Klinikum Dachau Der ersehnte Durchbruch

Helios und der Landkreis einigen sich als Aktionäre der Amperkliniken auf neue Kooperation.

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Die Erleichterung bei der Helios-Kliniken GmbH und dem Landkreis ist groß. Nach den teils harten Auseinandersetzungen der vergangenen zwei Jahre ist am Mittwoch dieser Woche auf der Aufsichtsratssitzung der Helios Amper-Klinikum AG anscheinend der Durchbruch gelungen. Die Beteiligten haben sich auf eine neue Form der Zusammenarbeit geeinigt, welche Dachau innerhalb des Verbunds der Helios-Häuser in Süddeutschland eine maßgebliche, leitende Funktion zusichert. Eine Rolle, die das Unternehmen als eine Art Holding bereits unter der Rhönklinikum AG eingenommen und im Zuge des Verkaufs der Mehrheitsanteile an Helios verloren hatte.

Karin Gräppi ist bei Helios für die Personalführung zuständig und gleichzeitig Vorsitzende des Aufsichtsrats der Amperkliniken. Im SZ-Gespräch gestand sie zu, dass Helios die Integration von 40 Häusern der Rhönklinikum AG vor etwa zwei Jahren unterschätzt habe. Im Besonderen gilt diese Diagnose für die Amper Klinikum AG. Jetzt teilt Karin Gräppi aus der nicht öffentlichen Aufsichtsratssitzung vom Mittwoch mit: "Ich bin überzeugt, dass wir durchstarten können."

Dachauer Besonderheiten zu wenig berücksichtigt

Wie Karin Gräppi weiter sagt, hätten sie und die Geschäftsführung in Berlin die Dachauer Besonderheiten bislang zu wenig berücksichtigt. Die Eigenheiten resultieren aus der Geschichte der Amperkliniken AG von zwei maroden Kreiskrankenhäusern in Markt Indersdorf und Dachau zu einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft mit dem Landkreis als alleinigen Anteilseigner und schließlich dem Verkauf der Mehrheitsanteile zunächst an die Rhönklinikum AG. Dabei spielte das Dachauer Klinikum eine herausragende Rolle als Unternehmen mit innovativen Ansätzen.

Nach dem Ausscheiden von Vorstand Uwe Schmid verstärkte Nachfolger Bernward Schröter das Streben nach Neuerungen und Experimenten. Er führte, wie Insider urteilen, einen Stil ein, der den Abteilungen und einzelnen Bereichen große Verantwortung und Selbstständigkeit gönnte. Mit dieser Unternehmensführung kollidierte Schröter nach der Übernahme des Unternehmens durch Helios. Landrat Stefan Löwl (CSU) drückt es so aus: "Helios hat ein strenges Konzept." Seiner Einschätzung nach setzt der Konzern auf ein strenges Qualitätsmanagement und demzufolge auf klare Vorgaben. "Dieses Prinzip", sagt Löwl weiter, "müssen die Verantwortlichen leben."

"Wir picken eben nicht Rosinen"

Karin Gräppi, Personalchefin der Helios GmbH, über Gesundheit, Profit und die Kriterien guter Pflege. Die Zukunft der Dachauer Amper-Klinikum AG, die zum Konzern gehört, bereitet ihr keine Sorgen mehr, weil die Aktionäre endlich an einem Strang ziehen Interview von Wolfgang Eitler mehr...

Deswegen aber sind Helios und der Landkreis Dachau in den vergangenen knapp zwei Jahren nicht wirklich zusammengekommen. Dabei fühlten sich Dachaus Kreispolitiker regelrecht getäuscht, als Helios die Zentrale für die elf süddeutschen Kliniken von Freiburg über Pforzheim bis nach Dachau in das Klinikum nach München-Pasing verlegte. Die Dachauer empfanden diese Entscheidung aus drei Gründen als Affront.

Der psychologische Faktor

Zunächst verlor Dachau nach außen die Position als zentraler regionaler Standort. Zum Ansehensverlust kam noch der psychologische Faktor hinzu, nicht mehr an Entscheidungen direkt beteiligt zu sein. Die fielen nun in Pasing. Schließlich ging es um harte Fakten des Konkurrenzvorteils. Mit Löwls Worten: "Wir waren in Sorge um unsere Stellung als Schwerpunktklinik." In den vergangenen Wochen zeichnete sich bereits eine Wende im Verhältnis zwischen Dachau und Helios ab. Am Mittwoch dieser Woche wurden daraus Beschlüsse.

Sie bedeuten den Startschuss zum Ausbau von Dachau. Wie Gräppi im SZ-Gespräch darlegte, soll das Klinikum so ausgebaut werden, dass die "Versorgung über die ganze Lebenskette von der Geburt bis zur Begleitung von Sterbenden" geschlossen wird. Außerdem wird Dachau wieder offiziell zur regionalen Helios-Zentrale für Süddeutschland.

Landrat Löwl gibt sich jetzt optimistisch: "Wir wissen, dass Helios Krankenhäuser kann. Sie sind in Deutschland der erfolgreichste Klinikkonzern." Aufsichtsratsvorsitzende Karin Gräppi sagte: "Ich bin frohen Mutes." Im SZ-Gespräch erhebt sie den Anspruch, die Pflege qualitativ verbessern zu wollen. Sämtliche Planstellen seien besetzt. Zurzeit läuft eine Patientenbefragung zur Zufriedenheit mit der Pflege in Dachau und Markt Indersdorf.