei 4800 beziehungsweise 5000 Einheiten. Die Gesundheitsgefahr ist zwar erst ab einem Wert von 10 000 Einheiten akut, doch Handlungsbedarf besteht allemal. Robert Isztl von der zuständigen Hausverwaltungsfirma Flack sagt: "Ich fühle mich verantwortlich, weil das Thema die Gesundheit der Menschen betrifft." Besonders Mütter und ältere Menschen seien besorgt. Doch das Gesundheitsamt dränge bei diesem Thema vehement auf Aufklärung. Die beste Waffe gegen die Legionellen sind Heißwasser-Spülungen.

Dem Leiter des Amtes, Hans Bergemann, sind im Landkreis schon Gebäude untergekommen, die 10 000 Einheiten überschritten haben. In diesen Fällen muss der Vermieter sofort ein Duschverbot verordnen. Seitdem 2012 eine novellierte Fassung der Trinkwasserverordnung gilt, mussten bis spätestens 31. Dezember 2013 alle öffentlichen und gewerblich genutzten Gebäude ihre Trinkwasseranlagen untersuchen lassen. Meldepflichtig sind laut Trinkwasserverordnung sämtliche Wohnanlagen, die über einen Boiler mit einem Fassungsvermögen von mindestens 400 Litern verfügen oder deren Rohrleitungen zwischen Boiler und dem entferntesten Wasserhahn mehr als drei Liter Inhalt vorweisen.

Seit die Meldepflicht besteht, schießt die Zahl der Gebäude, die den kritischen Wert von 100 koloniebildenden Einheiten pro 100 Milliliter überschreiten, in die Höhe. "Wer sich Sorgen macht, sollte sich vom Vermieter über die Ergebnisse der Wasserproben informieren lassen", sagt Schuller. Vermieter müssen mindestens im Dreijahresturnus das Warmwasser testen lassen.